Junge Trauer braucht Zeit

St. Pölten, 27.6.2022 (dsp/mb) „Es gibt ein Recht darauf, zu trauern und in der Trauer mit all ihren Facetten ernst- und angenommen zu werden – und das gilt besonders für junge Menschen.“ So resümierte Elke Kohl, Expertin für die Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen, eine der Kernaussagen ihres Vortrags beim Studientag „Junge Trauer – Teenies und Twens“, den die Kompetenzstelle Trauer im Bildungshaus St. Hippolyt veranstaltete.

Die Referentin brach eine Lanze dafür, gerade jungen Menschen in der Trauer Zeit lassen und ihre ganz individuelle Umgangsweise mit den vielfältigen Gefühlen, die Trauer mit sich bringen kann, zu achten und sie genau darin zu unterstützen. „Wichtig ist nur, dass der Trauerprozess in Bewegung bleibt – und sei es nur in ganz winzigen Schritten,“ meinte die Trauerbegleiterin. Schwierig werde es, wenn die Emotionen ins Stocken geraten. Da brauche es Ermutigung und ein beständiges Gesprächsangebot an die Jugendlichen: Denn Trauer ist – nach einem Wort der Trauerexpertin Chris Paul – ist die nicht das Problem, sondern die Lösung.

Vertieft wurde der Vortrag in drei Workshops: Evelyn Bremberger vom AKUTTeam NÖ behandelte die spezielle Form der Trauer nach Suizid, die oft von Scham- und Schuldgedanken überlagert wird; Stefanie Zautner Religions- und Sonderpädagogin teilte Erfahrungen im Umgang mit Trauer in der Schule und Einrichtungen und Elke Kohl führte in das „Kaleidoskop der Trauer“ nach Chris Paul ein.

Allen drei Referentinnen war wichtig, Trauer zu enttabuisieren und aus dem verschämten Eck zu holen und zugleich kein Drama um die Trauer zu machen. Denn Trauer ist eine normale und sinnvolle menschliche Reaktion auf Abschied und Verlust. Junge Menschen dabei zu begleiten, sich mit Trauer bekannt zu machen und womöglich anzufreunden, ist eine großartige und lohnende Aufgabe – darin waren sich alle rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, die an diesem Fenstertag bei Frühsommerwetter sogar bis aus dem Burgenland angereist waren.