"Bewusst über den Tellerrand blicken"

"Ein Teil meiner Aufgabe besteht darin, junge Menschen im Dekanat miteinander ins Gespräch zu bringen und zu vernetzen." Michaela Lugmaier ist Jugendleiterin für die Dekanate Amstetten und Haag. Zusammenarbeit über Pfarr- und Dekanatsgrenzen hinweg ist für sie selbstverständlich. Damit diese funktioniert, braucht es "Begegnungsräume, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen können", weiß Lugmaier.

Dafür sei es notwendig, "bewusst über den Tellerrand zu blicken" und in der Region mit und für die jungen Menschen unterwegs zu sein. Plattformen schaffen hierfür für den nötigen Rahmen, damit Begegnung, Austausch und Vernetzung stattfinden kann. So könne Kirche für Jugendliche im "Lebensraum Pfarre" erlebbar gemacht und mit ihrer Hilfe auch mit gestaltet werden.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit als Jugendleiterin ist für Michaela Lugmaier das aktive Nachgehen, Dasein und Zuhören. "In weiterer Folge heißt das dann, Ressourcen aufzeigen, diese zu stärken und Initiativen zu setzen sowie einzelne Schritte, falls notwendig und gewünscht, auch zu begleiten."

Überregionale Aktivitäten

So gibt es zum Beispiel seit drei Jahren eine gemeinsame Jungschar-Schulung für die Dekanate Amstetten und Haag. Die Erfahrung zeige, dass eine Schulung in der Größenordnung von 60 Jungschar-GruppenleiterInnen "einen besonderen Reiz" habe und gut angenommen werde, freut sich Lugmaier. "Die Dekanatsgrenzen verschwimmen, und neben dem offiziellen Programm geschieht sehr viel wertvoller, praktischer Austausch und Begegnung."

Die Vorbereitung der Dekanatsjugendmesse im Dekanat Haag, die am 18. Mai stattfand, nennt Lugmaier als Beispiel einer gelungenen pfarrübergreifenden Zusammenarbeit: Jugendgruppen aus vier Pfarren hatten sich bereit erklärt, gemeinsam mit dem Dekanatsteam Haag einen ansprechenden, jugendgerechten Gottesdienst zum Thema "Weil ich es mir/Gott wert bin" zu gestalten.

Ein Beispiel sportlicher Natur ist für Lugmaier das Dekanats-Volleyballturnier. Es wurde zwar in beiden Dekanaten getrennt abgehalten, es zeigte sich jedoch, "dass hier schon regionale Vernetzung passiert ist, ohne darüber viele Worte verloren zu haben", betont die Jugendleiterin. Mannschaften aus dem Amstettner Dekanat nahmen selbstverständlich beim Haager Turnier teil und umgekehrt. "Eine Überlegung geht in die Richtung, das Volleyballturnier größer anzulegen oder übergreifend anzubieten".

Spontaneität und Flexibilität erforderlich

Die Arbeit in zwei Dekanaten erfordert Spontaneität und flexibles Einlassen auf verschiedene Wünsche, wie Lugmaier erklärt: "Zum einen biete ich Unterstützung und Hilfe in der konkreten Pfarre vor Ort im Rahmen der Jugend- und Firmpastoral an. Zum anderen bin ich mit der Vorbereitung und Planung pfarrübergreifender Aktivitäten innerhalb der Dekanate beschäftigt." Mitunter ergibt sich dadurch ein höherer Aufwand an Sitzungen und organisatorischen Aufgaben.

Andererseits erlebt die Jugendleiterin die vielseitigen Begegnungen sowohl mit ehrenamtlich als auch mit hauptamtlich in der Kirche tätigen Personen als "sehr positiv". Lugmaier: "Besonders hervorheben möchte ich die Zusammenarbeit mit meinen unmittelbaren Dienstvorgesetzten, den Dechanten KR Johann Berger (Amstetten) und KR Johann Zarl (Haag). Diese erlebe ich persönlich als sehr wertvoll, weil ihre Sicht das eigene Bild, das eigene Urteil über so manche Situation ergänzt, bestätigt oder auch relativiert."

Zukunftswunsch "Regionalteam"

Für die zukünftige Entwicklung wünscht sich Lugmaier neben der derzeitigen Anstellung von DekanatsjugendleiterInnen "eine Art Dekanatsassistenz oder ein Regionalteam" bestehend aus zwei bis drei Personen mit Schwerpunktbereichen wie Pfarrgemeinderat, Gemeindeentwicklung, Familienpastoral oder Bildungsarbeit. Wichtig erscheint Lugmaier auch die regelmäßige Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen oder die Einbettung in ein Team in der Pfarre des Dechanten oder in einem verkehrstechnisch günstig gelegenen Regionalbüro. "Dies wirkt erstens dem Einzelkämpfertum entgegen, zweitens ist dadurch die Möglichkeit zum wertvollen Gespräch und Austausch gegeben."

Michaela Lugmaier ist davon überzeugt, dass es in Zukunft auch "Spezialisten für diverse pastorale Themen" geben müsse: "Menschen, die sich informieren, sich in der Praxis bewährt haben, sich qualifiziert weiterbilden und durch entsprechende Anstellungen zum Einsatz kommen."