Digitalisierung des baukulturellen Erbes Niederösterreichs

Pfarr- und Filialkirchen der Diözese St. Pölten werden mittels Lasertechnologie gescannt

St. Pölten, 5.11.2021 (dsp/mb) Die Diözese St.Pölten startet gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt und der Niederösterreichischen Landesregierung ein Digitalisierungsprojekt für Sakralbauten in Niederösterreich. Bisher liegen für die meisten Objekte nur analoge Pläne aus der Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Mittels Laserscanner sollen nun Pfarr- und Filialkirchen im Diözesangebiet dreidimensional erfasst und als CAD-Plan dargestellt werden. Zusätzlich werden 3D-Modelle ausgearbeitet.

Ziel der digitalen Erfassung aller Sakralbauten ist einerseits die Bestandssicherung, andererseits die Schaffung von genauen Plandaten, wie Grundrisse, Schnitte und Ansichten als Grundlage für Renovierungs- und Veränderungsmaßnahmen an den Objekten.  „Bis jetzt haben wir auf sehr alten Papierplänen aufgebaut, was für heutige Verhältnisse nicht mehr zeitgemäß ist. Deswegen ist es gut, die Kirchenbauten zu scannen und zu digitalisieren. So bekommen die Pfarren auch sehr genaue Pläne mit exakten Darstellungen bis hin zum Dachstuhl“, so Baudirektor Philipp Orange.

Der Direktor des Diözesanarchives Thomas Aigner denkt dieses Projekt auch in einem größeren Kontext: „Wir sind gerade in einem umfassenden digitalen Transformationsprozess der gesamten Diözesanverwaltung. Wir haben 400 Jahre alte Papierpläne bereits digitalisiert wie auch Bilder und Videos. Wir arbeiten auf die Erfassung des kompletten kulturellen Erbes hin. Natürlich auch der Bauamtsakten. Unser Ziel ist es, alle Informationen in Beziehung zu setzen und zusammen zu führen.“

Hermann Fuchsberger, Landeskonservator für Niederösterreich: „Baukosten sind nur im Bereich der Planung steuerbar. Wenn man sich eine durchschnittliche zu sanierende Kirche anschaut, dann sind es 3 Prozent der Gesamtkosten, die für eine digitale Bestandsaufnahme aufzuwenden sind. Diese 3 Prozent sind ganz entscheidend, ob man Verformungen im Gewölbe oder Senkungen im Dachstuhl sieht. Hier können Baukosten durch diese Digitalisierung eingespart werden.“

Das Projekt ist über einen Zeitraum von 10 Jahren geplant und beinhaltet jährlich rund 40 Objekte, damit der Gesamtbestand der Sakralbauten in der Diözese - 468 Kirchen - erfasst werden kann.

Auch kulturtouristische Nutzungen in Form von 3D Modellen oder Nutzung der zweidimensionalen Pläne für Publikationen sind möglich. Es sollen die Plandaten der Öffentlichkeit und der Forschung unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.

Die Auswahl der Objekte erfolgt grundsätzlich nach dem Kriterium, welche Objekte in Kürze Sanierungsmaßnahmen erfahren sollen. Somit ist gewährleistet, dass die gefährdeten Bauten vorrangig behandelt werden. Der Ausführungszeitraum der ersten Etappe ist bis Ende 2021 geplant. Unterstützt wird das Vorhaben zu einem Drittel von Bundesdenkmalamt, ein weiteres Drittel von der Niederösterreichischen Landesregierung, ein Drittel verbleibt den jeweiligen Pfarren, die Diözese St. Pölten übernimmt die Organisation, die Abwicklung und die Qualitätssicherung. Das Projektgesamtvolumen beträgt in diesem Jahr € 415.000,-.