Bischof Küng: „Kirche hat Aufgabe der Heilung“

Die natürliche Empfängnisregelung sei wichtig für die Qualität einer Beziehung, betonte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng beim Jahrestreffen der Referentinnen und Referenten für Eheseminare und Ehebegleitung in St. Pölten. Es gelte, nicht nur den sinkenden Kinderzahlen entgegenzusteuern, sondern den Ehepartner „als ganzen Menschen mit seiner Sexualität“ zu bejahen. Die Entscheidung für die natürliche Empfängnisregelung sei eine „Frage der Einstellung zueinander“. Bischof Küng zeigte sich überzeugt, dass auch junge Menschen für diese „Lebenssicht“ offen seien.
Angesichts der hohen Zahlen gescheiterter Ehen sieht der Bischof für die Kirche „eine große Aufgabe der existentiellen Heilung“: „Wir haben die Verantwortung, mit Verständnis beizustehen.“ Besonders wichtig sei die Schaffung von Räumen, in denen „Vergebung und Verzeihung“ möglich sind, so Küng. Wenn sich Menschen trennen, scheiden lassen oder auch danach wieder heiraten, sei es Aufgabe der Kirche „zu verstehen, zu begleiten und hinzuführen zum barmherzigen Gott“.

Die Ehevorbereitung und pastorale Ehebegleitung spielten in diesem Zusammenhang eine zunehmend wichtige Rolle, erklärte Küng. Er wünsche sich eine „prozesshafte Hinführung“ zu Ehe. Dadurch werde der Glaube in die heutige Gesellschaft erneut „inkulturiert“, so Küng. Die aktuellen Standards der Ehevorbereitung, die auch Kurzseminare vorsehen, hält Küng für „einen ersten Schritt“. Auf längere Sicht wüsche er sich jedoch, die Ehevorbereitung „zu forcieren“ und auf fünf bis sechs Monate auszubauen: „Es gibt römische Dokumente, die sogar von zwei Jahren sprechen.“ Wenn die jungen Menschen „sehen, dass es hilft“, würden sie sich auch für längere Kurse entscheiden.

Nach sinkenden Zahlen in den 90er-Jahren ist die Tendenz seit einigen Jahren wieder stark steigend. Im heurigen Jahr nahmen bis Oktober bereits über 801 Paare an den verschiedenen Kursen der Ehevorbereitung und Ehebegleitung teil. Den größten Teil der Seminare gestalten Paare, die dafür ausgebildet wurden. An vielen Orten sind Priester eingebunden, an manchen Kursorten auch Ärzte oder Hebammen. Als Seminarleiter stehen derzeit 64 Referentenpaare, 30 Priester und Theologen sowie 11 Ärzte und Hebammen zur Verfügung.

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