Entlastung in Krisen und schwierigen Lebenssituationen

Die TelefonSeelsorge NÖ zum Weltsuizidpräventionstag 2022

St. Pölten, 10.9.2022 (dsp/mb) Der Weltsuizidpräventionstag am 10. September steht heuer unter dem Motto „Aktiv werden durch Handeln“. Doch wieder sind es erschreckende Zahlen: Im Jahr 2021 gab es in Österreich 1099 Suizide. Davon waren 237 Suizide in Niederösterreich, was einem Anteil von 21,6% aller Suizide in Österreich entspricht. Dreimal mehr Personen verstarben 2021 an Suizid als bei Autounfällen. Das macht betroffen und zeigt, wie wichtig Prävention ist. Die TelefonSeelsorge 142 ist bei Suizidgedanken und Krisen Erstanlaufstelle – sowohl für Menschen, die stark unter Druck stehen und aus ihrer Krise heraus keinen anderen Ausweg sehen, als auch für Personen aus dem Umfeld, die suizidgefährdete Menschen gerne bestmöglich unterstützen wollen.

Seit 2020 hat der Druck, dem sich Menschen ausgesetzt fühlen, stark zugenommen. Zuerst durch die andauernden gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Belastungen der Pandemie. Noch immer entfalten sich global deren Auswirkungen und hinterlassen eine veränderte Welt. Dann, am 24. Februar passierte das für viele Unvorstellbare, ein Krieg brach aus - in Europa. Der Krieg dauert an. Strom, Benzin und Gaspreise, sowie die Lebenshaltungskosten wurden zu Inflationstreibern. Die Welt schien in einen andauernden Krisen-Ausnahmemodus geraten zu sein und gesellschaftlich breitete sich bei vielen ein Gefühl von „rasendem Stillstand“ aus.

Die massiv angestiegene Anzahl der Anrufe bei der TelefonSeelsorge zwischen Februar und September zeigt deutlich an, wie belastend diese Umstände für die Menschen sind. Bei vielen Menschen entstanden Sorgen, Druck, Unruhe und Erschöpfung.

„Viele Anrufende sind in einer aktuellen Krise oder haben Suizidgedanken, weil sie ganz akut nicht weiterwissen. Oftmals sind auch die Menschen im eigenen Umfeld sehr belastet – sodass es nicht möglich ist, dort die nötige Entlastung zu bekommen.“ berichtet Ama Loeschcke, Leiterin der TelefonSeelsorge Niederösterreich. „Wenn Menschen auf Grund von andauernden Belastungen oder Überforderungen daran denken, nicht mehr weiter leben zu wollen, schämen sie sich oft für ihre Gedanken. Und diese Scham verhindert dann, dass sie sich rechtzeitig Unterstützung holen können. Ein anonymes Angebot wie die TelefonSeelsorge, kann dabei helfen, sich auch mit schwierigen Themen wie Suizidgedanken anzuvertrauen.“ berichtet sie weiter. In jeder größeren Gemeinschaft leben Menschen, die daran denken, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber darüber redet man viel zu oft nicht. Doch suizidgefährdete Personen brauchen Menschen, die ihnen zuhören.

Reden hilft dabei Druck abzubauen, Klarheit zu finden und wieder neue Impulse oder Ideen zu finden. Auch wenn in manchen Momenten eine Lebenssituation Verzweiflung und Überforderung hervorruft: Gespräche und das Gefühl, in einer persönlichen Notlage gesehen und ernstgenommen zu werden, helfen und entlasten.

Die TelefonSeelsorge ist unter der Notrufnummer 142 an 365 Tagen im Jahr von
0-24 Uhr telefonisch erreichbar. Das kostenlose Angebot ist an alle Personen gerichtet, die sich in einer verzweifelten Lebenslage Entlastung wünschen. Auch online ist die TelefonSeelsorge erreichbar. Es ist möglich, per E-Mail an die TelefonSeelsorge zu schreiben. Von 16-22 Uhr können außerdem - ohne Voranmeldung - Gespräche im Chat geführt werden.

Im Jahr 2021 gab es österreichweit 160.000 Telefonate mit der Telefonseelsorge (NÖ: 24.856), die von österreichweit über 800 gut ausgebildeten und professionell begleiteten ehrenamtlichen TelefonSeelsorger*innen angenommen wurden (NÖ: 76).

Zuhören, Menschen mit ihren Sorgen nicht alleine lassen, und dabei unterstützen, übermäßigen Druck aus Alltagssituationen wieder heraus zu bekommen, ist gelebte Suizidprävention. Wer diese entlastende Art des Zuhörens vertiefend erlernen und sich danach bei der TelefonSeelsorge NÖ ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich für die ab Jänner 2023 beginnende, kostenlose einjährige Ausbildung bewerben. Aber auch alle anderen Personen können in ihrem Alltag dazu beitragen, dass Menschen, die über Suizid nachdenken, sich wahrgenommen und unterstützt fühlen.

Sie vermuten, dass eine Person überlegt, ihrem Leben ein Ende zu setzen?

Das können Sie tun:

•          Fragen Sie ohne Wertung oder Urteil nach.

z.B. „Wie darf ich das verstehen? Denkst Du manchmal daran Deinem Leben selber ein Ende zu setzen?“ Sie machen mit dieser Frage nichts falsch oder schlimmer – ganz im Gegenteil!

•          Sprechen Sie Suizidalität offen an.

Wenn die Person nicht darüber nachdenkt, wird die Antwort meist kurz und knapp ausfallen:

z.B. „Nein. Den Gedanken habe ich nicht.“

Aber wenn die Person an Suizid denkt, vermitteln Sie mit Ihrer Frage, dass es möglich ist, offen mit Ihnen darüber zu sprechen. Damit ist die Person schon nicht mehr allein.

Menschen mit Suizidgedanken entlastet es, wenn sie erzählen dürfen, wie es ihnen geht.

•          Unterstützen Sie Menschen mit Suizidgedanken dabei, andere Hilfsangebote anzunehmen. Jede Person nimmt etwas Anderes als hilfreich wahr – wichtig ist, dass das Angebot für diese Person passt. Es gibt viele niedrigschwellige Hilfsangebote. Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine starke Entscheidung, für sich selbst einzustehen.

•          Achten Sie gut auf sich selbst. Es kann sehr belastend sein, von suizidalen Gedanken oder Absichten zu erfahren. Wenn Sie merken, dass Sie als unterstützende Person das Gespräch noch lange danach belastet, dass Sie rastlos sind, oder schlecht schlafen, holen Sie sich selbst Unterstützung.

•          Bei allem, was belastend oder schwierig ist:

Oft gibt es trotzdem noch etwas, das trägt, das schön ist, das Hoffnung oder Freude bringt. Es hilft, sich dessen bewusst zu sein, was einen trotzdem noch trägt. Wenn diese Momente der Freude ungetrübt erlebt werden dürfen, dann wird vieles erträglicher. Und mit der Zeit können diese Momente auch wieder länger werden. Jeder noch so kurze Moment der Freude nährt die Hoffnung, dass es auch wieder besser und leichter werden kann.

Kommen Sie ins Handeln, hören Sie zu, wenn Menschen sich anvertrauen wollen. Und erzählen Sie gerne weiter, dass es die TelefonSeelsorge - Notruf 142 gibt, die als erste Ansprechpartnerin in Krisen und Umbruchssituationen da ist, zuhört und entlastet.

Kontakt: TelefonSeelsorge Niederösterreich – Notruf 142 

Website: https://telefonseelsorge.dsp.at

Chat- und Onlineberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

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