Leichtfried neuer "Kirchlicher Protektor" des Pius-Parsch-Instituts

St. Pölten, 11.2.2021 (dsp/mb) Der Päpstliche Delegat für das Stift Klosterneuburg, Bischof Josef Clemens, hat die Funktion des "kirchlichen Protektors" für das Pius-Parsch-Institut und die Liturgiewissenschaftliche Gesellschaft Klosterneuburg neu geregelt. Mit Jänner 2021 übernahm der Liturgiereferent der Österreichischen Bischofskonferenz, der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried, diese Funktion in der Nachfolge des Altpropstes von Klosterneuburg, Bernhard Backovsky, wie das Institut mitteilte.

Dem "Kirchlichen Protektor" kommt ein übergeordnetes Aufsichtsrecht für die Ausrichtung des Instituts zu. Zugleich ist er als oberster Repräsentant der Förderer der Anliegen, die das Institut zur Auswertung und Weiterführung des liturgietheologischen Erbes von Pius Parsch wissenschaftlich wie auch pastoral verfolgt.

Online-Symposion am 22. Februar

Die Theologie von Pius Parsch steht im Fokus des vierten Liturgiewissenschaftlichen Symposions von 22. bis 24. Februar im Stift Klosterneuburg, das allerdings coronabedingt nur online stattfinden kann. Namhafte Expertinnen und Experten aus dem deutschsprachigen Raum referieren zu bisher weniger bekannten Aspekten des Wirkens und Denkens von Pius Parsch. Den Festvortrag hält der deutsch-italienische Liturgiewissenschaftler und Pius-Parsch-Preisträger (2018) Marco Benini. Er geht unter dem Titel "Große Entdeckung: Die Bibel ist sakramental" der Frage nach der Wort-Gottes-Theologie von Parsch nach. Eine kostenlose Anmeldung zum Symposion ist noch bis 17. Februar möglich. (Infos: www.pius-parch-institut.at)

Liturgie-Pionier Pius Parsch

Der Klosterneuburger Chorherr und Liturgie-Pionier Pius Parsch (1884-1954) war neben Romano Guardini und Odo Casel einer der bedeutenden und international wirksamen Wegbereiter der Liturgischen Bewegung. Sein Wirken, das er ab den 1920er-Jahren entfaltete, beeinflusste über Österreich hinaus wesentlich die große Liturgiereform in der katholischen Kirche, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) beschlossen wurde. Seine Werke, darunter auch der "Klassiker" der Liturgischen Bewegung: "Volksliturgie - ihr Sinn und Umfang", wurden in 17 Sprachen veröffentlicht und erschienen in Millionenauflagen.

Parsch hielt 1922 die erste "Gemeinschaftsmesse" in der Klosterneuburger Kirche St. Gertrud und begründete in der Folge die "Liturgische Gemeinde" von St. Gertrud sowie das

"Volksliturgische Apostolat Klosterneuburg". Bei den Gemeinschaftsmessen in St. Gertrud wurden Teile der Messfeier vom Volk in deutscher Sprache gesungen ("Betsingmesse"), der Zelebrant feierte erstmals der Gemeinde zugewandt ("Volksaltar") und die Vielfalt der liturgischen Rollen wurde neu entdeckt.

Parsch wollte damit nicht nur die "aktive Teilnahme" aller Mitfeiernden erreichen, sondern vor allem das Liturgieverständnis aus der eigentlichen theologischen Sinnmitte heraus sichtbar machen. Diese Feiern gelten als die Geburtsstunde der liturgischen Bewegung in Österreich, hatten aber auch eine wachsende internationale Ausstrahlung. Die Kirche St. Gertrud gilt als die "Wiege der Volksliturgischen Bewegung".

Ab 1926 gab der Chorherr die Zeitschrift "Bibel und Liturgie" heraus und gab der Liturgischen Bewegung ihre spezifisch österreichische Ausprägung, die die Bedeutung der Bibel für den Gottesdienst besonders betont. Es folgten Jahre ausgedehnter Vortragstätigkeit und liturgischer Studientagungen, bis er 1933 den Durchbruch der "Betsingmesse" beim Katholikentag in Wien erleben konnte. Damit kam die Liturgische Bewegung an ihr eigentliches Ziel: die Basis der konkreten Gemeinde in den Pfarren.

Nachdem die Nazis 1938 sein volksliturgisches Zentrum St. Gertrud und 1941 das Stift Klosterneuburg aufgehoben hatten, ging Parsch als Seelsorger in die Wiener Pfarre Floridsdorf. 1946 zurückgekehrt, wechselte er als Professor von der Pastoraltheologie zur neutestamentli- chen Bibelwissenschaft und gründete 1950 das "Klosterneuburger Bibelapostolat", aus dem später das "Österreichische Katholische Bibelwerk" hervorging.

Sein liturgisches Erbe lebt heute weiter im "Pius-Parsch-Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie" in Klosterneuburg. Das Institut, das vom Klosterneuburger Chorherren Prof. Andreas Redtenbacher geleitet wird, sieht es als seine Aufgabe, das Erbe von Parsch auch heute für die gottesdienstliche Praxis und die Liturgiewissenschaft fruchtbar zu machen. Die Parsch-Forschung hat den Pionier der Bewegung vor allem als Liturgietheologen wieder neu entdeckt und neu erschlossen. 

Infos: www.pius-parsch-institut.at