Bildung inklusive - Bildung für alle

Neue Ansätze und Impulse für Bildungsangebote, bei denen auch Menschen mit Behinderung teilnehmen können, erwartet sich das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten von seinen Partnern aus Deutschland und Griechenland im Rahmen des EU-Projektes "Bildung inklusive".
In einer EU-geförderten Initiative werden das Katholische Bildungswerk der Diözese und der Club 81 St. Pölten mit deutschen und griechischen Partnern in einer zweijährigen Lernpartnerschaft Bildungsmodule für eine integrative Erwachsenenbildung entwickeln. Ziel der Partnerschaft ist es, Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsame Bildungsangebote zu ermöglichen.

Ein erstes Partnertreffen mit den griechischen Vertretern unter Dr. Panagiotis Georgakas und Dr. Athanasios Pappas vom Psychiatrischen Krankenhaus Thessaloniki und den deutschen Vertretern mit Klaus Barthel und Diplomsozialarbeiter FH Markus Sinn aus Herzogsägmühle in Oberbayern, einem "barrierefreien" Dorf für Menschen mit Benachteiligungen der Diakonie, findet derzeit im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten statt. Die Partnerschaft ist ökumenisch ausgerichtet, und zwar katholisch, evangelisch und griechisch-orthodox.

Bei einem Pressegespräch erklärt die pädagogische Mitarbeiterin des Bildungswerkes der Diözese St. Pölten und Koordinatorin des Projekts, Dr. Doris Kloimstein, dass viele Barrieren bereits "im Kopf" beginnen, wenn etwa Menschen die Behinderungen anderer Menschen nicht wahrnehmen. Gerade Christen hätten einen besonderen Ansatz, ihre Mitmenschen - als Geschöpfe Gottes - so anzunehmen wie sie sind. Sie erwarte sich von den Partnern Informationen und Erkenntnisse, wie Bildungsangebote für alle umgesetzt werden können. Die Ergebnisse dieses Projektes sollen dann alle Bildungswerke in der Diözese für den Umgang mit Behinderung sensibilisieren. Sie will dann aber auch anderen Einrichtungen in der Erwachsenenbildung ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen. Am Zustandekommen dieser Lernpartnerschaft habe das Niederösterreich-Büro in Brüssel wesentlichen Anteil gehabt, betonte Kloimstein.

Josef Schoisengeyer vom Club 81 in St. Pölten, einem Club für Menschen mit und ohne Behinderung, erwartet sich von diesem Projekt "viele wertvolle Impulse" für die eigene Arbeit. Der vorhandene Bildungshunger von Menschen mit Behinderung verlange nach "inklusiven Lösungen und Angeboten". Diese sollen nicht in einem "abgesonderten Rahmen" geschehen. Dazu bedarf es zunächst baulicher und technischer Voraussetzungen, denn "bauliche Barrieren schaffen auch menschliche Barrieren", sagte er.
Klaus Barthel aus Herzogsägmühle in Oberbayern erläuterte sein Projekt des barrierenfreien Dorfes, in dem Menschen ein Zuhause gefunden haben, die in ihrem Leben in irgendeiner Form benachteiligt sind oder wurden. Die Palette reicht von psychischer und seelischer Erkrankung bis zu körperlicher Behinderung oder Arbeitslosigkeit. Es sei heute eine europäische Herausforderung, in diesem Bereich gemeinsam zu agieren, betonte Barthel.
Der griechische Partner Dr. Atanasios Pappas aus Thessaloniki erläuterte den Umgang mit Drogenabhängigkeit im psychiatrischen Krankenhaus von Thessaloniki. Dort werden Menschen mit Suchtproblemen, ausgenommen Alkoholprobleme, behandelt. Gerade bei diesen Menschen bestehen massive geistige und psychische Barrieren, die es anzubauen gelte, sagte er. Die Maßnahmen reichen von Vorbeugung und Sensibilisierung der breiten Bevölkerung über gegenseitige Hilfe der Betroffenen und Beratung der Angehörigen bis zu Berufsorientierung und weitere therapeutische Hilfen. "Europa ist menschliche Beziehung", sagte Pappas. Diese drücke sich gerade in diesem EU-Programm deutlich aus, erklärte er.