Requiem beschloss Pyrker-Jubiläumsjahr im Stift Lilienfeld

Stift Lilienfeld und Lithographie von Josef Kriehuber aus 1834

Lilienfeld, St. Pölten, 2.11.2022 (dsp/mb) Mit einem feierlichen Requiem für Johann Ladislaus Pyrker (1772-1847) beschlossen die Zisterzienser von Stift Lilienfeld heute das Pyrker-Jubiläumsjahr. Heute wäre der frühere Abt 250 Jahre alt geworden.

Johann Ladislaus Pyrker war von 1812 bis 1819 Abt von Stift Lilienfeld, später Bischof von Zips (1818-1820), Patriarch von Venedig (1821-1827) und Patriarch-Erzbischof von Erlau (1827-1847). Er gilt als ein Gründungsvater des Kurortes Bad Hofgastein und als Mitbegründer der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Jubiläumsjahr beleuchtete das vielfältige Wirken Pyrkers mit zahlreichen Veranstaltungen und Gottesdiensten sowie auch mit einer Sonderausstellung im Stift, die am 2. November zum letzten Mal besichtigt werden kann.

Die Ausstellung liefert Einblicke in die Dichtkunst Pyrkers, zudem erlaubt der Blick in die Gemäldegalerie, in die Prälaturkapelle und in den Prälatursaal den Besuchern, wichtige Lilienfelder Originalschauplätze im Leben von Johann Ladislaus Pyrker kennenzulernen. Diese Räumlichkeiten sind nur während der Jubiläumsausstellung zugänglich.

Der aktuelle Abt von Stift Lilienfeld, Pius Maurer, hat anlässlich des Jubiläums das Buch "Der Patriarch" verfasst, in dem er das Leben Pyrkers anhand von "100 Anekdoten" zusammenfasst. Im Interview mit Radio Vatikan versuchte Maurer die Persönlichkeit Pyrkers so auf den Punkt zu bringen: "Er war tatsächlich ein richtiger Networker. Er hat mit dem Kaiserhaus gute Kontakte gepflegt. Er hat einige wichtige Talente sehr gefördert, ein großer Förderer von Franz Schubert, von Franz Grillparzer. Er war also immer daran interessiert, Talente zu fördern. Aber nicht nur von den berühmten Leuten, sondern auch von einfachen Leuten, allen, denen er begegnet ist."

Schulgründer, Dichter, Mäzen

Johann Ladislaus Pyrker wurde am 2. November 1772 im ungarischen Soponya geboren. Er war der Abkömmling eines alten Tiroler Adelsgeschlechts. Er wuchs zweisprachig im Komitat Szekesfehervar/Stuhlweißenburg auf, wo sein Vater Gutsverwalter war. Auf der Akademie zu Pecs/Fünfkirchen widmete er sich anfangs philosophischen und philologischen Studien, trat aber nach einigen Jahren in das Zisterzienserstift Lilienfeld ein.

Nach vollendeten theologischen Studien im Seminar St. Pölten empfing er 1796 die Priesterweihe, wurde 1807 Pfarrer in Türnitz, 1812 Abt des Stiftes Lilienfeld, 1818 Bischof von Spis/Zips und 1821 Patriarch von Venedig sowie Primas von Dalmatien. Die Bischofsweihe spendete ihm am 14. April 1819 der Wiener Erzbischof Sigismund Anton von Hohenwart.

Seit 1827 war Pyrker Erzbischof von Eger/Erlau und Erb-Obergespan der Heveser Gespanschaft. Dabei trat er als Gründer und Förderer von Schulen, Bildungsinstituten und karitativen Einrichtungen hervor. So gründete er unter anderem in Eger ein Dorfschullehrerseminar und spendete zur Erneuerung des Doms 10.000 Gulden.

Zur Zeit Pyrkers bestimmte der Kaiser von Österreich, wer in seinem Reich, wo und wann Bischof wurde. Pyrker wollte absolut nicht nach Venedig, musste sich aber dem Kaiser beugen. In der Lagunenstadt sah sich der neue Patriarch einer immensen sozialen Aufgabe gegenüber. Venedig war zu der Zeit bitterarm. P. Maurer: "Pyrker hat die Armenfürsorge dort neu geregelt. Er war praktisch jener, der die dortige Caritas neu geordnet hat. Außerdem hat er bewirkt, dass Venedig damals einen Freihandelshandelshafen bekam, einen Hafen, der zollfrei ist. Den hat es übrigens auch heute noch. Und das war damals ganz wichtig für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung von Venedig."

Außerdem habe der neue Patriarch von Venedig durchgesetzt, dass Priester in der Sonntagsmesse predigen, was zuvor in Venedig nicht Sitte war. Pyrker habe darin eine Maßnahme zur Volksbildung gesehen. "Es war ihm wichtig, die Fähigkeiten des Menschen zur Entfaltung zu bringen", resümierte Abt Maurer: "Gleichzeitig war eine empfindsame Persönlichkeit und dadurch gerade auch gegenüber den Feinheiten der deutschen Sprache sehr aufmerksam. Und so wurde er auch ein Dichter, hat sich gerne mit Dichtung beschäftigt und war gleichzeitig ein großer Förderer von anderen Künstlern."

Pyrkers eigenes literarisches Werk umfasst historische Dramen (Die Korwinen, Karl der Kleine, Zrinyis Tod), an Klopstock anknüpfende Patriarchaden, sowie historische Versepen in rhetorisch-klassizistischem Stil. Seine Dichtungen sind von nationalem Pathos und Religion geprägt. Die meisten sind in Lilienfeld entstanden.

Pyrker machte sich überdies als Kunstmäzen verdient. So vermachte er seine Gemäldesammlung dem Ungarischen Nationalmuseum. Pyrker gilt als ein Förderer Grillparzers und Schuberts. Dieser widmete ihm 1821 ein Liederheft (op. 4), das unter anderem die berühmte Komposition "Der Wanderer" enthält.

Auch Grillparzers Gedicht "Abschied aus Gastein" ist Pyrker zugedacht, als Dankeszeichen für Beistand in einer Schaffenskrise. Pyrker war 1847 Gründungsmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), seit 1844 Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie, der k. k. Akademie der Bildenden Künste Wien sowie zahlreicher anderer Akademien Europas.

Pyrker wollte in Lilienfeld begraben werden. Daher befindet sich seit 1847 das Grab des einzigen deutschsprachigen Patriarchen von Venedig am Friedhof von Lilienfeld. Im Jahr 1894 wurde in Wien-Döbling die Pyrkergasse nach ihm benannt.