Alle Getauften sind zur Sendung der Kirche berufen

Josefmaria Escriva de Balaguer sah Menschen aus allen Nationen und Berufen, die Christus konsequent nachfolgen und mit ihm in Verbindung stehen. Dieses "Schlüsselerlebnis" hatte der Heilige am 2. Oktober 1928, erzählte Bischof DDr. Klaus Küng am 26. Juni im Dom zu St. Pölten beim Gedenkgottesdienst an den vor 33 Jahren verstorbenen Gründer des Opus Dei. Josefmaria Escriva wollte beten und nachdenken, als ihm damals diese tieferen Zusammenhänge christlichen Lebens bewusst wurden. Der junge Priester begann daraufhin junge Leute um sich zu versammeln, sie zur radikalen Lebenshingabe an Gott und zum Apostolat zu ermutigen, erzählte Bischof Küng, der von 1976 bis 1989 selbst Regionalvikars des Opus Dei in Österreich war. "Das Opus Dei begann ganz klein", sagte er. "Aus diesem Samenkorn ist heute ein großer Baum geworden". Zuerst als Weg der Heiligung für Laien in der beruflichen und alltäglichen Arbeit. Erst 1944 wurden die ersten drei Priester für Opus Dei geweiht, die dann ganz im Dienste des Apostolates standen.
Bei Josefmaria Escriva nahm der universale Charakter des Christentums Gestalt an, der an alle Getauften und Gefirmten ergeht: Die Nachfolge Jesu gilt für jeden Getauften in seinem ganz konkreten Stand, wies Bischof Küng hin. Dies gehöre auch zu den Kernaussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, betonte er.
Josefmaria habe erkannt, dass die Sendung der Kirche nicht nur eine Aufgabe der Apostel und deren Nachfolger sowie deren engerer Mitarbeiter sei, sondern aller Getaufter. So habe der Heilige oft gesagt: "Jeder Mensch soll Christus sein", zitierte der Bischof. Jeder Christ soll Christus in seinem Herzen tragen und gleichsam durch sein Apostolat, in der Begegnung mit anderen Menschen zur Welt bringen. "Jeder Getaufte, der seine Verantwortung gegenüber anderen wahrnimmt, wird so zu einem Boten Christi", unterstrich der Bischof.
Alle Einsichten des heiligen Josefmaria Escriva de Balaguer seien vom Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigt und als richtig verkündet worden, betonte Bischof Küng. Josefmaria habe sich über das Konzil sehr gefreut, er wurde aber auch traurig als er sah, wie das Laienapostolat oft verzerrt und missverstanden wurde.

Josefmaria Escriva de Balaguer wurde 1902 in Spanien geboren und gründete 1928 das Opus Dei, das 1982 eine Personalprälatur wurde und deren Mitglieder sich die Heiligung der Arbeit und die Christianisierung der Gesellschaft zum Ziel gesetzt haben. Josefmaria Escriva starb am 26. Juni 1975 in Rom und wurde am 6. Oktober 2002 heiliggesprochen.


Predigt im Wortlaut