Pilgern ist beten mit den Füßen

Pilgern ist beten mit den Füßen

Eine Hintergrundgeschichte zum Weltpilgertag am 25. Juli 2021

St. Pölten, 14.7.2021 (dsp/mb) Der Trend zur Bewegung in der Natur ist groß. So wandern viele auf Pilger- und Wanderwegen und machen Erfahrung mit meditativen Gehen. Früher pilgerten nur gläubige Menschen, um ihrem Gott oder ihrem Glauben nahe zu kommen.  Pilgern kann heute ganz verschieden sein. Wer pilgert, unternimmt eine Reise zu einem heiligen Ort. Der Pilger ist dafür mehrere Tage oder gar Wochen unterwegs. Das Pilgern ist in vielen Religionen verbreitet: im Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Heutzutage pilgern auch Menschen, die nichtgläubig sind. Die Gründe dafür können sehr verschieden sein. Die meisten wollen ihren Alltag vergessen, manche eine Entscheidung für die Zukunft treffen, einige trauern um einen Menschen. Egal, aus welchem Grund man sich entschließt, den Ausflug zu machen: nicht das Ziel ist wichtig. Bedeutsam ist der lange Weg, auf dem der Pilger Erfahrungen sammelt und eine Reise zu sich selbst unternimmt.

Woher kommt die Tradition des Pilgerns?

Einer der ersten Pilger war wohl Abraham, der Vater des Christentums, Judentums und Islams. Im Mittelalter wurde das Pilgern groß ausgeübt. Viele christliche Pilger wollten sich so von ihren Sünden befreien. Die großen Pilgerziele waren Rom, Jerusalem und Santiago de Compostelo. Das Pilgern unterlag damals sehr strengen Vorschriften und Regeln.

Pilgern in verschiedenen Religionen

Christentum: Der Jakobsweg

Der Jakobsweg liegt in Europa und hat viele Pilgerwege. Der Weg führt an heilige Stätten vorbei mit dem großen Ziel in Nordspanien. Dort liegen in der Kathedrale in Santiago de Compostela die Knochen des Heiligen Jakobs. Der Jakobsweg ist durch eine Jakobsmuschel gekennzeichnet. Es gibt einen Pilgerpass, der in den verschiedenen Pilgerstätten abgestempelt wird. Wer die letzten 100 Kilometer zu Fuß unterwegs ist und die vollzähligen Stempel hat, bekommt eine Urkunde.

Islam: Die Haddsch

Einmal im Leben sollte jeder Moslem die Pilgerreise nach Mekka angetreten haben – die Haddsch. Das ist eine heilige Pflicht, die im Koran - dem heiligen Buch der Muslime - steht. Die Pilger gehen dann zur Kaaba. Besonders im Ramadan ist der Platz der Kaaba sehr voll. Zu dieser Zeit pilgern über 3 Millionen Muslime aus aller Welt nach Mekka.

Judentum: Wallfahrten nach Jerusalem

Für Juden ist Jerusalem ein heiliger Ort. Die Juden pilgern dort zur Klagemauer. Die Tora - die heilige Schrift der Juden - fordert die Gläubigen auf, während der Wallfahrtsfeste diese Mauer zu besuchen.

Buddhismus: Der Weg Buddhas

Im Buddhismus werden keine Orte als heilig angesehen. Doch auch Buddhisten pilgern an Orte, an denen Buddha tätig war. Der erste Buddha war Siddharta Gaudama. Sein Geburtstort, der Ort seiner Erleuchtung, der erste Ort der Lehre und der Ort, wo er gestorben ist, sind für viele Pilger Ziele.

Hinduismus: Heilige Flüsse

Im Hinduismus gibt es viele Flüsse, Orte und Städte, die heilig sind. Hindus pilgern dorthin und geben Opfergaben dar. Das sind meistens Früchte oder Blumen. Hindus verehren den Ganges, das ist der größte Fluss in Indien. Dorthin pilgern viele Hindus, um sich reinzuwaschen.

Pilgerwege in Niederösterreich

Die Via Sacra von Brunn nach Mariazell

Die Via Sacra besticht vor allem durch ihre Kulturdenkmäler. Prachtbauten wie die Stifte Heiligenkreuz und Lilienfeld, die Basilika Klein-Mariazell und die Wallfahrtskirche Annaberg säumen den Weg. Dazwischen viele kleine Bildstöcke, Kapellen und Kirchen. Die eher leichte Talwanderung von Brunn am Gebirge nach Mariazell, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Mitteleuropas, umfasst rund 120 Kilometer und kann idealerweise in fünf Tagesetappen bewältigt werden. Ausgangspunkt sind jeweils die Kirchen. Wer den Weg abkürzen oder nur ein Teilstück gehen möchte wechselt auf den „Mariazeller Autobus“.

Internationaler Friedensweg nach Jerusalem

Verschiedene Religionen und Kulturen verbindet am Ende ein gemeinsames Ziel. Die heilige Stadt Jerusalem ist Schnittpunkt der Weltreligionen und die Brücke zum himmlischen Jerusalem. In jedem von uns, in unseren Herzen. Der Jerusalemweg ist der längste Friedensweg der Welt mit seinem Ausgangspunkt in Finistere. Entlang der Stifte Melk und Göttweig führt er durch die Diözese St. Pölten und vorbei an drei Friedenstauben-Skulpturen in Neustadtl (Nadlingerhof), Krems (im Bereich der Tourismus-Info) und Spitz (Rollfähre-Anlegestelle). Nähere Infos unter www.jerusalemway.org 

Der Wiener Wallfahrerweg für sportliche Pilger

Der Wiener Wallfahrerweg ist auf rund 110 Kilometern die sportliche Variante auf der alten Römerstraße Via Sacra nach Mariazell. Der Weg, für den sich Pilger etwa vier bis fünf Tage Zeit nehmen sollten, beginnt in Perchtoldsdorf und zweigt bei Kaumberg in den alpineren Süden ab. Auf ruhigen Wald- und Wiesengebieten entdeckt man schnell die kleinen, oft übersehenen Wunder der Natur und findet zu neuer, innerer Kraft.

Pilgern durch das Tal der Dirndln am Pielachtaler Pilgerweg

Zu den landschaftlich schönsten und spirituell anregenden Pilgerwege im Mostviertel zählt der Pielachtaler Pilgerweg. Er erstreckt sich auf 80 Kilometern von St. Pölten durch das Pielachtal bis nach Mariazell. Auf dem Weg durch das für seine Dirndln (= Kornelkirschen) bekannte Tal erleben Sie, wie die sanften Hügel des Voralpenlandes allmählich an Höhe gewinnen und schließlich gegen die breiten Schultern des Ötschers branden. Zahlreiche interessante Sakralbauten säumen den Weg.

Der Franziskusweg im südlichen Weinviertel

Pure Entschleunigung finden Pilger auch auf dem rund 135 Kilometer langen Franziskusweg, der durch die vielfältig bewirtschaftete Landschaft des südlichen Weinviertels führt. „Aus- und Einstiegsmöglichkeiten“ gibt es in 28 Orten, Stempel für den persönlichen Pilgerpass liegen in den Kirchen am Weg auf.

Der Weg ist das Ziel: Jakobsweg im Weinviertel

Genussvolle Gelassenheit erleben Pilger am 153 Kilometer langen, gut beschilderten Jakobsweg Weinviertel, der von Drasenhofen bis nach Krems an der Donau führt. Die Weite der Landschaft, malerische Weingärten und idyllische Kellergassen helfen den Alltag hinter sich zu lassen. Geschichte, Brauchtum und Religion lassen sich am Jakobsweg Weinviertel typisch und authentisch erleben. Tipp: Lassen Sie Ihren Tag mit einem Glas Wein bei einem der zahlreichen Heurigenbetriebe im Weinviertel ausklingen!

Der Jakobsweg von Wien durch Niederösterreich

Bereits seit dem Mittelalter führt der Jakobsweg Pilger nach Santiago de Compostela zum Grabmahl des Hl. Jakob. Von Hainburg ausgehend führt der Weg auf den Spuren der von den Römern erbauten Donaulimesstraße von Ost nach West durch Niederösterreich. Auf rund 200 Kilometern lassen die Natur sowie historische Denkmäler wie Stift Göttweig, Stift Melk, die Basilika Maria Taferl und die Stiftskirche Ardagger Pilger innehalten und zu sich selbst finden.

Klemens Maria Hofbauer – Pilgerweg

Auf den Spuren von Klemens Maria Hofbauer gelangen die Pilger ausgehend von seinem Geburtsort Tasovice über Retz und Eggenburg bis in die Bundeshauptstadt Wien. Entlang des Weges informieren 28 Tafeln über das Leben und Wirken des Heiligen.

Am Lebensweg durchs Waldviertel

Am Waldviertler Lebensweg wandert man durch das eigene Leben. Entlang der 260 Kilometer wird man nicht nur von der Schönheit der Region, sondern auch von Anleitungen begleitet, die einen bewusst mit dem eigenen Leben – von der Geburt bis zum Tod – auseinandersetzen lassen. Spannende 13 Etappen warten auf Kondition und Seele.

Pilgerwege durch Niederösterreich: niederoesterreich.at/pilgern