Kremser Priester und Afrika-Missionar Helmut Buchegger im Portrait

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Krems, St. Pölten (MIVA/DSP/mb) Mehr als 23 Jahre war das langjährige MIVA-Kuratoriumsmitglied Helmut Buchegger als Priester und Missionar in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Sowohl an Land, als auch in der Luft war der heute 82-jährige als Brückenbauer zwischen den „Lebenswelten“ unterwegs, um den dortigen Menschen zu helfen. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit und den vielen hautnahen Erfahrungen, weiß der pensionierte Priester der Stadtpfarre Krems-St. Veit daher ganz besonders den hohen Stellenwert der Mobilität zu schätzen. In seinem im Verlag Bibliothek der Provinz (ISBN 978-3-99028-995-2) eben erschienenen Buch „Wenn der Fisch im Wasser weint…“, gibt er dazu Einblicke in sein Leben.

Herr Buchegger, Sie waren ein knappes Vierteljahrhundert auf Mission. Welche Herausforderungen sind Ihnen noch in besonderer Erinnerung?

So eigenartig es klingen mag, die Straßenverhältnisse sind bei der Ankunft meist das erste Thema. Hunderte Kilometer von einer Stadt in die andere gibt es unbefestigte und schlechte Straßen, in der Regenzeit zusätzlich mit tiefen Löchern und lehmiger, rutschiger Fahrbahn. Zu den Buschdörfern gibt es oft überhaupt nur Wege, verwachsen und mit unsicheren Brücken. Als Gegensatz dazu ist überall die Herzlichkeit der Menschen zu spüren, die einen auch in fordernden Zeiten ermutigt und viel Kraft gibt.

Sie waren in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Wie unterscheidet sich das Land von Österreich?

Gleich vorweg: der Kulturschock ist größer wenn man nach einiger Zeit wieder zurück in die Heimat kommt. Es gibt bis heute weder eine flächendeckende Strom- oder Telefonversorgung, noch einen Zugang zum Internet oder zu fließendem Wasser, mit Ausnahme von einigen größeren Städten. Das Land ist ungefähr siebeneinhalb Mal so groß wie Österreich und zählt nur 4 Millionen Einwohner. Es sind große Entfernungen zurückzulegen, wobei es nur rund 650 Kilometer asphaltierte Straßen gibt. Bei dem subtropischen „Waschküchenklima“ ist man für einen Einkauf in der Hauptstadt oftmals mehrere Tage unterwegs. Nicht viel für afrikanische Verhältnisse, für uns in Niederösterreich jedoch völlig unvorstellbar.

Wie kam es dazu, dass Sie Missionar wurden?

Das Interesse dafür wurde in meiner Kinder- und Jugendzeit geweckt. Fremde Länder, vor allem Afrika, haben mich schon immer fasziniert. Nach dem Abschluss des Priesterseminars und fünfjähriger Tätigkeit als Kaplan in der Diözese St. Pölten erhielt ich 1972 vom damaligen Bischof Dr. Franz Zak die gewünschte Freistellung für die Mission. Schon in der Zeit der Vorbereitung hatte ich Kontakt mit Bischof Maanicus in Zentralafrika, der mich bat, wenn möglich ein Fahrzeug mitzubringen. So kam ich mit dem damaligen MIVA-Gründer Karl Kumpfmüller in Kontakt. Bei der Finanzierung half auch die Diözese St. Pölten mit, so dass ich bereits ein Jahr später mit dem MIVA Fahrzeug, verladen auf einem Cargo-Schiff, von Rouen nach Douala aufbrechen konnte. Dieses Auto war später in der Diözese Bangassou im Einsatz.

Und es sollten insgesamt fast 24 Jahre in Zentralafrika werden.

Ich war in zwei Etappen in der Zentralafrikanischen Republik. Nach dem ersten Einsatz kehrte ich 1982 nach Österreich zurück, war 13 Jahre Pfarrer in der Stadtpfarrkirche Krems-St. Veit und entschied mich 1997 zu einem zweiten Einsatz für 14 Jahre. Es waren glückliche und erfüllte Jahre, geprägt von pastoraler Tätigkeit aber auch konkreter Hilfe für die Bevölkerung durch Bauten für den öffentlichen und kirchlichen Dienst. Trotz einiger Bedenken leistete ich mir 1993 den Luxus und machte den Piloten-schein. Im Rückblick war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Als ich dem afrikanischen Bischof davon erzählte, war er ganz begeistert, weil inzwischen die zwei Diözesen Bambari und Bangassou (etwa 300.000 km² Ausdehnung) ein Flugzeug kauften, das von holländischen „Piloten ohne Grenzen“ geflogen wurde. Natürlich waren sie manchmal krank, machten Urlaub, oder wurden bei politisch unsicherer Lage abgezogen, so dass der Flieger am Boden blieb. Ein zusätzlicher Pilot könnte solche Ausfälle verhindern, meinte er. So packe ich mit 57 Jahren und nach dreizehn-jähriger Priestertätigkeit in der Stadt-pfarrkirche Krems-St. Veit meine Koffer und startete in der „dritten Jugendphase“ zum zweiten Missionseinsatz. Mit dem Flieger sollte ich fast 2000 Stunden in der Luft sein.

Aber nicht nur als fliegender Priester waren sie im Einsatz, auch die Mobilität in den ärmsten Regionen unserer Welt lag Ihnen besonders am Herzen.

Ich habe erfahren, wie wichtig Mobilität in armen Ländern ist. Wird der Kontakt mit den Gemeinden – die oft weit voneinander entfernt sind – aufrechterhalten, dann dient dies der Seelsorge, der Gesundheit und der konkreten Hilfe. Bei uns haben wir einen Überfluss an Straßenverkehr, denn Mobilität ist in Europa absolut normal und selbst für kürzere Strecken nehmen wir ein Fahrzeug. Geben wir als Dank und aus Solidarität einen Beitrag und helfen wir so den Ärmsten in anderen Ländern. Im Juli, zum Festtag des Schutzpatrons der Reisenden, des Heiligen Christophorus, bittet die MIVA jährlich alle Autofahrer und Autofahrerinnen um einen „ZehntelCent“ pro unfallfrei gefahrenen Kilometer, damit für die Arbeit in armen Ländern ein MIVA-Fahrzeug gekauft werden kann. In meinem gesamten Missionsdienst konnte ich in Summe fünf Überstellungsfahrten von Österreich nach Zentralafrika durchführen. Die Übergabe am Zielort war jedes Mal ein Fest voll Freude und Dankbarkeit. Denn ein MIVA-Auto ist eine Hilfe für alle.

Hilfe aus Österreich in die weite Welt

Die MIVA ist ein Hilfswerk der katholischen Kirche und finanziert durch Spenden Fahrzeuge für pastorale, soziale und medizinische Einsätze in aller Welt. Je nach Bedarf PKW oder Geländewagen, Motorräder, Fahrräder, Traktoren, landwirtschaftliche Geräte, fallweise auch Boote oder kleine Schiffe, Rollstühle und Lasttiere. Pro Jahr erreichen die MIVA-Zentrale in Stadl-Paura in Oberösterreich weit über eintausend Ansuchen aus aller Welt. Zwischen 300 und 400 Projekte können weltweit unterstützt werden. Mehr Infos unter www.miva.at