Alte Menschen - ein "Schatz" für die Kirche

"Die Kirche von Morgen wird eine Netzwerkkirche von entschiedenen Gläubigen sein", prognostizierte der Wiener Pastoraltheologe Univ.-Prof. Dr. Paul Michael Zulehner beim Forum Ostarrichi des Katholischen Laienrates in Neuhofen/Ybbs zum Thema "vernetzt glauben im Alter". Auf die älteren Menschen bezogen, meint Zulehner, dass Menschen, die sich "im Alter gläubig vernetzen" für die Gesellschaft, für die Kirche und für sich selbst ein "Gewinn" seien. Angesichts der heutigen Situation, dass vor allem ältere Menschen die Gottesdienstgemeinde bilden und Religiosität vor allem bei älteren Menschen vorhanden sei, sei ein radikales Umdenken gefordert, meint der Pastoraltheologe. "Wir werden das bisherige Kirchensystem radikal umbauen müssen, damit es auch zukunftsfähig bleibt", sagte er. Es gehe heute darum, so der Referent, wie die "Gratifikation der Kirche" gestärkt werden könne. Denn viele Menschen würden heute "nicht wegen der Irritationen, sondern fehlender Gratifikationen" aus der Kirche austreten. So habe sich die Kirche sich bereits in den vergangenen Jahren von einer "Mitgliederkirche" zu einer "Beteiligungskirche" transformiert. Sie habe dabei "an qualitativer Stärke gewonnen", auch wenn sie quantitativ abgenommen habe.

Durch religiöse Netzwerke werde die Generationensolidarität gefördert, unterstrich Zulehner in seinen Ausführungen. Sie können ein "hohes Maß an kultureller gesellschaftlicher Solidarität" bewirken, etwa durch die Schaffung "transfamilialer Tauschbeziehungen", wenn reichere ältere Menschen die jüngeren stützen oder auch Ältere den noch Älteren helfen. Allerdings, so räumte Zulehner ein, gehe der heutige Trend dahin, dass ältere Menschen auf sich selbst orientiert seien und "endlich einmal etwas für sich selbst" tun möchten.
In den Beziehungen zwischen den Generationen hätten die Familien eine Schlüsselfunktion, etwa in der Pflege der Alten daheim. Dabei brauche es aber auch einer Entlastung der familialen Systeme, so Zulehner.

Die Kirche müsse die alten Menschen als einen besonderen "Kirchenschatz" begreifen, sagte der Pastoraltheologe. Die Kirche werde künftig "mehr Zeugen als bloße Mitglieder haben". Es brauche dafür eine neue missionarischen Grundbewegung und nicht die Frage, wie der derzeitige Bestand der Gläubigen gesichert werden könne. Ohne die Mitarbeit der "Alten" werde das Gemeindeleben erliegen, meint Zulehner und regt an, über "personae probatae", glaubens- und gemeindeerfahrene Personen nachzudenken. Es gebe Menschen, die "in einer Kirche von morgen ehrenamtliche Presbyterien in gläubigen Gemeinden bilden können", so Zulehner. Solche Personen könnten in Gemeinden ohne Priester vor Ort ein ehrenamtliches Leitungsteam bilden. Die Zukunft des Priestertums werde nicht vom Zölibat her zu diskutieren sein, sondern dahin, ob es religiöse Netzwerke gebe, die auch eucharistiefähig seien. Diese "gläubige Vernetzung" sei für die alten Menschen selbst ein gewinn, unterstrich Zulehner. Die Religion könne "ein Jungbrunnen" für die Senioren sein, die unter anderem einen höheren Selbstwert, eine bessere Stressbewältigung, den Einmsatz für andere und die Lebensqualität nachhaltig fördere.