Bettelorden in Mitteleuropa

45 Vortragende aus acht europäischen Ländern dokumentieren die hochkarätige Tagung des Diözesanarchivs St. Pölten über Geschichte, Kunst und Spiritualität der Bettelorden in Mitteleuropa, die vom 19. bis 22. März im Festsaal des neuen Konservatoriums stattfand. Es war auch die erste internationale Veranstaltung des neu eröffneten Diözesanarchivs im neuen Gebäude in der St. Pöltner Klostergasse 10. In etwa 40 Kurzstatements legten die Referentinnen und Referenten aus verschiedenen historischen Fachbereichen aus acht europäischen Ländern und den USA die aktuellen Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten der historischen Erforschung der Bettelorden in Mittelalter und früher Neuzeit dar. Dabei konnten die Anwesenden Detailprobleme ebenso diskutieren wie Vergleiche über die nationalen Grenzen hinweg ziehen.

Die Entstehung der Bettelorden erfolgte in einer Zeit großer gesellschaftlicher Spannungen mit großen sozialen Krisen. Ein rasches Bevölkerungswachstum, das Aufkommen einer neuen städtischen Oberschicht und die Intensivierung der Geldwirtschaft führten auf der anderen Seite zu Verunsicherung und zunehmender Kritik an weltlichen wie kirchlichen Machtverhältnissen. Die Bettelorden, vor allem die Franziskaner und Dominikaner, waren gleichsam eine Antwort auf diese Entwicklung. Sie versuchten durch ihre Lebensweise eine Rückkehr zu apostolischen Werten wie Armut, Buße und der Verkündigung des Wortes Gottes zu erwirken. Ihre rasche Ausbreitung führte dazu, dass sie im 13. Jahrhundert mehr als 2000 Niederlassungen gründen konnten, die sie mit Kirchen und Klostergebäude ausstatteten. Dadurch wurde die damalige Lebenswelt - insbesondere der Stadtbewohner - völlig verändert. Die neuen Orden orientierten sich nicht mehr an den politischen Grenzen oder bestehenden Kirchensprengeln, sondern an den sprachlich-kulturelle Gegebenheiten.
Der erste Einbruch kam durch die Reformation und die Neuorientierung der Staaten in Richtung Aufklärung. Als Ideal galt: "eine Stadt, eine Pfarrkirche, eine Kanzel". Die Bettelorden standen dabei im Weg. Auf der anderen Seite wuchs auch unter der Bevölkerung der Unmut gegenüber den Bettelmönchen.
Wo im Gefolge der Reformation das Kirchenwesen neu geordnet wurde, kam es zu Verboten der Bettelorden und schließlich zur Liquidation. Auch in den katholischen Staaten hielt das aufgeklärte Staatskirchenwesen Einzug, in Österreich war es der Josephinismus und im Kurfürstentum Bayern Graf Montgelas, wie der Wiener Dominikaner P. Dr. Isnard Frank aus Wien, einer der zahlreichen Experten, in seinen Ausführungen darlegte.

Das gesamte Tagung zeigte in einer breiten Perspektive das Wirken der Bettelorden auf, wobei viele Detailkenntnisse tieferen Einblick in die Geschehnisse gaben, sei es bei der Gründung der Orden, in ihrem Wirken in Stadt und Land, in ihrer Bedeutung für Kunst und Wissenschaft, vor allem in der Architektur und in ihrer geistigen Leistung sowie ihrer Spiritualität. Eine Exkursion führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch nach Imbach mit der ehemaligen Dominikanerinnenkirche sowie nach Krems.