PRO & KONTRA: Sind Kryptowährungen eine Alternative für jedermann?

Die Katholische Aktion (KA) der Diözese St. Pölten hat in Kooperation mit der NÖN ein wöchentliches Diskussionsformat entwickelt, um gesellschaftliche und soziale Themen von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten. Diese Woche zum Thema: Bitcoin, Ethereum oder Cardano versprechen Unabhängigkeit bei sehr hohem Spekulationsrisiko.

PRO: Johannes Grill, Präsident des Vereins Bitcoin Austria und Unternehmer im Bereich Bank- und Finanzinformatik

Weltweit steigt die Geldmenge rasant. Seit der Aufkündigung der Goldbindung vor 50 Jahren gibt es keinen Anker mehr in der realen Welt. Die staatlichen Währungen verlieren immer mehr Kaufkraft. Mit Bitcoin steht uns eine Technologie zur Verfügung, die direkten, globalen Eigentumstransfer ermöglicht, ohne auf Dritte angewiesen zu sein.

Eine Technologie, die erstmals allen Menschen einen freien und gleichen Zugang zum globalen Wirtschaftsleben ermöglicht. Eine Technologie, die das knappste Gut in der Geschichte der Menschheit hervorbringt und so auf ganz natürliche Weise immer mehr zum direkten Wertträger und damit Geld wird - eine neue Form von Geld, das sich nicht mehr für politische Zwecke manipulieren lässt.

KONTRA: Beat Weber, Ökonom in der Österreichischen Nationalbank

Krypto-Vehikel wie Bitcoin sind Spekulationsobjekte für Risikofreudige mit enormem Energieverbrauch, aber keine Währungen: Ein bestimmter Krypto-Betrag ist vormittags eine Pizza wert, nachmittags vielleicht zwei oder nur eine halbe. Weil sich der Bitcoin-Kurs laufend ändert, während alle Güterpreise in Euro unverändert bleiben. Lockangebote, irgendwo mit Bitcoin zu zahlen, bleiben deshalb für legale Einkäufe uninteressant.

Das Praktische am Euro ist, dass er überall akzeptiert wird und seinen Wert nicht von heute auf morgen ändert. Habe ich zehn Euro bar oder am Konto, weiß ich mit Sicherheit: Davon kann ich mir ein Mittagessen leisten, ob Pizza oder Leberkäsesemmel, plus ein Gläschen. Das macht eine gute Währung aus.