Beziehungen am Bauernhof pflegen

Die Regel des Heiligen Benedikt auf die Kurzformel "bete und arbeite" gebracht, gibt den Menschen eine Struktur in ihrem Tagesablauf. Beten und arbeiten sind keine Gegensätze, sondern sollen einander ergänzen und ineinander übergehen. Dies betonte Abt Wolfgang Wiedermann beim diesjährigen Waldviertler Bauerntag am Aschermittwoch im Stift Zwettl. Jede Arbeit soll so auch zum Gebet werden, unterstrich der Abt. Dabei sei nicht nur das persönliche Gebet wichtig, sondern das Beten in der Gemeinschaft, wie es die Mönche seit Jahrhunderten pflegen. Gerade in den kleinen Dingen des Alltags komme die Treue zum Gebet zum Vorschein. Es gelte, die gute Gebetstradition, vor allem in der Fastenzeit wieder aufleben zu lassen und bewusst zu pflegen, regte Abt Wolfgang an.

Einen Blick hinter die Kulissen oft schwieriger Beziehungsgeflechte am bäuerlichen Hof gab der oberösterreichische Referent für Landpastoral aus dem Mühlviertel, Josef Weichselbaumer. Beziehungen seien sehr verletzlich, sagte er, denn sie betreffen immer das eigene Ich. Die Angst, darin verletzt zu werden, lasse viele Menschen von anderen Menschen und auch vor einem möglichen Partner Abstand halten. Wer zu anderen Menschen keine Beziehung aufbauen könne, sei auch nicht fähig, eine Beziehung zu Gott aufzubauen, unterstrich Weichselbaumer die Bedeutung zwischenmenschlicher Kontakte.
Gerade am bäuerlichen Hof leben viele Generationen unter einem Dach zusammen. Heute zwar nicht mehr in einer Art Großfamilie, sondern als eigenständige Familien. Dennoch bedürfe dieses Zusammenleben genauer Regeln und ständiger Aussprache, damit Grenzen eingehalten und somit Verletzungen vermieden werden. Nicht die großen Auseinandersetzungen belasten eine Ehe, sondern ständige Kleinigkeiten, die nicht bereinigt und ausgesprochen werden.
Bei manchen Paaren stellt heute ein Bauernhof oft ein Ehehindernis dar. Wenn sich zwei Menschen aber wirklich lieben, dürfe der Hof kein Problem darstellen, meint der Referent. Weichselbaumer gab den Anwesenden auch gute Ratschläge für eine Stärkung ihrer Beziehungen mit, die in der Fastenzeit berücksichtigt werden könnten. Etwa, dass sich Paare mindestens einmal wöchentlich für ihre Beziehungspflege Zeit nehmen, dass sie wöchentlich zwei bis drei Stunden gemeinsam spazieren gehen und gemeinsam die Natur bestaunen, niemals Aussagen ihres Partners spontan zurückzuweisen, ohne den Grund zu kennen oder sich gegenseitig immer wieder sagen, was man am anderen so schätzt.