Bildungsnetzwerke steigern die Effizienz

Die Herausforderungen für Pfarrgemeinde und Erwachsenenbildung waren Thema für über 20 Bildungswerkleiter und pädagogische Mitarbeiter aus den Diözesen Österreichs bei ihrer Tagung vom 14. bis 15. Juni im Stift Göttweig. Inhaltlich ging es dabei auch um Erfahrungen mit "Bildungsnetzwerken" am Beispiel Bayerns. Erwachsenenbildung in Netzwerken bildete einen Hauptschwerpunkt der Überlegungen. Am Beispiel des bereits seit einigen Jahren bestehenden Netzwerkes "Lernende Region Tölzer Land" stellte der bayrische Projektmanager Andreas Käter diese Initiative mit ihren Strukturen, Zielen und Erfolgen vor. "Wir wollten lokal etwas in den Gemeinden bewegen", sagte er und regte an, statt Konkurrenz Kooperation zu bilden und Zusammenarbeit zu suchen. Denn nur 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland besuchen kirchliche Veranstaltungen, aber fünfmal so viele nutzen Angebote der übrigen Bildungseinrichtungen.


Der Erfolg gab ihm Recht. "Einst hatten wir 200 Veranstaltungen und 10.000 Teilnehmer in Jahr. Heute sind es 1.800 Veranstaltungen, die von 75.000 Menschen der gesamten Region wahrgenommen und besucht werden". Denn im Netzwerk Tölzer Land arbeiten unter anderem Hochschulen, Unternehmer, Politiker, Lehrer, Sportvereine und der Landkreis zusammen. "Wir initiieren ein Projekt, stellen uns in den Dienst der Partner und koordinieren", so Käter.


Für die Nutzer dieser Angebote ist es einfach: sie wollen erleben können, worum es geht. "Wir dürfen daher nicht bei Angeboten beginnen, sondern beim Tun", meint Käter und verweist auf den großen Erfolg der "Lernfeste", die bereits zum vierten Mal im Stifte Benediktbeuern stattgefunden haben. Aus anfänglich 8.000 Besuchern sind mittlerweile 35.000 geworden.
Der Slogan "Mehr Können bringt Punkte" zieht die den Menschen förmlich an.- Schließlich präsentieren sich dort 300 Akteure aus unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbereichen der Region, und an 120 Aktionsständen können die Besucher mitmachen, ausprobieren und so die Angebote erleben. Da gibt es beispielsweise "Der Mensch ist was er isst" von der staatlichen Ernährungsberatung, die "Erlebte Antike" vom Gymnasium Icking, den "Lebenstopf Schule" vom Spätberufenengymnasium St. Matthias oder ein Behindertenparcours vom Arbeitskreis Behinderte, aber auch das Thema "Fit im Kopf" von der Schülerhilfe und den "neuen Start ab 35" vom Kath. Kreisbildungswerk. Und jede Stunde starten neue "Schnupperkurse".


"Wir als Katholisches Bildungswerk verstehen uns als Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft", erklärt Käter. "Dafür benötigen wir Flexibilität und Eigenverantwortung". Die Bildungswerke haben sich auf Kernkompetenzen spezialisiert und neue Formen der Zusammenarbeit gesucht. Dabei können die verschiedenen Anbieter ihre Ressourcen austauschen, sich gegenseitig informieren, einander helfen und stützen, Koalitionen bilden und dabei immer noch eigenständig bleiben.


Große Bedeutung misst Käter milieuspezifischen Angeboten zu. "Moderne Performer" etwa brauchen einen anderen Anspruch, andere Inhalte und andere Methoden und auch Orte der Vermittlung als Traditionsverwurzelte oder die Gruppe der "Konsum-Materialisten".