Ausgrenzung und Mobbing nehmen zu

Subtile Formen der Ausgrenzung nehmen zu - in Schulen, am Arbeitsplatz, in Gruppen und Teams. Das Mobbing reicht bis zu Psychoterror und physischen Attacken, weist die Psychoanalytikerin Dr. Rotraut Perner bei einer Tagung kirchlicher und anderer Organisationen in der Landeslandwirtschaftskammer in St. Pölten hin. Opfer kann jeder werden - und so ist auch das Interesse an diesem Problem groß. Szenen aus der Praxis, dargeboten von der Theatergruppe DIREKT unter Thomas Koller, gespickt mit Liedern zum Thema "Mobbing", führten die fast 200 Teilnehmer in die Thematik ein, zu der anschließend die Wiener Psychoanalytikerin und Juristin Dr. Rotraut Perner Stellung bezog. Die Wurzeln der Gewalt liegen dort, wo sich eine Person gegenüber anderen benachteiligt fühlt und versucht, dieser Situation auszuweichen, charakterisierte sie. Viele Menschen bräuchten auch eine längere Zeit, um Mobbing überhaupt zu erkennen. Subtile Formen würden Anfangs als Alltagsgeschehen gesehen, als letztlich feindseliges Agieren über einen längeren Zeitraum hinweg, sagte Perner.
Das Mobbing habe es zwar immer gegeben, nur wurde es lange Zeit nicht benannt. Auch in der heute egalitären Gesellschaft bestehe immer noch eine gewisse "Angst" vor dem "Mächtigen" Falls Mobbing erkannt wird, gellte es, Alternativen zu finden, um dem zu entgegnen. Der Betroffene kann dagegen ankämpfen, aus der Situation "flüchten", was bis zu Krankenstand, Kündigung und Wegziehen reicht. Manche stelle sich einfach "tot", geraten dadurch in große Depressionen, aus denen sie ohne psychische Unterstützung nicht mehr herauskommen.

Welches Verhalten in einem bestimmten Fall richtig sei, liege beim Gemobbten selbst. Wichtig sei, so Perner, das Mobbing öffentlich anzusprechen und auch so zu bezeichnen. Man müsse offen über Gewalt sprechen, um ihr wirksam zu begegnen. In fünf Workshops wurden noch die Themen "Mobbing in Kindergarten und Volksschule", "Mobbing in Hauptschule, mittlerer und höherer Schule", "Mobbing in Gruppen und Teams in Freizeit und Ehrenamt", "Mobbing am Arbeitsplatz" sowie "Mobbing, Bullying, Bossing, Staffing und Stalking - Psychosoziale Beratung und Begleitung" diskutiert.

Die Tagung wurde vom Kath. Bildungswerk, Rat und Hilfe, Referat Familienpastoral, Rainbows, der polit. Akademie der ÖVP, der Grünen Bildungswerkstatt, der Kath. Frauenbewegung, dem kath. Familienverband, dem Magistrat St. Pölten, der Arbeiterkammer Niederösterreich, der Betriebsseelsorge Unteres Traisental und dem Pastoralamt der Diözese veranstaltet.