Älter werden heißt: das Leben gewinnen

"Älter werden heißt, Leben gewinnen. Zu dieser Erfahrung müssen wir aber einander helfen". Dies erklärte der Linzer Pastoraltheologe Prof. Dr. Wilhelm Zauner bei der Herbstkonferenz der Kath. Männerbewegung der Diözese St. Pölten im Stift Zwettl. Die Thematik des Älterwerdens hat die Kath. Männerbewegung zu ihrem Jahresthema gewählt. Heute sei das Alter für viele zu einer Last geworden, stellte Zauner fest. In manchen Ländern werde ein Ausweg bereits in der aktiven Sterbehilfe gesucht. Nur noch 15 Prozent der Bevölkerung Deutschlands lehnen die Sterbehilfe grundsätzlich ab, wies der Referent hin. Der deutsche Publizist Frank Schirrmacher spreche bereits von einem "Altersrassismus". Mode und Werbung orientieren sich fast nur auf die Jugendlichen und auch der Arbeitsmarkt klammere die älteren Menschen zusehends aus, stellte Zauner fest.

Altern - eine Chance
Älter werden bedeute aber nicht nur einen Verlust erleben, sondern auch einen Gewinn, sagte der 75jährige Pastoraltheologe. Das biologische Altern sei zwar ein natürlicher Vorgang, der jedem mehrzelligen Lebewesen eigen sei. Altern bedeute auch ein ständiges Abschiednehmen. Altern sei so gesehen "ein lebenslanger Prozess des täglichen Sterbens" und eine Chance zur die Einübung auf den Tod, wies Zauner hin.
Psychologisch gesehen seien viele Menschen heute mit ihrem Alter unzufrieden, sagt der Pastoraltheologe. Jüngere wollen gern älter sein und ältere Menschen zumindest jünger aussehen. Im Grunde lebe aber nur der gut, der auch mit seinem Alter zufrieden sei und dankbar lebe.

Suche nach Beziehung
In allen Lebensphasen gebe es auch Ängste, sagte Zauner. Etwa vor dem Älterwerden oder vor körperlichen Defekten, dass im Alter die Leistungskraft sinke. Manche hätten auch Angst vor dem Altersheim. Vor allem klagen diese Menschen dann über den fehlende Kontakte zu anderen Menschen.
Demgegenüber gebe es aber auch Hoffnung, meint der Pastoraltheologe. Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gebe es zwar keine fertigen Antworten, denn kein Ding auf der Welt habe seinen Sinn in sich. Dieser ergebe sich nur, "wenn man etwas tut, was weiterführt", sagte er. Die Frage nach dem Sinn sucht letztlich nicht nach einer Erklärung, sondern nach einer Beziehung, nach einem Menschen, der mitfühlt. So könne das Leben zur Weisheit werden, zu einem "Wissen, das aus dem Herzen kommt". Dieses sei allerdings nicht nur den älteren Menschen vorbehalten.