Katharina von Siena – Lehrerin der Wahrheit und der Liebe

St. Pölten, 29.4.2021 (dsp/mb) Am 29. April ist der liturgische Festtag einer großen Frau der Kirche: der hl. Katharina von Siena (1347-1380). Sie ist Patronin der Stadt Rom, Patronin Italiens (gemeinsam mit dem hl. Franziskus), Mitpatronin Europas und seit 1970 (mit Teresa von Àvila) die erste Frau mit dem Titel einer Kirchenlehrerin. Eine Auszeichnung, die ihr – neben der persönlichen Heiligkeit – aufgrund der herausragenden Lehre ihrer Werke (dem „Dialog“, den über 380 erhaltenen Briefen und den 25 Gebeten) verliehen wurde und zuletzt auch der Stellungnahme der Päpste zu verdanken ist, die – wie der heilige Papst Johannes Paul II. anmerkt – bereits in den Jahrhunderten zuvor „einmütig ihre immerwährende Aktualität gepriesen haben“.

Diese Hochschätzung reicht zurück bis zu jenen „Statthaltern Christi“, mit denen Katharina zu ihren Lebzeiten in Verbindung war: Ihre riskante Entsendung als Friedensvermittlerin in das aufrührerische Florenz kommentierte Gregor XI. mit den Worten: „Ihr werden sie nichts antun, zum einen, weil sie eine Frau ist, aber auch, weil sie Respekt vor ihr haben“; und als sie ein Jahr später in Rom nach Ausbruch des großen Abendländischen Schismas von Urban VI. eingeladen wurde, vor den verängstigten neuen Kardinälen zu sprechen, sagte er anschließend: „Diese schwache Frau beschämt uns alle … Während wir zittern, macht sie uns Mut und stärkt uns mit ihren überzeugenden Worten.“

Inzwischen sind über 600 Jahre vergangen. Ihr Mut, ihr Beispiel und ihre überzeugenden Worte aber leben weiter bis zum heutigen Tag. Als Lehrerin der Kirche und Patronin Europas möchte sie den Menschen sagen, dass Gott sie aus Liebe und für die Liebe geschaffen hat, dass sie daher Liebende werden müssen und dass das einzige Hindernis dabei die Eigenliebe ist, die maßlose Anhänglichkeit an das eigene Ich. Nur wenn der Mensch sich mit seinem Schöpfer vereinigt, erhält er Anteil an den göttlichen Eigenschaften: Liebe, Wahrheit und Weisheit. Nur wenn der Mensch Gott liebt, wird er auch fähig, den Nächsten zu lieben. 

Katharinas Fürbitte galt allen Menschen. Gott selbst hatte sie gelehrt, dass man „das Netz der Sehnsucht“ weit auswerfen muss, um damit alle einzuholen. Die Ehre Gottes und das Heil der Seelen, das war das Grundmotiv ihres Tuns – aber dazu benötigte sie kein eigenes Amt. Ihr Amt war das Dienstamt, so wie es Christus seinen Aposteln vorgelebt hat bei der Fußwaschung im Abendmahlssaal. Die Priester nannte sie daher stets „Diener“: „Diener Gottes“ bzw. „Diener des Blutes“ (d.h. der Sakramente). Sich selbst aber bezeichnete sie nur als „Dienerin und Magd der Diener Jesu Christi“. Mit dieser Selbstbezeichnung begann sie alle ihre Briefe. 

Katharina wird gerne als Frau dargestellt, „die in der Kirche nicht schwieg“, die sich nicht scheute, Missstände zu benennen und Veränderungen einzufordern. Aber ihre Ermahnung geschah aus Liebe zur Kirche, wobei sie sich selbst miteinbezog: „Ich glaube, dass meine Sünden die Ursache sind für die vielen Übel“, schrieb sie mehrmals in ihren Briefen. Katharina litt nicht an der Kirche, sondern mit deren Wunden. Sie tadelte die Sünder, aber niemals das Amt. Ehe sie mit 33 Jahren im Rom starb, hatte sie bereits Wochen zuvor in einer Vision ihren Tod vorausgesehen: Nach der Bereitschaft, ihr Leben zu opfern, bemerkte sie, wie Gott ihr das Herz aus der Brust entnahm und in seiner Hand über der Kirche zerdrückte. 

Heute wird Katharina von verschiedenen Institutionen als Vorbild genommen, als Patronin oder als Weggefährtin. Eine Online-Katharinenfeier veranstaltet die Katholische Frauenbewegung der Diözese St. Pölten am 29. April 2021 um 19 Uhr.

Eine Auswahl ihrer Texte bietet: Caterina von Siena und ihre Theologie. Eine Blütenlese, Verlag St. Josef, Kleinhain 2020, ISBN 978-3-901853-42-5, EUR 32,50.

Autor: Mag. Werner Schmid