Auch "Scheidungskinder" wollen geliebt sein

Informationen über Hilfen für Berater und Betroffene im Umfeld von Scheidungssituationen, vor allem mit Kindern, haben Katholisches Bildungswerk, Beratungszentrum Rat und Hilfe, Rainbows sowie die Katholische Männer- und Frauenbewegung mit Unterstützung des NÖ Familienreferates im Rahmen einer Tagung in der Landeslandwirtschaftskammer St. Pölten durchgeführt. Einen fulminanten Einstieg in die Situation von Scheidungskindern bot das "Theater DIREKT" unter Thomas Koller mit einer "Alltagssituation", in der sich der Vater von seiner Frau getrennt hat und die Tochter mit der neuen Beziehung nicht einverstanden ist. Es kommt zum Streit.

"Scheidungskinder" seien vor allem durch die Situation vor der Trennung betroffen, wies der Wiener Psychoanalytiker, Kinderpsychotherapeut und Erziehungsberater Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor in den anschließenden Ausführungen zum Thema "Patient Scheidungskind" hin. Eine Scheidung müsse für ein Kind nicht unbedingt traumatisch sein, sagte er. Vor allem sei die erste Zeit nach der Scheidung sensibel und schwierig. Kinder brauchen dabei dringend die Erfahrung, von beiden Elternteilen weiterhin geliebt und angenommen zu sein. Auch die Eltern haben in dieser Zeit Freunde nötig, die ihnen zuhören und das Gefühl geben, nicht allein zu sein.
Eines der größten Probleme sei jedoch das Aufeinanderprallen von Erwartungen und Ansprüchen von Eltern und Kindern. "Jeder, der sich dieses Konfliktes bewusst ist, hat schon einen Teil des Konfliktes gelöst", sagte Figdor.

In einzelnen Workshops konnten sich die Teilnehmer der Tagung in Workshops noch mit einzelnen Fragen befassen, etwa: "Was brauchen Kinder nach Trennung der Eltern", "Das Leben nach der Trennung neu gestalten", "Als Paar getrennt, aber als Eltern nicht", "Rechtliche Fragen in Zusammenhang mit Trennung" und "Kunstfehler in der Trennungs- und Scheidungsbegleitung".