Im Pfarrgemeinderat die Kirche mitgestalten

Slogan der PGR für die Periode 2022-2027

St. Pölten, 18.1.2022 (dsp/mb) Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte sind "Sprachrohre" und "Anwälte einer lebendigen Gemeinschaft" So ermutigte der in der österreichischen Bischofskonferenz für die PGR (Pfarrgemeinderäte) zuständige Referatsbischof Josef Marketz bei einer Pressekonferenz zur bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahl am 20. März 2022.

In einer immer individuelleren Welt sei es "wichtiger denn je, eine Gemeinschaft mitzugestalten", betonte der in der österreichischen Bischofskonferenz für die Pfarrgemeinderäte (PGR) zuständige Kärntner Bischof im Interview mit der "Krone" (Samstag). "Ich sage den Leuten: macht mit, ihr könnt euch einbringen, ihr könnt in eurem Sinne die Kirche auch verändern. Und das spirituelle Leben hängt ja nicht vom Pfarrer allein ab."

Klaudia Achleitner, die Geschäftsführerin der Konferenz der österreichischen Pfarrgemeinderatsreferenten, in einem Online-Pressegespräch am Freitag die Phase der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten für die PGR-Wahlen offiziell eröffnet. Dabei wurden auch Ergebnisse eines vorab erhobenen Stimmungsbildes von Österreichs derzeitigen Pfarrgemeinderäten präsentiert. Pfarrgemeinderäte hätten früher in ihrem Selbstverständnis den politischen Gemeinderäten geähnelt, seien jedoch immer mehr "Vertreter, die Gläubigen die Stimme verleiht", so die Erklärung in der Pressekonferenz. Zudem gehe es bei dieser Funktion um eine Entlastung des Pfarrers.

In Bezugnahme auf den Slogan "mittendrin" der PGR-Wahl stellte Bischof Marketz fest, dass die Pfarren trotz dieses Wunsches "manchmal auch wie eine Burg oder ein Schloss" seien. Es gehörten daher "Fenster und Türen weit geöffnet und man muss raus", so der Referatsbischof, der sich hier auf Papst Franziskus berief. Dieser habe eine synodale Kirche vor Augen, die als "Kirche, die auf die Menschen zugeht und sie auch einbindet" zu verstehen sei.

Aktuelle PGR-Studie

An einer PGR-Befragung im vergangenen September beteiligten sich rund 3.000 Pfarrgemeinderäte, wie Klaudia Achleitner ausführte: "Pfarren sind für sie Orte, an denen Gemeinschaft erfahrbar ist und wo Sinnstiftendes für die Gesellschaft, aber auch für sich selbst geleistet wird. Pfarrgemeinderäte und -innen engagieren sich, um Kirche vor Ort zu gestalten und etwas bewegen zu können."

Für das Engagement im PGR ist vor allem die Suche nach gemeinsamen Wegen sowie "Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung" das ausschlaggebende Motiv. Der PGR ist für das kirchliche Leben der Pfarrgemeinden "sehr wichtig", so der Eindruck fast aller Befragten (90 Prozent). Fast genauso viele schätzten, dass hier "für die Kirche am Ort etwas bewegt" wird; 82 Prozent lobten das Mitreden im Sinne von Richtungsentscheidungen. Als wichtigste Aufgaben des PGR wurde nach der Gestaltung und Umsetzung gemeinsamer Projekte die Sorge dafür genannt, "dass die Menschen, die hier leben, die christliche Botschaft spüren" (42 Prozent). 44 Prozent sind im PGR aktiv, "damit der Glaube lebt".

Geht es nach den Befragten, werden gerade die lokalen Strukturen rund um den Kirchturm weiter an Bedeutung gewinnen. Für viele sind sie Orte, an denen Gemeinschaft erfahrbar ist und wo Sinnstiftendes für die Gesellschaft, aber auch für sich selbst geleistet wird. Pfarrgemeinderäte engagieren sich, um Kirche vor Ort zu gestalten und etwas bewegen zu können 

Die Jüngeren und diejenigen, die noch nicht so lange im PGR mitarbeiten, würden ihre Arbeit mehr als Vertreter der Katholiken sehen und wünschten sich den PGR mehr als Entscheidungsgremium. Die Jüngeren hätten auch weniger Freude mit der manchmal etwas mühsamen und ineffizienten Sitzungskultur, räumte Achleitner ein. Jedenfalls brauche es eine Weiterentwicklung der Führungskultur.

82 Prozent schätzen am Pfarrgemeinderat, dass sie "mitreden können". Bei den drei wichtigsten Aufgaben des PGR folgt nach der allgemeinen Aussage "das kirchliche Leben vor Ort gestalten" (70 Prozent) als erste spezielle Aufgabe mit 42 Prozent "dafür zu sorgen, dass die Menschen, die hier leben, die christliche Botschaft spüren". Zwei Drittel erleben es als bereichernd und erfüllend, "Projekte gemeinsam umzusetzen". Gleichzeitig geben 44 Prozent an, das zu tun, damit "der Glaube lebt".

90 Prozent gaben an, dass es ihnen im Pfarrgemeinderat Freude bereitet, etwas "Sinnvolles tun" zu können. Hohe Bedeutung hat die Gestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort (69 Prozent) und mit den Menschen ein Ort zu sein, wo die christliche Botschaft gelebt und vertieft wird (76 Prozent).

Fast 80 Prozent der Befragungsteilnehmer glauben, dass der Pfarrgemeinderat und damit die Bedeutung stark ehrenamtlich getragener Strukturen für die Kirche am Ort zunehmen wird. Drei Viertel der Befragten denken, dass der Pfarrgemeinderat die seelsorgliche Kompetenz weiter ausbauen muss.

Im Rückblick auf die PGR-Periode 2017-22 gaben 82 Prozent der Befragten an, neue Akzente im Bereich "Liturgie. Feste im Jahreskreis" gesetzt zu haben. Neue Akzente gab es auch im Bereich der Verkündigung: "Sakramentenvorbereitung" (73 Prozent) und "Öffentlichkeitsarbeit" (67 Prozent). Dann folgt schon die "Caritas, soziale Themen" mit 60 Prozent. Immerhin 56 Prozent geben an, sicher bedingt auch durch die Corona-Pandemie, Schritte in der digitalen Kommunikation zu setzen und die digitalen Medien auch als Mittel der Verkündigung zu nutzen.

Am 20. März 2022 sind über 4,5 Millionen wahlberechtigte Katholikinnen und Katholiken aufgerufen, eine Funktion in ihrer Pfarrgemeinde zu übernehmen oder wählen zu gehen. Die Pfarrgemeinderäte in der heutigen Form wurden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) eingeführt, um der Mitverantwortung der Laien in der Kirche Ausdruck zu geben. Die ersten Pfarrgemeinderäte wählten die Katholiken 1969 in der Erzdiözese Salzburg und in der Diözese Graz-Seckau.

Weitere Infos: www.pfarrgemeinderat.at