Bildungswerk künftig noch stärker gefragt

Mit einem Festakt im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten feierte das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten sein 50-jähriges Bestehen. In dieser Zeit haben fast 9.000 ehrenamtliche Bildungswerkleiterinnen und -leiter insgesamt über 75.000 Veranstaltungen mit mehr als fünf Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern organisiert. An dem Festakt nahmen zahlreiche Vertreter von Kirche und Öffentlichkeit teil, unter ihnen Bischof Dr. Kurt Krenn und Weihbischof Dr. Heinrich Fasching sowie Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Bezirkshauptmann Dr. Josef Sodar.

Orientierung geben und von Gott reden
In seinen Worten unterstrich Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, dass das Bildungswerk in der kommenden Zeit zunehmender Oberflächlichkeit und Orientierungslosigkeit noch größere Bedeutung erlangen werde. Es müsse neben der Vermittlung von Wissen Orientierung an Grundsätzen des menschlichen Zusammenlebens und an Werten geben. Das bedeute, vor allem auch die christlichen Werte für das künftige Europa hervorzuheben und die Menschen im christlichen Glauben zu wappnen. Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn ergänzte, dass es eine Herausforderung für das Bildungswerk sei, neben der Vermittlung von Werten, wieder mehr bewusst von Gott zu reden. Alles müsse vom Gedanken Gottes und seiner Wirklichkeit seinen Ausgang nehmen, sagte er.

Von "Naturwissenschaft" bis "Orientierung geben"
Künstlerinnen und Künstler des SOG.-Theaters Wiener Neustadt stellten Begriffe aus der Arbeit des Katholischen Bildungswerkes der vergangenen Jahrzehnte, die von Anwesenden genannt wurden, in kurzen Szenen dar. Oft pointiert und überspitzt, manchmal auch humorvoll oder zum Nachdenken anregend. So etwa die Themen Naturwissenschaft und Bibel, Gleichberechtigung, die Umweltfrage von Zwentendorf bis zur Hainburger Au oder auch Toleranz und Orientierung für Menschen.
In seinem Festvortrag stellte der Münchner Jesuit P. Willi Lambert sieben pastorale Bereiche vor, in denen das Katholische Bildungswerk seine "befreiende" Aufgabe und Bildungsarbeit wahrnimmt. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bildungswerkes betreiben dabei Mission vor allem durch ihre Ausstrahlung", stellte er abschließend fest.
Den Abschluss der Festtagung bildete eine heilige Messe in der Kapelle des Bildungshauses, bei der der Direktor des Pastoralamtes, Bischofsvikar Msgr. Wilfried Kreuth die Bildungswerkleiter aufrief, in ihrer Arbeit "die Türen zu Gott für andere Menschen offen zu halten".

Einst als "Moderne Kanzel" bezeichnet
Die Gründung des diözesanan Bildungswerkes geht auf eine Initiative des damaligen Bischofkoadjutors und späteren Kardinals Dr. Franz König zurück. Das Bildungswerk wurde im Jahre 1954 unter MR Dr. Karl Dillinger gegründet, der bis 1974 auch die Leitung innehatte. Das Bildungswerk war als "moderne Kanzel im Vorfeld der Kirche" gedacht, die der "religiösen Verflachung und Verwaschenheit" die "christliche Weltanschauung entgegensetzt", wie es die Diözesansynode von 1961 ausgedrückt hat.