Umweltpreise an ausgezeichnete Pfarren überreicht

St. Pölten, Wien (dsp/mb) Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten gemeinsam mit der Erzdiözese Wien, der evangelischen Kirche und dem Land Niederösterreich konnte im Rahmen einer würdigen Feier im Stift Melk den Umweltpreis für Pfarren an sieben Vorzeige-Pfarren übergeben.

„Der Umweltpreis ist eines unserer schönsten und ermutigendsten Projekte. Im Gegensatz zu den narzisstisch und provokant veranlagten Klimaklebern geht es den vielen Menschen in der Diözese, die sich für Schöpfungsverantwortung engagieren um die Sache selbst. und das ist wesentlich sinnvoller:  Denn ist es das authentische Vorbild, dass Eindruck macht, das motiviert und zur Nachfolge einlädt. Im Glauben und letztlich auch in der Umweltarbeit.“, so KA-Präsident Armin Haiderer. Die Themenpalette zu Schöpfung und Umwelt sei aber vielfältig, daher suchte der Umweltpreis auch positive Beispiele rund um kirchliche Gebäude, Naturerlebnisse, Liturgie, Pfarrfeste oder Müllvermeidung.

„Das was hier prämiert wird zeigt, dass es Frauen und Männer gibt, die aus ihrer Gottverbundenheit mit der Schöpfung das Leben und das Land schützen. Vermitteln wir den Leuten „ich bin da“ als Kirche und als Christin und Christ, dass wir die Aufgabe haben, mit den Menschen zu sein. Das machen sie jetzt schon so, dass es der Welt gut tut. Bitte machen sie so weiter und erzählen sie es anderen.“, bedankte sich Bischof Alois Schwarz bei allen Preisträgerinnen und Preisträgern.

Landesrat Stephan Pernkopf bedankte sich sehr bei allen Preisträgerinnen und Preisträgern in dem er sie ermutigte, so weiter zu machen: „Wir müssen mutig vorangehen. Das tun sie in ihren Pfarren mit der gelebten Umsetzung. Man bringt nur mit Freude und Aktivismus etwas im Leben weiter. Nur nicht mit Klebeaktionen, das ist sicher nicht der richtige Weg. Den richtigen Weg gehen sie mit ihren Aktionen.“ Er erklärte auch, dass durch fünf konkrete Maßnahmen Niederösterreich den konsequenten Weg in die Energieunabhängigkeit weiter fortsetzen möchte: Ausbau der Windkraft, Ausbau der Photovoltaik, Investition in Wasserkraft, Ausbau der Biomasse, Investition in die Netzsicherheit.

Die Preisträger aus der Diözese St. Pölten:

Natur hoch Emmersdorf – Pflanzen haben ein Gesicht

Das Kath. Bildungswerk Emmersdorf hat in den letzten Jahren Pflanzenpatinnen und –paten für wildwachsende Pflanzen in der Pfarre und Gemeinde Emmersdorf gesucht. Ziel war das Staunen über die Schöpfung zu fördern und die Erhaltung der Artenvielfalt bewusst zu machen. Es wird nicht nur die Pflanzenvielfalt in der Gemeinde aufgezeigt, sondern auch bisher eher unbekannte Pflanzen vor den Vorhang geholt. Die Pflanzen Patinnen und Paten helfen dabei, dass ihre Pflanzen ja nicht in Vergessenheit geraten. Haben Sie schon mal etwas vom dornigen Hauhechel, dem kleinen Mädesüß oder dem Pfaffenhütchen gehört? Für Letzteres ist übrigens Pfarrer Marek Duda Pate.

Letztlich sind es 188 Patinnen und Paten geworden. Jede Pflanze hat so ein Gesicht bekommen. Wenn man die Familienangehörigen als Betroffene dazuzählt, ist in der Pfarre Emmersdorf beinahe jeder 3. mit einer Pflanzenpatenschaft in Berührung gekommen.
In der Corona Zeit präsentierte Bildungswerkleiter Johann Pittl jede Woche eine andere Wildpflanze auf Schautafeln im Ort. Um den Jahreswechsel 2021/22 konnte ein Ordner mit beinahe 400 Seiten herausgeben werden.

Pfarrsaal im alten Pfarrstadl Maria Laach alte Substanz, Nachhaltigkeit und moderne Architektur

Die Gemeinde Maria Laach ist weltbekannt durch das Wallfahrtskirchenjuwel Maria Laach. Das äußerst rege Gemeinschafts-, Vereins- und Pfarrleben findet in Kirche, Pfarrsaal und im Pfarrstadel statt, der Teil des denkmalgeschützten Ensembles ist. Die Pfarre Maria Laach am Jauerling wollte der Region einen neuen Raum für Spiritualität, Kultur und Kommunikation schaffen. Das Projekt „Pfarrsaal“ hat die Gemeinschaft zusammengeschweißt und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung gestärkt. 
Die konkreten Baumaßnahmen sind so erfolgt, dass sie sich harmonisch in das architektonische Juwel der Wallfahrtskirche einfügen. Alter, wertvoller Bestand wurde nicht nur erhalten und geschützt, sondern hervorgehoben. Es wurde wertschätzend und sparsam mit unseren ökologischen Ressourcen umgegangen und baubiologische und technische Standards wurden zeitgemäß umgesetzt. 
Maria Laach ist Naturparkgemeinde und seit vielen Generation auf den sorgsamen Umgang mit dem Ökosystem bedacht. Naturnahe Bauweise ist eine logische Konsequenz daraus. Ausschließlich eigenes Holz aus dem Waldbestand der Pfarre fand Verwendung. Dämmstoff ist Stroh aus der Region. Die Nutzung von Solarstrom aus eigenen Photovoltaikanlagen und der Anschluss an das Fernheizwerk der ortsansässigen Genossenschaft, bei dem auch die Pfarre aus den eigenen Wäldern beliefert, zeigen die Selbstverständlichkeit ökologischen Handelns im Umfeld dieses Projektes. 
Die Planung erfolgte unter Berücksichtigung der Rückbaubarkeit und eine CO2 Bilanz läuft im Prozess automatisch mit. Es gibt eine begleitende Lebenszyklusanalyse und eine CO2 Emissionsbewertung. Das Projekt erlangte Klimaaktiv Gold-Standart.

Sonnenstrom-Kraftwerk im Stift Melk 

Das Stift Melk produziert etwa die Hälfte des dort benötigten Stromes künftig selbst. Anfang Juli wurde die neu errichtete Photovoltaikanlage mit 1.620 Solarmodulen in Betrieb genommen.

Neugestaltung des Kirchengartens der rumänisch-orthodoxen Kirche in St. Pölten

In der Rumänisch-Orthodoxe Pfarre „Hl. Hyppolit und Hl. Märtyrer Brancoveni“ in St. Pölten-Harland wurde in den vergangenen 3 Jahren der Garten neu angelegt. Vierzig Obstbäume wurden im Kirchengarten gesetzt. Darunter befinden sich verschiedene Sorten: Apfel-, Birnen-, Kirschen-, Pfirsiche-, Pflaumen-, Nussbäume. 
Darüber hinaus wurden auch Himbeeren, Brombeeren, Sanddorn und Erdbeeren und andere Sträucher gepflanzt, die eine große Freude im Sommer vor allem für die Kinder anbieten. Ferner werden im Kirchengarten verschiedene Zierpflanzen gepflegt: Rosen, Lavendel, Magnolie, Flieder, Kirschlorbeer. 
Auf der Terrasse werden verschiedene Topfpflanzen ausgestellt. Für regelmäßiges Gießen wurde ein neuer Brunnen im Kirchenhof installiert.
Für die biologischen Abfälle wurde ein Kompostbehälter eingerichtet. In der Gartenpflege wird auf chemische Substanzen verzichtet.

Vom Frühjahr bis Herbst fühlt man sich wie im Paradies, zusammen mit den vielen Vögeln, Bienen und anderen Lebewesen, die einen Platz im Kirchengarten gefunden haben. 
Neben den Gottesdiensten und Gesängen erlangt man ein weiteres Heilungsmittel, wenn man einen Spaziergang durch den Kirchengarten unternimmt.

Aus der Erzdiözese Wien

Pfarre Mistelbach:

Angespornt durch das Projekt „Energie-Spar-Pfarre“ und die kostenlose Energieberatung hat die Pfarre Mistelbach schon einige Empfehlungen umgesetzt: zusätzliche Abdichtung der Kastenfenster bzw. teilweise Erneuerung der Fenster (Bibliothek), neues Beleuchtungskonzept auf LED Basis für das Pfarrbüro, zusätzliche Lüftungsgitter für die Heizungen und einiges mehr. 
Beim Pfarrfest setzt die Pfarre auf regionalen Einkauf bei den Bauern und Firmen der Region, sowie verwendet sie Mehrweggeschirr und bietet auch ein vegetarisches Gericht an. 
Auch zur aktuellen Energiekrise hat sich die Pfarre Gedanken gemacht und einige Dinge umgesetzt: Die Heizung in den Büroräumen und dem Pfarrzentrum wurde um 1-2 Grad kühler einprogrammiert, die Kirchturmbeleuchtung in Absprache mit der Gemeinde abgeschaltet und alle Kirchen, die zur Pfarre gehören, werden nur minimal geheizt (tw. nur auf Frostwächterstufe). 
Die Pfarre möchte natürlich den eingeschlagenen Weg weitergehen und weitere Maßnahmen umsetzen, wie z.B. die Umrüstung der Sakristei auf LED oder weitere Maßnahmen, um den Wärmeverlust im ca. 400 Jahre alten Gebäude zu reduzieren.

Pfarre Laa an der Thaya:

Die Einreichung samt der umgesetzten Initiativen weist darauf hin, dass die Pfarre sich schon länger mit dem Thema beschäftigt und sich ihrer Verantwortung für die Schöpfung bewusst ist. Besonders hat der Jury gefallen, dass hier in vielen Bereichen des pfarrlichen Lebens Akzente zum Wohle der Schöpfung gesetzt werden: Das geht von der Reise mit der Bahn nach Assisi, über das Basteln von Insektenhotels am Jungscharlager bis hin zur Neuanlage des Pfarrhofgartens. Aber auch die Verwendung von ökologischen Materialien (z.B. bei der Wärmedämmung der Decke im Pfarrhof mit Zellulose) oder die Umstellung des Pfarrblattes auf Recyclingpapier samt des thematischen Schwerpunkts zum Thema Garten scheint erwähnenswert. Das Mehrweggeschirr am Pfarrfest samt Geschirrmobil und vegetarischen Speisen ist ebenso selbstverständlich wie die LED-Beleuchtung in der Kirche oder die Kooperation mit dem örtlichen Weltladen beim Pfarrkaffee oder bei den Geschenken für Firmspender, Vortragende, etc.

Spannend und erwähnenswert auch die Initiative zur Reparatur von Fahrrädern und Elektrogeräten durch ehrenamtliche Mitarbeiter zur Wiederverwendung in der sogenannten „Laade“, einer Einrichtung der Caritas mit dem Ziel, Menschen in finanzieller Notlage zu unterstützen. 
Besonders beachtlich ist auch, dass es in der Pfarre Laa drei Schöpfungsverantwortliche gibt und ein pfarrverbandsweiter Austausch in der SCHAU-Gruppe (Schöpfungs-Austausch-Gruppe) geplant ist.

Die evangelische Kirchen Korneuburg

Mit Bürgerbeteiligung Strom teilen: Die Evangelische Kirche Korneuburg installierte eine 34 kWp Photovoltaik Anlage auf dem Kirchendach und dem Dach des Pfarrhauses. Die Finanzierung erfolgte über Bürgerbeteiligung. Der Strom wird mittels des Weinviertler Unternehmens efriends mit den Beteiligten geteilt.

Was ist der Diözesane Umweltpreis?

Die Kath. Aktion begann im Jahr 2011 mit der Ausschreibung und Verleihung des Diözesanen Umweltpreises. Ziel war gute Projekte vor den Vorhang zu holen und vor allen Dingen der kirchlichen Öffentlichkeit als Vorbilder zu präsentieren und zur Nachahmung anregen. Im Jahr 2013 begann die Kooperation mit dem Umweltbüro der Erzdiözese Wien und der Evangelischen Diözese NÖ. In den ersten Jahren war der Schwerpunkt auf schöpfungsfreundliche Pfarrfeste gelegt. Später darüber hinaus auf alle relevanten Umweltaspekte für Pfarren und kirchliche Einrichtungen: Energie, Naturschutz, Pfarrfeste, Einkauf, Verkehr, Liturgie, Bildung und Schöpfung erleben. Die Erfahrung zeigt, dass Pfarren die ein- oder mehrmals am Umweltpreis teilgenommen haben, ihre Umweltbemühungen fortführen und häufig ausweiten auf andere Felder. In der Diözese hat sich die Katholische Aktion als Kompetenzstelle für Schöpfung und Ökologie einen Namen gemacht und ist seit Herbst 2018 EMAS-zertifiziert. Im Herbst 2019 trat die Diözese im Rahmen der Preisverleihung zum Diözesanen Umweltpreis dem Klimabündnis NÖ bei. Im Jahr 2022 gibt es eine neue Kooperation mit der orthodoxen Kirche.

Mit dem Umweltpreis wollen wir Pfarren und diözesane Einrichtungen motivieren ökologische Aspekte in den Pfarralltag aufzunehmen. Der Folder zum Diözesanen Umweltpreis wird an alle Pfarren und zusätzlich direkt an Interessierte und Umweltkontaktpersonen in den Pfarren versendet. 
Eingereichte Projekte werden im Einzelfall von der Jury besucht und im Team nach den Kriterien Energie, Naturschutz, Pfarrfeste, Einkauf, Verkehr, Liturgie, Bildung und Schöpfung erleben, bewertet. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung werden die Siegerprojekte geehrt. 
Kooperation besteht mit dem Umweltbüro der Erzdiözese Wien, der Evangelischen Diözese NÖ und der Orthodoxen Kirche. Die Preise in der Höhe von je 1000,- werden vom Land NÖ finanziert. Weiters besteht eine Zusammenarbeit mit der Energie & Umweltagentur, Bio Austria und Natur im Garten. 
Im Zuge der öffentlichen Preisverleihung und der darauffolgenden Berichterstattung werden die Projekte in den regionalen und kirchlichen Medien vorgestellt. Die Erfahrung zeigt, dass Pfarren und/oder kirchliche Einrichtungen, die ein- oder mehrmals am Umweltpreis teilgenommen haben, ihre Umweltbemühungen fortführen und häufig ausweiten. DiePreisträger werden auch mit ihren Best practice Beispielen auf der Homepage der Kath. Aktion genannt und vorgestellt.