Bischof im Presse-Interview zum Erneuerungsprozess

In der Osterausgabe der Tageszeitung "Die Presse" hat Bischof DDr. Klaus Küng ein Interview zum aktuellen Stand des Erneuerungsprozesses in der Diözese St. Pölten gegeben. Pfarren sollen wichtige Zentren für eine echte "geistliche" Erneuerung werden. Überpfarrliche Zusammenarbeit wird notwendig sein. Als ein Schritt wurde die Reduzierung der Dekanate von 25 auf 20 beschlossen. Aus dem Presse-Interview:

Vergangene Woche hat der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, bekannt gegeben, dass seine Diözese ab September nur mehr aus 20 Dekanaten - der kirchlichen Verwaltungsebene zwischen Pfarre und Diözese - bestehen wird, anstelle wie bisher 25. Diese Anpassung sei ein Teil eines größeren Erneuerungsprozesses. Im "Presse"-Interview kündigt der Bischof erstmals an, dass es im Zuge dieser Erneuerung auch zur Schließung einiger der 424 Pfarren der Diözese kommen wird - ein Novum in Österreich.

Die Presse:Was ist das Ziel der Reduktion von 25 auf 20 Dekanate?

Klaus Küng: Die Reduktion ist ein erster Schritt einer Neuordnung der Diözese, die sich nicht nur in einer Verwaltungsvereinfachung erschöpfen wird.
Einzelne Dekanate wurden auf Nachbardekanate aufgeteilt oder zusammengelegt. Als nächster Schritt werden innerhalb dieser Dekanate Seelsorgseinheiten überlegt, die enger zusammenarbeiten.

Was ist damit gemeint?

Küng:Kleinstpfarren, von denen es einige gibt, in denen sich wichtige Elemente des kirchliches Lebens nicht mehr entfalten können, werden aufgelassen. Andere Pfarren werden in einzelnen Bereichen enger zusammenarbeiten.

In welchen Bereichen und welchem Zeitrahmen soll diese Zusammenarbeit passieren?

Küng:Etwa in der Erstkommunionvorbereitung oder in der Jugend-, Familien- und Seniorenseelsorge. Wesentliche Impulse für diese Entwicklung sollen von den Menschen vor Ort kommen. Entsprechende Überlegungen sollen zügig durchgeführt und umgesetzt werden, etwa im Zeitrahmen von drei Jahren.

Mit welchen Konzepten reagiert die Diözese auf den Priestermangel?

Küng:In vielen Pfarren gibt es Wortgottesdienstleiter, Vorbeter und Kommunionhelfer, die seelsorgliche Aufgaben wahrnehmen. Pfarrgemeinderäte haben den Besuchsdienst für Kranke übernommen, die Erstkommunion- und Firmvorbereitung liegt in den Händen von Tischmüttern und Tischvätern. Auch die Verwaltungsarbeit kann weitgehend von Laienmitarbeitern geleistet werden. In den letzten Jahren zeigt sich vermehrt die Dringlichkeit der Erwachsenenbildung. Strukturelle Fragen sind aber nicht das Hauptproblem; langfristig ist eine echte geistliche Erneuerung Voraussetzung für eine positive Gesamtentwicklung.

Wie steht es in der Diözese St. Pölten mit dem Einsatz ausländischer Priester?

Küng: In der Diözese St. Pölten gibt es etwa 50 Priester aus Polen, einige aus Deutschland, aus afrikanischen und anderen Ländern.