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Auf den Spuren moderner Sklaverei

Ein "wirksames Opferschutzgesetz wie in Italien" verlangte Mary Kreutzer, Mitautorin des neu erschienenen Buches "Ware Frau: bestellt - verkauft - ausgebeutet" bei einer Diskussion am 6. Juni im Cinema Paradiso in St. Pölten im Rahmen des Festes der Begegnung, das von der Betriebsseelsorge St. Pölten initiiert wurde. Gemeinsam mit der Initiatorin von "Exit - Verein zur Bekämpfung von Menschenhandel aus Afrika", Joana Adesuwa Reiterer, stellte Mary Kreutzer das Buch "Ware Frau" vor, das sich mit der modernen Sklaverei, vor allem von Frauen von Afrika nach Europa befasst. Mit ihrer Mitautorin Corinna Milborn ist sie den Spuren nigerianischer Frauen gefolgt, die in Europa zur Prostitution gezwungen werden. Ihre Recherchen führte sie bis in die nigerianische Hauptstadt Lagos und in nigerianische Dörfer.

Europaweit seien nach ihren Angaben von dieser "modernen Sklaverei" etwa 40.000 Frauen aus Nigeria betroffen, 400 von ihnen in Österreich. Mit falschen Versprechungen würden Mädchen und junge Frauen nach Europa gelockt, durch Voodoo-Rituale eingeschränkt und zum Schweigen verpflichtet. Schon der Weg durch die Sahara sei unbeschreiblich grausam und für manche sogar tödlich, schildern die Autorinnen aufgrund ihrer Recherchen. "Der Marsch dauert oft monatelang. Tagelang müssen die Frauen ohne Wasser und Nahrung aushalten, Kamelexkremente sind ihre Nahrung", schildern sie die Aussage eines Betroffenen. Wenn die Frauen überleben, erwartet sie der Straßenstrich in Wien, Frankfurt und Berlin.

Scharf kritisierte die Autorin Mary Kreutzer in der Diskussion säumige Behörden, korrupte Beamte und Schlepper, deren Methoden sogar jene der Mafia übertreffen. "Trotz Verankerung im Strafgesetz und zahlreichen Anzeigen gab es bisher in Österreich noch keine einzige Verurteilung wegen Menschenhandel", kritisiert sie. Die Behhörden würden derartige Anzeigen nicht ernst nehmen, bestätigte Joana Adesuwa Reiterer aus ihrer Erfahrung. Sie verlangte einen umfassenden Opferschutz für diese Frauen und die Möglichkeit anonymer Anzeigen. Familienmitglieder im Heimatland würden bedroht oder sogar ermordet, sagte sie. "Die Regierung sollte in dieser Frage mit dem nigerianischen Staat kooperieren", meint sie Dies sei derzeit noch nicht der Fall.