Abt Michael Karl Prohazka: "Will Diener der Freude sein"

"Ich will als Diener der Freude wirken für die Kirche, die Menschen in der Kirche und für alle, die guten Willens sind", sagte der neue Abt des Stiftes Geras, Mag. Michael Karl Prohazka nach seiner Weihe am 2. Dezember in der Stiftskirche Geras, begleitet vom Applaus zahlreichen Gläubiger und Mitfeiernder in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Der Gottesdienst mit Abtweihe wurde via Video auch in die Säulenhalle übertragen. Seelsorger und Novizenmeister

Michael Karl Prohazka wurde Ende September vom Konvent des Stiftes Geras zum 67. Abt gewählt. Prohazka wurde 1956 in Wien geboren, studierte Philosophie und Theologie in Wien, Freiburg und Rom. 1979 trat er in das Prämonstratenserstift Geras ein und wurde 1983 zum Priester geweiht. Nach Tätigkeiten in Pfarren des Stiftes, als Dechant des Dekanates und Novizenmeister übernahm Prohazka 2004 die Aufgaben eines Vizerektors am "Collegium Orientale" in Eichstätt, einem ökumenisch ausgerichteten Priesterseminar für Studenten aus östlichen Schwesternkirchen.

"Mit Klugheit, Umsicht und Liebe"

2005 wurde Prohazka nach Geras zurückberufen und übernahm in der Zeit der Administration durch Abt Martin Felhofer aus Schlägl die Funktion eines Priors.
Diese Aufgabe habe der neue Abt "mit Klugheit, Umsicht und Liebe wahrgenommen", betonte Bischof DDr. Klaus Küng in seiner Predigt. Gleich nach seinem Amtsantritt sei im Stift eine Beruhigung eingetreten, wies er hin. Dies sei auch Grund zur Zuversicht, führte der Bischof aus und zeigte sich überzeugt, dass das Stift Geras "einen wichtigen Beitrag" zur gesamten Erneuerung der Diözese leisten werde. Dies aber nicht nur durch die Pfarrseelsorge, sondern vor allem "durch das Vorbild des geistlichen Lebens aller, die zu diesem Stift gehören". "Wir brauchen euer gutes Beispiel", sagte Bischof Küng und er hoffe, dass vom Stift Geras neue Impulse ausgehen, die die Menschen zur Umkehr bewegen.

Gäste und Freunde

Bereits am Beginn der Messe, die vom Wiener Vokalensemble musikalisch mitgestaltet wurde, konnte Prior Benedikt Felsinger neben zahlreichen Gläubigen viele Vertreter des kirchlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens begrüßen. So waren Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Altlandeshauptmann Mag. Siegfried Ludwig, Nationalrat Günther Stummvoll und weitere Abgeordnete zum NÖ Landtag sowie die Bezirkshauptleute von Hollabrunn und Horn, Mag. Stefan Grusch und Mag. Johannes Kranner anwesend. Neben Bischof Dr. Klaus Küng, Weihbischof Dr. Anton Leichtfried und den Generalvikaren der Diözesen Wien und St. Pölten, Franz Schuster und Leopold Schagerl feierten weit über 100 Priester darunter der Generalabt des Prämonstratenserordens Thomas Handgrätinger, der Abt von Wilten, Raimund Schreier sowie der Abt des Stiftes Schlägl, Martin Felhofer die Weihe mit, ebenso Mitbrüder und Schwestern aus dem Prämonstratenserorden, Äbte und Altäbte, Pröpste und Provinzialen aus verschiedenen Ordensgemeinschaften in und außerhalb der Diözese. Auch Vertreter ökumenischer Kirchen waren gekommen, unter ihnen Erzbischof Kyr Petro von der Ukrainisch-Autokephalen Kirche, Archimandrit Germanos Katsarikas von der orthodoxen Kirche sowie die stellvertretende Superintendentin der Evangelischen Kirche Niederösterreich, Birgit Schiller.

Großer Beifall der Gläubigen

Die Weihe des neuen Abtes mit dem feierlichen Segensgebet, der Überreichung der Ordensregel sowie der Insignien, Ring, Mitra und Hirtenstab, nahm Bischof DDr. Klaus Küng vor. Nach der Weihe begrüßten die anwesenden Priester den neuen Abt mit dem Friedensgruß. Die Gläubigen spendeten dem neuen Abt einen tosenden Applaus.
In seinem Wahlspruch hat Abt Michael Karl dargelegt, was er als seine Aufgabe sieht: "Zeugen der Auferstehung Christi sein" (Christi Resurrectionis Testes). Im Wappen selbst sind neben anderen Zeichen auch eine Eule als Symbol der Weisheit und ein Olivenzweig als Symbol für Friede und Versöhnung enthalten. Drei Bienen in einem weiteren Feld des Wappen stammen aus einem alten Familienwappen des Abtes und sind Ausdruck des Fleißes und der Gemeinschaft.

Die Mitbrüder zu Christus führen

Generalabt Thomas Handgrätinger wies in seiner Ansprache den neuen Abt auf die kommenden Aufgabe hin: zu überzeugen und zu animieren, Geduld aufzubringen, das gesamte im Auge zu behalten und jedem Einzelnen mit seinen Stärken und Schwächen gerecht werden. Er verwies auf die Stütze, die der neue Abt, der am 24. September vom Konvent gewählt wurde, in seinen Mitbrüdern habe. "Du darfst weiterbauen, was viele Menschen vor dir geschaffen haben", sagte er und bedankte sich für die Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernommen zu haben. Als Vertreter der Pfarrgemeinderäte überreichte Bürgermeister i.R. Otto Schmutz dem Abt einen Ginkobaum als Symbol von Harmonie, Aktivität und Lebenskraft.
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll erinnerte an ein Wort Papst Johannes XXIII.: Tradition bedeute, Feuer zu hüten und nicht, Asche zu bewahren. Er verwies, dass das Stift Geras stets ein geistliches Zentrum gewesen sei, wo viele Menschen Zuflucht gefunden haben. Viele wirtschaftliche Impulse seien von diesem Haus ausgegangen, denen zahlreiche Generationen ihre Existenz verdanken. Heute soll das Stift Geras das Feuer hüten in einer Welt, die laut und schnell geworden sei, in der "für viele die Sorge um den Lebensstil mehr zählt als um den Lebenssinn". "Diese Zeit verlangt wieder nach Orten, wo Menschen zu sich selbst finden können, nach Orten, die Kraft geben", sagte der Landeshauptmann. Er schloss die Bitte an, das bereits "legendär gewordene" gute Miteinander von Land und Stift weiter zu tragen.

Liebe zum byzantinischen Ritus

Der Abt bedankte sich in seinen Schlussworten bei allen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben, den Eltern, die ihm "den Glauben und die Liebe zur Kirche und zum byzantinischen Ritus" eingepflanzt haben, den Religionslehrern und Priestern, dem Stift Voraus, wo er seine Priesterberufung entdeckte, den Vertretern der Ökumene und "bei allen, die geholfen haben, dass das Stift weiterleben kann". "Wir wollen weitergeben in eine neue Zeit, was wir erhalten haben. Tradition ist nichts Totes, sondern etwas Lebendiges und Kraftvolles", betonte der Abt und unterstrich die gute Zusammenarbeit von Land und Kirche: "Nicht Symbiose ist das Ziel; wir wollen gemeinsam weitergehen, weil wir ein gemeinsames Ziel haben".
Prior Benedikt Felsinger überreichte im Namen des Konvents dem neuen Abt ein Kreuz, "das im Osten gefertigt und im Westen vergoldet wurde".
Die Kollekte dieser Messe geht an ein Kinderspital der Prämonstratenser in Kinshasa sowie an die Jugend- und Pfarrseelsorge des griechisch-katholischen Pfarrers Ivan Herevych in Mukatschewo in der Karpatenurkraine.