Drei Preisträger 2021 der Papst-Leo-Stiftung

Papst-Leo-Stiftung

St. Pölten, 31.5.2021 (dsp/mb) Seit 1987 vergibt die Papst-Leo-Stiftung in zweijährigem Abstand Preise für besondere Verdienste um die Kath. Soziallehre. Die Preise 2021 erhalten Betriebsseelsorger Josef Gruber aus St. Pölten, Missions-Schwester Karina Beneder aus Zwettl und  Josef Mautner aus Salzburg. Die Preise sind mit je € 2.000 Euro dotiert. Die Überreichung der Preise erfolgt am 10. Juni 2021 um 19 Uhr in der Bibliothek des Stiftes Altenburg im Rahmen eines Festaktes durch Bischof Dr. Alois Schwarz.

Die drei Preisträger und ihre Projekte

Josef Gruber bedeutet Betriebsseelsorge einerseits ein Hingehen zu den arbeitenden Menschen und zu denen, die sich für deren Rechte einsetzen, wie Betriebsräte und Gewerkschafter, andererseits ein Einladen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen sowie Begegnungsmöglichkeiten und ein Ermutigen der Menschen in der Arbeitswelt zum eigenen Engagement und zum Leben ihres Glaubens.
Josef Gruber wurde 1990 vom damaligen St. Pöltner Bischof Dr. Franz Žak mit den Aufgaben eines Betriebsseelsorgers in St. Pölten betraut. Um die Arbeitswelt kennenzulernen, ging der studierte Theologe zuerst einmal als Hilfsarbeiter in eine Fabrik. Hingehen zu den Arbeitern, das war sein Ziel. Er stellte fest, dass es eine Kluft zwischen Arbeitern und Angestellten, zwischen unten und oben, aber auch zwischen Ausländern und Inländern gab und auch heute noch immer gibt. Das Team der BS organisierte  zahlreiche sozialpolitische Veranstaltungen, Bibelgesprächsrunden, die völkerverbindenden „Feste der Begegnungen“, Exkursionen und Heurige. Vielen arbeitsuchenden und notleidenden Menschen konnte geholfen werden, vor allem auch Asylwerbern und MigrantInnen. Wenn Gruber heute mit Arbeitnehmern in einem Betrieb ins Gespräch kommt, geht es ihm vor allem darum, offen zu sein und zuzuhören. „Es sind oft finanzielle Probleme oder Probleme mit der Wohnung, die man sich nicht mehr leisten kann, aber auch Probleme mit der Arbeitsplatzsuche, vor allem bei Menschen, die nur die Chance haben, in Leiharbeit unterzukommen“, erzählt Gruber. Neben seinem Einsatz für Menschen in Not und Flüchtlingen sucht er aber auch immer den Dialog zwischen den Kulturen, z. B. mit den „Multi-Kulti-Festen“. Begonnen hat es vor 30 Jahren mit „Multi-Kulti-Camps“. Es folgten kleinere interkulturelle Feste in St. Pölten, bis Gruber schließlich 2004 am Rathausplatz das erste „Fest der Begegnung“ organisierte. Dieses „Fest der Begegnung“ bringe Menschen bei gemeinsamem Essen, Feiern und Tanzen zusammen. 2021 wird das Fest in den St. Pöltner Stadtpark verlegt und an die Stadtgemeinde St. Pölten übergeben. 

Schwester Karina Beneder wurde der Preis für die von ihr geschaffenen Projekte in Peru und Ghana, aber auch wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz ausgezeichnet. Die mittlerweile 55-jährige Franziskanerin war erst 16 Jahre alt, als sie in Amstetten in den Orden eintrat.
Seit 1989 ist sie in Zwettl tätig, vor allem bei ihren Einsätzen in Ghana beziehungsweise Lima hat sie jedoch sehr intensiv erlebt, was es bedeutet, Franziskanerin zu sein. Eines ihrer Projekte ist der Bau einer Partnerschule im Norden von Peru. Die Schule mit ihren 22 Klassen könnte noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. In Zwettl hat sie eine Aktion gestartet, damit die Menschen in Lima während der Corona-Pandemie Sauerstoff und Essen erhalten. Schwester Karina Beneder wird mit dem Papst-Leo-Preis für die von ihr geschaffenen Projekte in Peru und Ghana, aber auch wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz ausgezeichnet. Eines ihrer Projekte ist der Bau einer Partnerschule im Norden von Peru. Baubeginn war 2013, die Schule umfasst 22 Klassen und könnte noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. In Zwettl hat sie eine Aktion gestartet, um in Zeiten der Corona-Pandemie Menschen in Lima mit Sauerstoff und Essen zu versorgen. Außerdem sammelt sie zum dritten Mal Medikamentenspenden für die peruanische Hauptstadt. Aber auch in Ghana half sie mit, ein Waisenhaus zu bauen. Daneben hat sie ein Umweltbuch vom Spanischen ins Deutsche übersetzt, das mittlerweile in mehreren Sprachen erschienen ist. Außerdem unterstützt Schwester Karina in Ghana und Peru Studenten, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. 

Josef Mautner erhält den Preis für sein Lebenswerk rund um die Umsetzung der Katholischen Soziallehre in der praktischen Lebensrealität.
Er war von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2020 Geschäftsführer des Bereichs „Gemeinde und Arbeitswelt“ in der Katholischen Aktion Salzburg und Bereichsgeschäftsführer für die Gliederungen KFB, KMB, Kirche und Arbeitswelt mit dem ArbeiterInnenbegegnungszentrum ABZ und der Aktion Leben. Mautner ist es zu verdanken, dass die Katholische Kirche einen wichtigen Stellenwert in der Salzburger Menschenrechts-Szene einnimmt und somit die Ideen der Katholischen Soziallehre auch einem kirchenfernen bis kirchenkritischen Personenkreis vermittelt werden und in die praktische Arbeit verschiedenster Organisationen einfließen. Inhaltliche Schwerpunkte waren insbesondere das Engagement für Geflüchtete und für Notreisende sowie der interreligiöse Dialog. Als Experte für regionale Menschenrechtsarbeit und als Proponent der Katholischen Soziallehre hat er an der Theologischen Fakultät vielen Studierenden neue Horizonte  erschlossen und sich in ganz Österreich und im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. 

Die Überreichung der Preise erfolgt am 10. Juni 2021 um 19 Uhr in der Bibliothek des Stiftes Altenburg durch Bischof Dr. Alois Schwarz im Rahmen eines Festaktes, an dem auch der Präsident des NÖ Landtages Karl Wilfing in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner teilnehmen wird.

Die bisherigen 37 Preisträger:

1987: Innungsmeister Josef Lins (Vlbg.) für das in seinem Betrieb erfolgreich praktizierte Modell einer Mitarbeiterbeteiligung;

1988: Die Schuhwerkstatt Schrems (NÖ) als Experiment einer Arbeitnehmer-Selbstverwaltung jugendlicher Arbeitsloser in einem wirtschaftlichen Problemgebiet;

1989: Sr. Maria Herlinde Moises (Slzbg.) für ihren Einsatz als Missionsschwester und Entwicklungshelferin in Kolumbien mit starkem gesellschaftspolitischem Engagement;

1990: Mag. Karl Rottenschlager (NÖ) für die Gründung und Leitung der Emmausgemeinschaft, die sich um die gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung Haftentlassener, Nichtsesshafter sowie Alkohol- und Drogenabhängiger annimmt;

1991: Landesrat Liese Prokop (NÖ) für ihre Bemühungen um die Familien, insbesondere für die Einführung der NÖ Familienhilfe, und Univ.-Prof. P. Dr. Johannes Schasching SJ (Rom – Wien) für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Kath. Soziallehre und seine Lehrtätigkeit im In- und Ausland;

1993: Hans Riedler (OÖ) als Obmann des Vereines „Arbeitsloseninitiative B7“ für die Bemühungen um die Wiedereingliederung von vor allem jugendlichen Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsprozess im Raume Linz, und Ing. Friedrich Walterskirchen (NÖ) für seine Privataktion, Gebrauchtwerkzeuge zu sammeln und Lehrwerkstätten und Dorfgemeinschaften in Tanzania zur Verfügung zu stellen; 

1995: Josef Bechtold (Vlbg.) als Betriebsleiter des Strumpferzeugers Ölz für die in diesem Betrieb erfolgreich umgesetzte Mitarbeiterbeteiligung, und Dolores Bauer (Wien) als Obfrau des Vereines „Solidarität mit Lateinamerika“ für die soziale, kulturelle, materielle und politische Unterstützung südamerikanischer Gewerkschaftseinrichtungen;

1997: OSR Ingeborg Lentschig und OSR Klaudia Mayer (NÖ) als Obfrauen der „Aktion Lettland“ für Hilfstransporte nach Lettland und Bildungsinitiativen für lettische Multiplikatoren, und Manfred Strutzenberger (OÖ) als Vorsitzender der „ARGE ARMUT“ für Initiativen für soziale Gerechtigkeit und gegen Armut im In- und Ausland;

1999: Landtagspräsident Mag. Edmund Freibauer (NÖ) für das von ihm konzipierte NÖ Wohnbauförderungsgesetz nach sozialen und familienpolitischen Kriterien, und Professor Dr. Dr. Johannes Michael Schnarrer (Wien) für seine Bemühungen um die Kath. Soziallehre in Wissenschaft und Publizistik, insbesondere für die unentgeltliche Übernahme des Lehrstuhls für Ethik und Sozialwissenschaften in Karlsburg (Siebenbürgen, Rumänien);

2001: Die Lehrlingsstiftung Eggenburg (NÖ) für ihr Projekt, Jugendlichen mit theoretischen, praktischen und sozialen Defiziten auf eine Berufslehre vorzubereiten und Lehrstellen zu vermitteln, und das Bildungshaus Betriebsseminar Linz (OÖ) für 37-jährige erfolgreiche Bildungsarbeit auf Grundlage der Kath. Soziallehre für ArbeitnehmerInnen und haupt- oder ehrenamtlich in der Arbeitnehmerpastoral Engagierte;

2003: Landtagspräsident Prof. Ing. Helmut Mader für sein Bemühen, die Intentionen der Katholische Soziallehre in seiner politischen Tätigkeit aktuell umzusetzen, und Pfarrer Mag. H. Andreas Brandtner für die Initiierung und Leitung der EURO-Jugendakademie, von Jugendbildungshäusern in Oberhöflein und Safov (CZ) und für grenzüberschreitende Kindersommerlager in Langau;

2005: Der Österreichische Bauorden für die Organisation von unentgeltlichen Baueinsätzen Jugendlicher bei Sozialprojekten, und die Hans-Klingler-Stiftung für den Aufbau gewerkschaftlicher Strukturen und andere Unterstützungsmaßnahmen in Entwicklungsländern;

2007: Bäckermeister Thomas Huber für sein Entwicklungshilfeprojekt in Kinshasa (Republik Kongo) (Restaurierung einer Missionsbäckerei, Ausbildung kongolesischer Bäcker, Errichtung einer Konditorei) sowie Initiierung der Bäcker-Fastenaktion „Brot für die Kinder Afrikas“ mit Unterstützung der NÖ Bäckerinnung, und die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Schulschwestern für Schulprojekte zur Unterstützung eines Kinderzentrums und des Hilfsvereins „Charity Viden“ in Konotop, Ukraine;

2009: Dr. Bedrich Vymetalik (CZ) für seine wissenschaftlichen und bildnerischen Leistungen zur Kath. Soziallehre und die Gründung einer Christlichen Gewerkschaft und der Kath. Arbeitnehmerbewegung in Tschechien, Bischof Maximilian Aichern (OÖ) für seine Initiativen im sozialen Bereich und sein Bemühen um Verständigung von Interessensvertretungen der Arbeitnehmer und Kirche, und das Projekt Megaphon (Stmk) unter Führung von Mag. Gerhild Wrann für die Unterstützung gesellschaftlicher Randgruppen;

2011: Dr. Mag. Josef Windischerfür die Schaffung desIntegrationshauses Innsbruck,das neue Wege bei der Unterbringung von gesellschaftlichen Außenseitern beschreitet und sich überwiegend selbst finanziert, und Alois Reisenbichler für seine Bemühungen um einen Dialog zwischen Kath. Kirche und Sozialdemokratie und seinen Einsatz in der Friedens- und Hiroshima-Bewegung; 

2013: Das Ehepaar Hermine und Konrad Piok (Tirol) für getrennt und gemeinsam geleistete oftmalige Entwicklungshelfereinsätze in Lateinamerika sowie für die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien aus verschiedenen Ländern bei sich und die Ermöglichung von Operationen ausländischer Kinder in der Klinik Innsbruck und ihre Betreuung und die ihrer Angehörigen auch danach, und das Sozialprojekt „Brot für Brasilien“ des BRG Waidhofen/Ybbs  (NÖ) (Leiter: Mag. Franz Farfeleder) für die kontinuierliche Unterstützung sozialer Initiativen von Missionsbischof Alfred Schäffler in Parnaiba (Brasilien) durch diverse Aktivitäten der Schulgemeinschaft;

,,2015: Karl Anton Immervoll (NÖ) für die Initiierung und Organisation zahlreicher und erfolgreicher Sozialprojekte vor allem im oberen Waldviertel, und das Sozialprojekt „Le+O“ (Lebensmittel + Orientierung) der Caritas der Erzdiözese Wien, das wöchentlich 10 Tonnen Lebensmittel durch 700 Ehrenamtliche an 12 Ausgabestellen in Wien und im östlichen NÖ in Verbindung mit Sozial- und Berufsberatung an Bedürftige abgibt;

2017: Mag.a Dr.in Iris Straßer (Kärnten) für zahlreiche Initiativen, Unternehmer und Manager für eine ethische Verantwortung bei der Betriebsführung zu gewinnen, Lydia Steininger (NÖ) für ihren Einsatz als Entwicklungshelferin im Kongo und als Referentin, die vor allem junge Menschen mit der Situation in Afrika vertraut macht, und Wissensdurstteam  Seitenstetten (NÖ), das seit 2013 soziale, wissenswerte und actionsreiche Veranstaltungen für Jugendliche organisiert;

2019 Mag. Karl Fakler, langjähriger Geschäftsführer des AMS NÖ, für seine über seine beruflichen Verpflichtungen hinausgehenden Bemühungen um Langzeitarbeitslose und seine Zusammenarbeit mit ähnlich agierenden NGOs., Nikolaus Hofer für seinen Einsatz für Jugendliche und seinen Entwicklungshelfereinsatz, und die HLUW Yspertal für das Projekt Patenkinder in SOS-Kinderdörfern in Nepal, Togo, Uganda, Ecuador und Südafrika;