PRO & KONTRA - Soll die Arbeitswoche auf vier Tage verkürzt werden?

Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten hat in Kooperation mit der NÖN ein wöchentliches Diskussionsformat entwickelt, um gesellschaftliche und soziale Themen von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten. Diese Woche zum Thema: Vor fast 50 Jahren wurde die 40-Stunden-Woche eingeführt. Soll die Arbeitszeit weiter sinken?

PRO: Jörg Flecker, Soziologe mit Forschungsschwerpunkt Arbeitsmarkt an der Universität Wien.

Für eine Vier-Tage-Woche sprechen ihre positiven Wirkungen auf Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele Menschen wünschen sich ein entspannteres Leben. Durch eine Verkürzung der Arbeitszeit wird zudem die hohe Arbeitslosigkeit gesenkt.

Die Corona-Kurzarbeit hat gezeigt, wie effizient eine solche Umverteilung von Arbeit ist. Angesichts der weitergehenden Automation in Produktion und Dienstleistung bleibt das in Zukunft wichtig. Die Vier-Tage-Woche wird also trotz des Widerstands der Arbeitgeberseite kommen. Im 19. Jahrhundert argumentierte man ja auch noch, eine Arbeitszeit von weniger als 15 Stunden am Tag sei wirtschaftlich nicht möglich.

KONTRA: Dénes Kucsera, Ökonom beim Think Tank Agenda Austria mit Forschungsschwerpunkt Arbeitsmarkt

Es spricht nichts dagegen, dass Unternehmen freiwillig die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter verkürzen. Wenn die Produktivität dadurch steigt, werden Unternehmen das ohnehin anbieten.

Wenn die Produktivität aber nicht mithält, wird die Produktion teurer. Entweder zahlen wir dann höhere Preise oder kaufen Produkte aus dem Ausland. Arbeitslosigkeit lässt sich so nicht bekämpfen.

Schon heute haben wir viele offene Stellen, trotz hoher Arbeitslosigkeit. In der jetzigen Phase Arbeitskosten zu erhöhen, wäre ein fatales Signal. Staaten sind noch nie mit weniger Arbeit aus einer Krise gekommen. Besser wäre es hier, neue Arbeitsplätze zu fördern.