30. Todestag der Kleinkindpädagogin Margarete Schörl

St. Pölten, 7.12.2021 (dsp/mb) Den Namen Montessori kennt jeder, ihre Pädagogik ist nicht ganz unbekannt. Aber Schörl-Pädagogik? Margarete Schörl (1912-1991) hat ein typisch österreichisches Schicksal: im Ausland gefeiert – in der Heimat vergessen. Vieles, was in der heutigen Kindergartenpädagogik selbstverständlich ist oder gerade wiederentdeckt wird, geht auf die niederösterreichische Pionierin der offenen Kindergartenpädagogik zurück.

Anlässlich ihres 30. Todestag fanden sich Zeitzeugen und Kindergartenpädagoginnen und –Pädagogen zusammen, um gemeinsam mit Generalvikar Christoph Weiss einen Gedenkgottesdienst in der Kapelle am Lilienhof der Congregatio Jesu (vormals Englische Fräulein) in St. Pölten-Stattersdorf zu feiern und im Anschluss bei der letzten Ruhestätte von Margarete Schörl ihrer zu gedenken. „Margarete Schörl war eine sehr starke Frau im Glauben, in der Liebe zum Nächsten insbesondere zu den Kindern und in der Liebe zu Gott.“, so Generalvikar Christoph Weiss.

Margarete Schörl gilt als Erfinderin des Raumteilverfahrens, als eine sozialpädagogische Methode der Spielführung. Darunter ist die Aufteilung des Gruppenraumes in einzelne Spielbereiche zu verstehen, denen jeweils das entsprechende Material zugeordnet ist. Der Kindergarten ist eine familienunterstützende und familienergänzende Einrichtung. Er hat einen eigenen sozialpädagogischen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Dabei sind seine Aufgaben vielfältig: Oberste Priorität sollte sein, die Entfaltung von Mitmenschlichkeit. Zudem muss der Kindergarten das einzelne Kind nach seinen Begabungen und Fähigkeiten, es in seinem seelischen, geistigen und körperlichen Wachstum optimal fördern, begleiten sowie unterstützen. Ferner ist ein weiteres bedeutsames Anliegen des Kindergartens, die Wahrnehmungsebenen der Kinder zu erschließen, zu entwickeln und zu stärken. Am Anfang der Erziehung steht das Annehmen des Kindergartenkindes, so wie es ist. In diesem Zusammenhang sind seine bisherige Entwicklung sowie seine besondere Lernfähigkeit und Bildsamkeit zu sehen. Dabei haben freies Spiel und zielgebundenes Spielen für die gesamte Kindergartenzeit zentrale Bedeutung, allerdings innerhalb der Methode der Spielführung des Raumteilverfahrens und der nachgehenden Führung im Allgemeinen.

Margarete Schörl hat durch ihre Vortragstätigkeit in Europa nachhaltig gewirkt. In Deutschland benennen vor allem katholische und auch evangelische Kindergärten ihre Gruppenarbeit als Schörl-Pädagogik.

Neuerscheinung im Buchhandel: Rebellinnen und Rebellen der Pädagogik

Seit diesem Jahr ist von Autor Rainer Wisiak (Waldorflehrer, Montesori- und Wald-Pädagoge) ein Buch erschienen, das auch das Leben und Wirken von Margarete Schörl beleuchtet. Dieses Buch beschreibt 19 Pädagoginnen und Pädagogen, die wesentliche Impulse in die reformpädagogische Bewegung hineingetragen haben. Viele von ihnen sind bis heute kaum bekannt, da sich die Spur oft im Exil, Gefängnis oder im Konzentrationslager verloren hat. Dieses Buch soll Mut machen, all den schon einmal beschrittenen und innovativen Wegen wieder mehr Raum in unserem gegenwärtigen Bildungssystem zu geben, Buntheit und Vielfalt dort einzufordern, oder zur eigenen Experimentierfreudigkeit anregen.

Das Buch „Rebellinnen und Rebellen der Pädagogik“ ist im LIT Verlag erschienen und im Buchhandel unter ISBN 978-643-51014-3 erhältlich.