50 Jahre "schweigenden Kerzen" von Mariazell

Zum Auftakt zum Mitteleuropäischjen Katholikentag pilgerten hunderte Arbeitnehmer nach Mariazell, um in der Basilika mit Bischof Maximilian Aichern für den neuen Schritt in eine neue Zukunft Europas zu danken und zu bitten. Die "schweigenden Kerzen", die 1954 aufgestellt wurden, wurden mit Ausnahme einer Kerze wieder entzündet. Vor 50 Jahren haben sich 7.500 junge Arbeiterinnen und Arbeiter in Mariazell versammelt, um für die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang zu beten. Sie zündeten neun Kerzen an, die nach dem Gebet damals gelöscht wurden und erst nach der Wiedererlangung der Freiheit jener Länder wieder entzündet werden sollten. Dies war 1990 geschehen - nur eine Kerze ist "stumm" geblieben: jene für China.
Am Nachmittag des 20. Mai haben sich wieder Mitglieder der damaligen Arbeiterjugend versammelt, um in der Basilika von Mariazell der vergangenen 50 Jahre zu gedenken und als Auftakt zum Mitteleuropäischen Katholikentag für einen neuen Schritt in eine neue Zukunft Europas zu bitten.


Der Verantwortung bewusst werden
"Das Gebet hat geholfen" sagte Wallfahrtsseelsorger P. Schauer bei der Begrüßung der Wallfahrer aus allen Bundesländern Österreichs sowie aus Lettland, Litauen, Polen, Ungarn und Tschechien. Auch der Vorsitzende der Kath. Arbeitnehmerbewegung Österreichs, Bruno Holzhammer, unterstrich die Bedeutung dieses Treffens am Beginn des Katholikentages. "Es soll nicht nur ein Treffen sein, bei dem wir in die Ferne blicken. Wir wollen uns der Verantwortung für jene Länder bewusst werden und gemeinsam solidarische Wege in die Zukunft suchen". Es gelte, Handlungsfelder für eine neue Partnerschaft zu entwickeln, sagte er in Hinblick auf den Studientag am 21. Mai in Hirschwang unter dem Motto "Von der Patenschaft zur Partnerschaft".


Neue Gedanken für die Zukunft
Ebenso unterstrich Bischof Aichern in seiner Begrüßung, dass diese Wallfahrt nicht nur "zum Gedenken" sei, sondern ein Aufruf sei, sich "neue Gedanken für die kommende und gemeinsame Zukunft zu machen". Europa dürfe nicht nur eine Wirtschaftshalle sein, sondern "Lebensraum für Millionen Menschen, mit Werten bedacht und von Werten belehnt".
In seiner Predigt ging der Linzer Bischof dann auch auf die Symbole der einst "schweigenden Kerzen" ein. Sie seien in neuer Weise ein Zeichen der Solidarität in Europa, sagte er: aufeinander zugehen, gemeinsam beten und feiern und sich gemeinsam den Erfordernissen des zusammenwachsenden Europas stellen. Gerade Christen könnten den Menschen Orientierung, Sicherheit und Beispiel geben. Der Bischof unterstrich, dass diese Wallfahrt bereits "ein wesentlicher Beitrag zum Mitteleuropäischen Katholikentag" sei. Die katholische Arbeitnehmerbewegung und Arbeiterjugend seien auch heute "ein wichtiger Brückenschlag von Mensch zu Mensch in der Arbeitswelt".


Mitarbeiten am Bauplatz Europa
 "Unterstützen wir uns gegenseitig bei der Aufgabe für ein neues Europa, das nicht nur wirtschaftlich zusammenarbeitet, sondern auch in sozialen, religiösen und kulturellen Bereichen" wies der Bischof hin. Er rief auf, "Sorge für die Schwachen, für die Arbeitslosen vor allem in den Beitrittsländern, und weltweite Verantwortung" zu tragen und sich für den arbeitsfreien Sonntag einzusetzen "als Garantie, dass der Mensch nicht zur Maschine degradiert wird". "Wir dürfen nicht nur unser eigenes Leben gestalten, sondern müssen auch am Bauplatz Europa mitarbeiten", rief der Bischof den Anwesenden zu. "Möge diese Wallfahrt dazu nicht nur anregen, sondern entflammen!"