Pro und Kontra - Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen?

Grafik (c) Diözese St. Pölten

St. Pölten, 25.6.2021 (DSP/mb) Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten hat in Kooperation mit der NÖN ein wöchentliches Diskussionsformat entwickelt, um verschiedenen Standpunkten zu beleuchten. Diese Woche mit Karl Zwiauer, Primar der Kinder- und Jugendabteilung im Krankenhaus St. Pölten und Christine Saahs, Kinder- und Jugendfachärztin, Leiterin des CoronaZentrums Krems.

Pro: Karl Zwiauer, Primar der Kinder- und Jugendabteilung im Krankenhaus St. Pölten

Kinder und Jugendliche erkranken wesentlich seltener an Covid-19. Aber Sars-CoV2 ist auch für Kinder nicht harmlos. Auch wenn sie seltener und meist leichter erkranken, die Daten der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde zeigen: Bis Anfang Juni 2021 haben sich knapp 60.000 Kinder und Jugendliche in Österreich infiziert. Von Februar 2020 bis März 2021 mussten knapp 850 stationär behandelt werden, 75 davon auf einer Intensivstation!

51 mussten wegen des multisystemischen Entzündungssyndrom intensivmedizinisch behandelt werden, teilweise maschinell beatmet oder hämodialysiert werden. Bisher sind in Österreich fünf Todesfälle an Sars-CoV2 bei Kindern und Jugendlichen gemeldet worden. Auch wenn alle schwere Grunderkrankungen hatten, wären sie geimpft gewesen, wären sie sehr wahrscheinlich nicht an Covid-19 verstorben. Sie scheiden zwar weniger Virus als Erwachsene aus, aber sie scheiden Coronaviren aus. Sie nehmen am Infektionsgeschehen teil, und sie übertragen die Corona-Erkrankung. Je mehr Erwachsene geimpft sein werden, umso mehr werden Kinder und Jugendliche an den neuen Varianten, besonders an der Delta Variante, erkranken.

Eines ist klar: Mittelfristig wird Covid-19 keine Erkrankung der Erwachsenen sein, sondern eine Kinderkrankheit. Die erste Studie bei Kindern und Jugendlichen mit mRNA-Impfstoffen zeigt eine hohe Wirksamkeit von 100 Prozent, die Zahl und Schwere der Impfreaktionen ist mit jener bei jungen Erwachsenen vergleichbar. In den USA und Kanada wurden schon mehr als vier Millionen Kinder zwischen 12 und 15 Jahren geimpft, und die Überwachungssysteme in den USA haben bisher keine anderen Impfreaktionen gezeigt als jene, die von Erwachsenen bekannt sind.

Von WHO, FDA, EMA und anderen Zulassungsbehörden wird die Impfung unter genauer Analyse der beobachteten Ereignisse ab dem Alter von 12 Jahren empfohlen, in Italien und der Schweiz ohne Einschränkungen schon umgesetzt. Kindern und Jugendlichen in Österreich die Impfung vorzuenthalten, widerspricht dem Grundrecht von Kindern: Nämlich ein Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit und medizinischer Behandlung zu haben.

Kontra: Christine Saahs, Kinder- und Jugendfachärztin, Leiterin des CoronaZentrums Krems

Wir wollen wieder frei sein! Das ist der größte Wunsch der Jugendlichen, und das ist auch die größte Motivation, sich impfen zu lassen. In der Praxis wie auch in wissenschaftlichen Studien zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche kein erhöhtes Risiko haben, schwer an Sars-CoV2 zu erkranken. Der Verlauf ist meist milde, häufig sogar asymptomatisch. So sieht es auch die Ständige Impfkommission in Deutschland, die keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgibt. Die Nebenwirkungen der Impfung zeigen ein Altersgefälle: Je jünger, desto häufiger gibt es schwere Nebenwirkungen.

In einer Studie, bei der 1.100 Probanden zwischen 12 und 15 Jahren untersucht wurden, gab es bei 0,4 Prozent schwere Nebenwirkungen – das heißt, über vier Kinder haben schwere Folgen von der Impfung. Dies steht in keinem Verhältnis zum Erkrankungsrisiko. Der Beitrag, den Kinder und Jugendliche durch eine Impfung leisten können, um Risikogruppen zu schützen, ist minimal. Es ist viel effektiver und sinnvoller, wenn sich gefährdete Personen selbst schützen. Auch für die sogenannte Herdenimmunität durch die Impfung spielen Kinder eine untergeordnete Rolle. Es stellt sich aus kinderärztlicher Sicht schnell die Frage, wogegen wollen wir eigentlich impfen – gegen die Covid-Maßnahmen oder um unsere Jugend zu schützen?

Aus meiner Sicht ist es ethisch nicht vertretbar, Kinder und Jugendliche flächendeckend zu impfen! Wir wissen über mRNA-Impfstoffe noch viel zu wenig. Keiner kann sagen, was diese Impfstoffe langfristig bewirken! Das Risiko, schwere Nebenwirkungen auszulösen ist viel zu hoch. Jedes Kind, das davon betroffen ist, ist eines zuviel! Es gibt noch viel zu wenig Untersuchungen darüber, und der Beobachtungszeitraum ist bisher viel zu kurz.

Würden wir uns in ein Flugzeug mit einer bedingten Zulassung setzen? Ja, vermutlich schon, wenn es einen ganz wichtigen Grund dafür gibt. Aber würden wir auch alle unsere Kinder damit auf die Reise schicken? Zusammenfassend kann man aufgrund der derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage sagen: Aus medizinischer Sicht ist derzeit von genereller Durchimpfung von Kindern und Jugendlichen absolut abzuraten!