Sommerfest der Katholischen Männerbewegung

Sommerfest mit Preisverleihung der Katholischen Männerbewegung

St. Pölten, Horn, 18.7.2022 (dsp/mb) Die Katholische Männerbewegung Österreichs - KMBÖ – verlieh im Rahmen des Sommerfest in Gallien bei Horn den "Oscar-Romero-Preis", der verliehenen Auszeichnung für vorbildliches entwicklungspolitisches Engagement, die im vergangenen November pandemiebedingt nur im kleinen Kreis verliehen werden konnte. Der Preis wurde nun an die beiden Prämonstratenser-Chorherren Bernhard-Michel Schelpe (82) und Milo Ambros (80) überreicht. Die beiden Ordensmänner vom Kloster Sao Norberto de Itinga in Salvador da Bahia hatten jahrzehntelang in Brasilien in pastoralen, sozialen und schulischen Schwerpunktprojekten gewirkt, heute widmen sich beide, wie vor Ihrer Zeit in Brasilien, der Seelsorge in Pfarren im Waldviertel.

Die 35. Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung wurde mit einem Vortrag vom für die Katholische Aktion zuständigen Referatsbischof, dem Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, eröffnet. Bis zum Samstag ging es bei der Tagung in Horn um "Verantwortung zwischen Klimawandel, Pandemie und Erschöpfung".

KMB-Diözesanobmann Ing. Karl Toifl konnte Referatsbischof Dr. Wilhelm Krautwaschl und zahlreiche andere weltliche und geistliche Ehrengäste aus ganz Österreich begrüßen. Die Laudatio hielt der emeritierte Abt von Stift Schlägl KR Mag. Martin Feldhofer, der die ausgezeichneten Priester selbst in Brasilien besuchte und sich ein Bild vom vielfältigen Wirken machte. Viele Weggefährten der beiden Chorherrn freuten sich in der Schaubrauerei der Erlebniswelt Gallien über einen festlichen und würdigen Abend.

Zahlreiche prominente Gastredner

"Wir erleben derzeit eine Verkettung von schweren Krisen, und wir werden sie - national wie international - nur gemeinsam, in Zusammenarbeit und Solidarität lösen können." Das unterstrich der ehemalige Sozial- und Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei der diesjährigen Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreich (KMBÖ) in Horn. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Energiekrise, die Inflation, die drohende Wirtschaftskrise, dazu die Pandemie und der Klimawandel - sie alle zusammen erzeugten nicht nur eine von Angst geprägte Grundstimmung, sondern führten auch zu einer tiefen sozialen Krise, so die KMBÖ.

So wie zu Beginn der Pandemie brauche es nun schnell wirksame Maßnahmen von Seiten des Staates. Die EU müsse sich in den nächsten Wochen auf Energiepreisdeckelungen einigen, und es müssten Maßnahmen und Anreize zum Energiesparen gesetzt werden, so Anschober. Es brauche hier "die schützende Verantwortung des Staates". Gleichzeitig müsse wieder diese "zutiefst solidarische Bewegung" angeknüpft werden, die es zu Beginn der Corona-Pandemie gegeben habe. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sei dafür zu gewinnen, gab sich Anschober überzeugt. "Wir können auch die jetzigen Krisen bewältigen, aber das geht nur im Miteinander, nicht im Gegeneinander oder in gegenseitigen Schuldzuweisungen."

Entschieden plädierte Anschober für internationale Zusammenarbeit in der Krisenbewältigung. So sei die Zusammenarbeit, die Deutschland und Österreich soeben im Blick auf die Gaskrise beschlossen haben, ein beispielhafter Schritt. Er bedeutet Solidarität in der Energieversorgung: "Wir werden Deutschland und Italien brauchen für Flüssiggaslieferungen; das heißt aber im Gegenzug auch, im Bedarfsfall gespeichertes Gas aus Österreich anderswo hinzuliefern." Diese Zusammenarbeit werde aber dringend gebraucht, "allein ist man immer schwächer"; und die Klimakrise sei ohnehin nur gemeinsam zu bewältigen. Dazu müssten auch die internationalen Organisationen wieder gestärkt werden, und nicht weiter geschwächt, wie es etwa durch den früheren US-Präsidenten Donald Trump geschehen ist.

Friede, Klima, Demografie

Ebenfalls zu Gast bei der KMBÖ war der frühere oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer. Er sagte zum Verhältnis von katholischer Kirche und Politik - er selber ist seit 1980 Mitglied der Katholischen Männerbewegung - die Parteien bestimmen ihre Nähe und Ferne zur Kirche selbst. Er erwarte keine "schweigende Kirche"; Kirche sei zu allen Zeiten politisch, müsse die Finger in die Wunden der Gesellschaft legen, aber auch selbst Kritik ertragen. Kirchen und Staat hätten die große gemeinsame Aufgabe, "dass Menschen gut leben können"; und zu guter Lebensqualität gehöre eine Antwort auf die Sinnfrage und geistige und ethische Orientierung.

Die ORF-Fernsehjournalistin Marianne Waldhäusl zeigte auf, was "Verantwortung im Journalismus" konkret heißt - in der Wahl eines Themas und den Inhalt, im Blick auf Informanten und Blick auf die handelnden Personen. Besonders ging sie auf das Anliegen ein, barrierefreie Angebote zur Verfügung zu stellen, denn auch für Menschen mit Beeinträchtigungen gebe es ein Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und Zugang zu Medienangeboten. Zu den Maßnahmen, die etwa der ORF anbietet, gehören Untertitelung, Audiodeskription, Gebärdensprache, barrierefreie Online-Angebote sowie leicht verständliche Sprache. Sie hob zugleich die Verantwortung der Mediennutzer hervor: Man müsse sich fragen, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist, ob die Darstellungsweise überspitzt ist, Fakten und Meinung vermischt werden. Vorsicht sei vor allem dann geboten, wenn eine emotionale Sprache verwendet wird, verallgemeinert und Angstmache betrieben wird.

"Sonnentor": Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen

Zum Abschluss der Sommerakademie, die dem Thema "Verantwortung" gewidmet war, schilderte der Geschäftsführer des Bio-Unternehmens "Sonnentor", Klaus Doppler, wie "Sonnentor" seine Verantwortung gegenüber der Natur, den produzierenden Bauern, den eigenen Mitarbeitern und den Kunden gegenüber konkret wahrzunehmen versucht - von einer Kultur der Wertschätzung und flachen Hierarchien im Unternehmen über Konfliktmanagement bis hin zu eigener hochwertiger Betriebsküche und eigenem Kindergarten.

"Sonnentor" mit Sitz im nördlichen Waldviertel hat für den Anbau der Gewürze, Kräuter und Tees Verträge nicht nur mit Bauern in der Umgebung, sondern in viele Regionen der Welt. Die Auswirkungen des Klimawandels seien überall zu spüren, so Doppler, allem voran ausbleibender Regen und veränderter Schädlingsdruck. Zu den Maßnahmen, die "Sonnentor" dazu setzen will, gehören die Schaffung von Wasserreservoirs für Bewässerung, die Erzeugung von Biokohle, die viel CO2 bindet und sich sehr gut als Dünger eignet, sowie Maßnahmen zur Stromspeicherung. Hackschnitzelheizung und Photovoltaik seien schon seit langem im Einsatz. Als zukunftsträchtig betrachte man die Wasserstofftechnik, deren Entwicklung und Einsatz wolle man unterstützen, so Doppler.