Bischof Küng: Den Herausforderungen gemeinsam begegnen

In der Festmesse beim Fest der Hoffnung des "Forum XXIII" in St. Pölten rief Bischof DDr. Klaus Küng die Anwesenden auf, "den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft möglichst gemeinsam zu begegnen". Angesichts der heutigen Entwicklungen könne sich die Kirche "nicht den Luxus erlauben, sich nur auf bestimmte Kreise zu beschränken, die die Sendung der Kirche verwirklichen sollen".
"Vielleicht sind wir nicht in allem einig", sagte der Bischof. "Wirken wir aber zusammen, wo wir einig sein. Reden wir auch miteinander, damit die Einheit größer wird und mehr Menschen erreicht werden", sagte er und fügte hinzu "es geht um den Menschen, es geht darum, dass wir alle zu Gott finden. Denn jeder hat seinen Platz und sein Charisma".
Mit Bischof DDr. Klaus Küng zelebrierten Propst Maximilian Fürnsinn aus dem Stift Herzogenburg, Prälat Johannes Oppolzer, Dechant OStR Franz Großhagauer aus Königstetten, Pfr. GR Alois Strohmeyer aus Stein und Pfr. KR Theodor Liebhart aus Sallingberg.


Ökumenischer Beginn


Nach den Stiften Melk, Geras, Herzogenburg, Göttweig, Seitenstetten und Zwettl feierte das Forum XXIII dieses Jahr zum ersten Mal sein "Fest der Hoffnung" in St. Pölten. Das Fest begann mit einer ökumenischen Einstimmung in der Kapelle des Bildungshauses durch die Superintendenten der evangelischen Kirche, Mag. Paul Weiland, und der methodistisch-evangelischen Kirche, Lothar Pöll. Beide bezeichneten die Geschichte ihrer Kirchen und ihr Verhältnis zum Staat in der Zweiten Republik seit 1945 als "so gut wie nie zuvor". Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe sich auch die Ökumene wesentlich weiter entwickelt und zu vielen gemeinsamen Initiativen geführt, unterstrichen sie.


Katholische Kirche in Österreich seit 1945


Auf die Entwicklung der Katholischen Kirche ging der Grazer Historiker Univ. Prof. Dr. Maximilian Liebmann anschließend in seinem Thema "Aufbruch - Krise - Hoffnung, die Katholische Kirche von 1945 bis 2005" ein.
In seinen Ausführungen spannte er den Bogen vom Kulturkampf der ersten Republik bis zur Deklaration der \"freien Kirche im freien Staat\" im "Mariazeller Manifest", von der Katholischen Aktion als einzige und hierarchisch geordnete Apostolatsbewegung bis zur Konzilstheologie mit der allgemeinen Berufung der Laien.
Hatte einst der politische Katholizismus mit dem Konkordat sein Kulturkampfziel erreich, so erreichte der radikal-kirchenfeindliche Antiklerikalismus in der NS-Zeit sein angestrebtes Ziel, führte Liebmann aus. Die Reibepunkte dabei waren vor allem die Eherechtsangelegenheiten zwischen konfessionellem Eherecht und Zivilehe, die konfessionellen Schulen und der Religionsunterricht sowie die Kirchenfinanzierung.
Versuchten Vertreter der Kirche nach dem Weltkrieg zunächst die Wiederherstellung des Konkordates - mit Ausnahme der Kirchenfinanzierung durch das Beitragssystem von 1939 - zu erreichen, bemühten sich die Bischöfe dann gegen die Position Roms um eine Neuverhandlung des Konkordates, was erst unter Papst Johannes XXIII. möglich wurde. Großen Anteil hatte dabei Kardinal Dr. Franz König, der sich erfolgreich gegen die Wiederanerkennung des Dollfuß-Konkordates gewehrt hatte. Dies wurde \" von vielen als Brücke zur Arbeiterschaft gewertet wurde und stellte eine äußerst belastbare Aussöhnung dar", wie Liebmann sagte.


Eine wesentliche Änderung erfuhr das Laienapostolat, das sich vorerst nur auf die hierarchisch strukturierte KA, wie im Ständestaat formuliert wurde, orientierte, die vor allem von Kardinal Innitzer aus Wien und Fürstbischof Pawlikowski aus Graz unterstützt wurde. Das hierarchische Führungsprinzip stand dabei im Vordergrund und die Oberleitung durch den Bischof war unumstritten. Die KA demonstrierte bei Großveranstaltungen in allen Diözesanstädten ihre damalige Stärke, sagte Liebmann.


"Kopernikanische Wende" des Laienapostolates


Erst durch die Konzilstheologie kam ein fundamentales Umdenken, das er gleichsam einer "kopernikanischen Wende" gleichstellte. Das Apostolat werde darin als Teilnahme an der Heilssendung der Kirche selbst gesehen, wodurch der Laie zugleich "Zeuge und lebendiges Werkzeug der Sendung der Kirche selbst" sei. Die Bischöfe sollten dabei die Würde und Verantwortung der Laien in der Kirche anerkennen und fördern, sie sollten "deren klugen Rat benutzen, ihnen vertrauensvoll Aufgaben im Dienst der Kirche übertragen und ihnen Freiheit und Raum im Handeln lassen", zitierte Liebmann. Neben der Installierung von Räten auf allen Ebenen, von der Diözese bis zu den Pfarren, kam es auch zu zahlreichen Gründungen katholischer Gemeinschaften, wie etwa auch das "Forum XXIII".


Dank an Bischof Aichern


Die Teilnehmer am Fest der Hoffnung in St. Pölten übermittelt auf Initiative der langjährigen KA-Präsidentin Eva Petrik Bischof Maximilian Aichern in einem Grußwort ihren Dank für seine Bemühungen um "eine offene Kirche des Aggiornamento", für sein konsequentes Eintreten für die vom Schicksal Benachteiligten und für seine "partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Laien".