50 Jahre Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung der Diözese St. Pölten

Die Geschichte der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung (KAB) der Diözese St. Pölten begann am 1. Oktober 1955. Sie ist fest verbunden mit der Geschichte der Aussöhnung von Kirche und Arbeiterschaft. Am Samstag feierte die Teilgliederung der Katholischen Aktion im Bildungshaus St. Hippolyt ihr 50-jähriges Bestehen. Zu den Gratulanten gehörten u.a. BM Liese Prokop, ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, KA-Präsident Roman Fröhlich, der NÖ Landtagspräsident Edmund Freibauer, AK-NÖ Vizepräsident Peter Stattmann, Diözesanbischof Klaus Küng und der zuständige Referatsbischof in der Österreichischen Bischofskonferenz, Maximilian Aichern.


KA-Präsident Roman Fröhlich würdigte in seiner Laudatio "den Beitrag der KAB, den seinerzeitigen Graben zwischen Kirche und Arbeiterschaft abzubauen", der "nicht hoch genug zu bewerten" wäre. Als soziales Gewissen habe die KAB maßgeblich zur Entstehung der Sozialhirtenbriefe und des Sozialwortes der Kirchen beigetragen. Ihr wäre auch die Gründung der Niederösterreich-Allianz für den arbeitsfreien Sonntag zu verdanken. - "Für die Katholische Aktion ist die KAB ein fester Bestandteil und verlässlicher Partner", so Fröhlich. Für die Zukunft wünschte der KA-Präsident, dass es gelingen möge, weiterhin Kirche und Gesellschaft aus der Sicht des Evangeliums mit zu gestalten.


Bundesministerin Liese Prokop meinte, die KAB wäre immer ein Partner gewesen, vor allem in der Zeit, als sie in NÖ als Sozialreferentin tätig gewesen wäre. In den 50 Jahren habe die KAB durch Beharrlichkeit vieles erreicht. "Wir haben in unserem Land hohe Standards, auf die wir so stolz sind und stolz sein können: Im Sozialbereich, in der Sicherheit"... "Das stellt natürlich auch eine Verpflichtung für uns dar, denn wir müssen hier in diesem Sinne auch weiter arbeiten", sagte Prokop. Dabei dürfe man nicht an dem Faktor vorbei gehen, dass Österreich seit 10 Jahren Mitglied der EU wäre: "Auch in diesem Rahmen müssen wir miteinander gehen im Bereich der Wirtschaft, der Arbeitsplätze, der sozialen Sicherheit."


ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch lobte die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Katholischer ArbeitnehmerInnen Bewegung in Österreich. Besonders in St. Pölten erinnere die KAB daran, dass am Beginn der intensiven Zusammenarbeit der KAB mit den Gewerkschaften ein Dialog zwischen Kirche und Gewerkschaftsbewegung gestanden wäre, um die historischen Widerstände abzubauen. Kardinal König habe seinerzeit mit dem Vortrag im Bundesvorstand des ÖGB die Tür dazu geöffnet. Als "Fixpunkt der Zusammenarbeit in den Vordergrund gestellt" sah Verzetnitsch des arbeitsfreien Sonntag. Dieser ließe sich am leichtesten dann durchsetzen, wenn all diejenigen, die auch am Sonntag immer wieder davon redeten, wie schön es sei, Freizeit zu haben, nicht einkaufen gehen würden.


Der NÖ Landtagspräsident Edmund Freibauer wies darauf hin, dass sich seit der Gründung der KAB vor 50 Jahren vieles verändert habe. "Vor allem hat unser an sich erfolgreiches Wirtschaftssystem eine Wendung genommen, mit welcher es Gefahr läuft, die unverzichtbaren Beschränkungen eines freien Marktes aufgrund sozialer und ökologischer Verantwortung zu überschreiten. Wenn die KAB von 50 Jahren notwendig war, so ist dies heute ganz sicher noch viel mehr der Fall." Eine Katholische Bewegung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müsse in Staat und Gesellschaft mitunter auch ihre warnende und kritische Stimme erheben, sagte Freibauer. Sie solle dies jedoch im Hinblick auf die frohe Botschaft immer mit Optimismus tun, mit einem Optimismus, dass sich letztlich alles zum Positiven wenden lasse, wenn man nur gemeinsam will.


AK-NÖ Vizepräsident Peter Stattmann sagte, es wäre "Zeit für einen Paradigmenwechsel": Wenn arbeitende Menschen immer mehr zum Kostenfaktor reduziert würden, bedeute dies eine Absage an die schöpferische Kreativität jedes Einzelnen. Die Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung und die Interessensvertretungen der AK-NÖ und des ÖGB Niederösterreich hätten das Ziel, diese Entwicklung zu stoppen. "Denn", so Stattmann, "der Mensch ist das Maß aller Dinge." Dabei wäre es gut, die Vertreter der KAB an seiner Seite zu wissen.


Im Anschluss an die Festredner ließen unter Moderation des langjährigen Diözesan- und Bundesvorsitzenden der KAB, Karl Ebner, die KAB-AktivistInnen Herbert Schrittwieser, Josef Schrittwieser, Franz Habersatter, Ludwig Großalber, Anna Haiden und Kpl. Franz Sieder 50 Jahre KAB Revue passieren. Beim Gottesdienst überreichte Diözesanbischof Klaus Küng Betriebsseelsorger Kpl. Franz Sieder die Ernennungsurkunde zum geistlichen Begleiter der KAB.