Besinnung auf das Wesentliche

"Heute ist ein wichtiger Auftakt für die Feier der Geheimnisse der Erlösung", sagte Bischof DDr. Klaus Küng bei der Eröffnung der Chrisammesse am Vorabend von Gründonnerstag im Dom zu St. Pölten. Neben zahlreichen Priestern und Diakonen aus der Diözese nahmen auch Jugendliche, die sich derzeit auf die Firmung vorbereiten, an dem Gottesdienst teil. In der "missa chrismatis", der Chrisammesse, die am Mittwoch in der Karwoche gefeiert wird, weiht der Bischof die Heiligen Öle, die in der Diözese zur Spendung der Sakramente verwendet werden. Außerdem erneuern die Priester ihr Treueversprechen, das sie beim Empfang ihrer Weihe abgelegt haben.

Die Chrisammesse, so der Bischof zu den anwesenden Priestern in der Predigt, "führt uns zum Ursprung unserer Wirksamkeit". Heute neigen viele dazu, den Rückgang der Gottesdienstbesucher oder der Berufungen zu beklagen. Doch das Klagen nutze wenig, meint der Bischof. Vielmehr sei Besinnung auf das Wesentliche angebracht.
Heute wüssten viele Menschen etwas über Jesus, sagte der Bischof weiter. Aber nur wenigen sei auch bewusst, was es bedeute, dass Gott in Christus Mensch geworden und auch heute unter uns gegenwärtig sei. Überall gebe es Kreuze im Land, aber nur wenige wüssten, wie diese zum Leben in Beziehung stehen, beklagte der Bischof.
Das Kreuz wurde in der Vergangenheit vielfach zur Seite gerückt, wies der Bischof hin, "auch in der Liturgie, damit es den Blick auf den Altar nicht verdecke". Doch "die Eucharistie ist nicht nur ein Mahl, sondern steht auch in ganz enger Beziehung zum Kreuz", betonte er. Es sei dringend nötig, das Kreuz wieder in die Mitte zu stellen, verlangte der Bischof.
Papst Bennedikt, so Bischof Küng, spreche in seinen Predigten immer wieder von Christus. Die Begegnung mit ihm sei es, die den Menschen Licht und Heil bringe. So habe der Papst auch ein Buch über Jesus Christus verfasst, das demnächst veröffentlicht werde, wies der Bischof hin. Heute sei es eine der wichtigsten Aufgaben, Zeuge für Christus zu sein, um seine Geheimnisse zu vergegenwärtigen und Menschen zu ihm und zu seiner Gnade hinzuführen.
Mit Hinweis auf den Priestermangel meinte der Bischof, dass eine übertriebene Sorge dennoch nicht angebracht sei. Gott verlange von niemandem, was er nicht leisten könne. Man müsse aber auch die Gläubigen bitten, beweglich zu sein. Damit Christus komme, dafür sei auch Einsatz notwendig, erklärte er. Menschen müssten angesprochen werden, damit Christus bei jung und alt aufgenommen werde und Familien und Häuser von ihm erleuchtet werden.

Bereits vor der Chrisammesse hielt der Heiligenkreuzer Zisterzienserpater Dr. Karl Wallner für die anwesenden Priester und Diakone einen Besinnungsvortrag über das Geheimnis der Erlösung in den vorösterlichen Tagen mit anschließender Beichtgelegenheit.