Krankenseelsorge - eine große Herausforderung in der Corona-Pandemie

Christiane Schalk im Interview © Martina Bender

St. Pölten, 12.5.2021 (dsp/mb) Im Gespräch mit Christiane Schalk, Referentin der Krankenseelsorge der Diözese St. Pölten, wird deutlich, wie fordernd die derzeitige Pandemie für Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige ist. Denn immer abhängig vom Wunsch und des Bedürfnisses des Patienten sind die Seelsorger in den Krankenhäusern im Einsatz. Christiane Schalk, Referentin für Krankenseelsorge der Diözese St. Pölten schildert über das Weinen, den Tod und den Weg zu Gott.

„Seit Beginn der Pandemie leisten Ärzte und das gesamte Personal in den Krankenhäusern gewaltiges. Doch der Blick zeigt, dass auch die Seelsorge alle Hände voll zu tun hat. Das Angebot gibt es, ob der Patient dieses Angebot annimmt, bestimmt der Patient selbst“, so  Christiane Schalk.

Wie hat sich die Seelsorge durch Corona verändert?

„Der Fokus liegt jetzt noch mehr neben den Patienten auch auf dem Personal und den Familienmitgliedern. Es ergeben sich viele Gespräche, aber nicht auf die klassische Weise durch Terminvereinbarung. Sondern auf dem Gang.“

Muss man katholisch sein, um von Krankenseelsorgern besucht zu werden?

„Nein, wir besuchen alle und begleiten auch, wenn die Patienten andere Religionen haben. Natürlich immer vorausgesetzt, die Menschen sind einverstanden.“

Wie schaut der Alltag in der Seelsorge aus?

„Unser Alltag ist geprägt von Besuchen bei Patientinnen und Patienten und Gesprächen mit dem Personal, aber immer wieder anders. Ich mag das sehr. Grundsätzlich natürlich sind wir da, wenn es an die Grenzen des Lebens geht.“

Blick auf die Intensivstationen: Wie viel spüren Menschen?

„Nach Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen, die dort arbeiten, gibt es durchaus Patienten im Tiefschlaf, die auf unsere Besuche reagieren. Nicht im Gespräch, aber man kann durchaus Entspannung beobachten. Ich hatte selbst einen Patienten mit sehr hoher Morphindosis, der das Vater Unser mitgebetet hat. Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt.“

Gibt es die Angst vor dem Tod und was erwartet uns danach?

"Eine schwierige Frage – ich denke, einerseits werden wir uns alle fürchten, andererseits gibt es einen Punkt vor dem Sterben, wo es eine Art von innerer Zustimmung gibt. Und wir müssen uns überraschen lassen. Ich hab einen tiefes Vertrauen, dass es gut wird. Und im Letzten wissen wir es nicht, was dann sein wird.“ 

Wie erden Sie sich?

"Familie, Garten und Natur sind mir sehr wichtig. Wenn es für mich sehr viel ist und junge Patienten sterben, dann muss ich beten – auch einmal nur alleine in der Kapelle." 

Kann man dann noch weinen?

„Weinen kann man immer, auch mit den Patientinnen und Patienten. Aber unser Weg ist die Begleitung, wir sind Stütze für den Patienten und grundsätzlich dazu da, um mitzugehen und zu stärken. Es ist ein anderer Fokus.“

Finden manche Menschen durch die Seelsorge im Krankenhaus den Weg zu Gott?

"Spiritualität ist immer ein Thema. Aber wir müssen das nicht zum Patienten bringen, es ist im Menschen selbst drinnen. Fast jeder Mensch hat eine Erfahrung: Es gibt etwas, was das Leben trägt - auch wenn wir verschiedene Worte dafür verwenden. Ganz echte Atheisten gibt es nur wenige. Aber auch sie haben verständliche Lebensgeschichten, etwa wie ein Notarzt, der schon so viele Motorradfahrer am Boden liegen sah. Ich als Christin sage, es gibt Gott und wir als Kirche haben tragende Antworten. Und in der Seelsorge begleiten wir, aber wir missionieren nicht.“ 

Wir sagen auf diesem Wege DANKE allen Ärzten, Pflegekräften und Seelsorgern, die in dieser Zeit selbst dem Corona-Virus ausgesetzt rund um die Uhr ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen.