1.500 Jahre altes Frauenkloster in Israel entdeckt

St. Pölten, 2.8.2022 (KAP/dsp/mb) Israelische Soldaten haben Reste einer 1.500 Jahre alten Klosteranlage in einem Militärgebiet nordöstlich der israelischen Stadt Schoham wiedergefunden. Sie beschädigten Teile der Stätte bei einem Manöver, wie die israelische Antikenbehörde am Montag mitteilte. Die nach Rettungsgrabungen vor 20 Jahren freigelegte Stätte "Horvat Hani" (Arabisch "Chirbat Burj al-Hanijah") war demnach zum Schutz wieder abgedeckt worden.

Nachdem ein kleiner Teil der Ruinen durch Armeeaktivitäten beschädigt worden sei, habe die Armee die erneute Freilegung der Stätte initiiert, erklärte Grabungsleiter Issi Kornfeld laut Mitteilung. Örtlichen Medienberichten zufolge handelt es sich um eines der ältesten bekannten Klöster in Israel.

Ursprünglich hatten die britischen Forscher Claude Reignier Conder und Horatio Herbert Kitchener den Klosterkomplex bereits im 19. Jahrhundert entdeckt. 1978 und 1983 folgten erste Untersuchungen, bevor der Komplex 2002 in Zusammenhang mit Straßenbauarbeiten unter Leitung der israelischen Archäologen Uzi Dahari und Jechiel Zellinger freigelegt wurde.

Dabei kamen zwei Gebäude zum Vorschein, darunter eine Kirche mit einem farbigen Bodenmosaik, das Szenen aus der Tier- und Pflanzenwelt darstellt. Ferner besteht der wiederentdeckte Komplex laut Mitteilung aus einer Eingangshalle, Schlafsälen, Einsiedlerzellen, einem Turm sowie einer Krypta mit vier Frauenskeletten. Das zweite Gebäude umfasste Küche, Refektorium sowie eine Pilgerherberge.

Auch fand man einen Frauenfriedhof, der laut örtlichen Medienberichten über einen Zeitraum von 1.000 Jahre sowohl für christliche als auch muslimische Frauen genutzt wurde. Das älteste Bauwerk der Stätte ist demnach ein Felsengrab (Arkosol) aus dem dritten Jahrhundert.

Die Archäologen halten für möglich, dass das Kloster an die Begräbnisstätte Hannahs erinnert, die der Bibel zufolge durch göttliches Eingreifen zur Mutter des Propheten Samuel wurde. Die Verbindung zu Hannah könnte aus der Stätte eine Pilgerstätte für Frauen gemacht haben, die auf eine Schwangerschaft hofften.

Nach Angaben der Antikenbehörde kann der Mosaikfußboden der Kirchenruine nach vorheriger Koordination mit der Armee besichtigt werden.