Pro und Kontra - Müssen Problemwölfe abgeschossen werden?

Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten hat in Kooperation mit der NÖN ein wöchentliches Diskussionsformat entwickelt, um gesellschaftliche und soziale Themen von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten. Diese Woche zum Thema: Wölfe kehren in heimische Wälder zurück. Sind Abschüsse bei Problemen nötig? 

PRO: Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich

Der Abschuss von Problemwölfen ist unbedingt notwendig. Der Schutz und die Sicherheit von Mensch und Tier muss absoluten Vorrang haben. Besonders in Gebieten, in denen Herdenschutz nicht durchführbar ist, müssen Problemwölfe entnommen werden. Das Tierleid, das durch Schadrisse entsteht, ist immens.

Der Wolf tötet grausam, weil er am noch lebenden Tier frisst und es erst dadurch tötet. Wenn wir Problemwölfe jetzt nicht entnehmen, werden unsere Almen und Weiden bald nicht mehr bewirtschaftet werden. Zudem geht durch den vom Wolf verursachten Rückgang der Weidehaltung und Almwirtschaft sicherlich mehr Biodiversität verloren als durch dieses Tier jemals gewonnen werden kann.

KONTRA: Christian Pichler, Wolfsexperte der Naturschutzorganisation WWF

Mit der Forderung nach Abschüssen von „Problemwölfen“ will die Politik von eigenen Versäumnissen ablenken. Denn Wölfe können nicht zwischen erlaubter Beute wie Wildtieren und verbotener Beute wie Nutztieren unterscheiden, solange sie nicht von Hirten, Schutzhunden oder Zäunen abgeschreckt werden. Weil Herdenschutz zu wenig gefördert wird, stehen Landwirte mit dieser Aufgabe alleine da. Obwohl Schafe so auch vor viel häufigeren Todesursachen wie Krankheit oder Unwetter geschützt werden können. EU-Fördertöpfe stehen bereit. Es braucht den politischen Willen, um Konflikte nach Vorbild der Schweiz oder von Italien zu reduzieren. Denn Wölfe sind zurückgekommen, um zu bleiben.