22. November – Gedenktag der Hl. Cäcilia: die Heilige der Kirchenmusik

Cäcilienfenster - an der Orgelempore im Dom zu St. Pölten

St. Pölten, 22.11.2021 (dsp/mb) Cäcilia ist eine der volkstümlichsten Heiligen, besonders in den romanischen Ländern, ihr Name ein häufig verwendeter Mädchenname. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und seit dem Spätmittelalter als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Eine andere Legende erzählt von ihrer Hochzeitsfeier: während die Musikinstrumente erklangen, sang Cäcilia - in ihrem Herzen und nur zu Gott gewandt: Lass, Herr, mein Herz und meinen Körper unbefleckt bleiben, auf dass ich nicht zuschanden werde. Ihr Gedenktag wird oft durch ein Cäcilienfest mit musikalischen Darbietungen begangen.

Der Barockkomponist Henry Purcell komponierte 1683 sein Laudate Ceciliam und 1692 das Hail, bright Cecilia. Georg Friedrich Händel komponierte 1739 seine Ode for St Cecilia’s Day auf der Grundlage eines Gedichts des Engländers John Dryden. 1766 komponierte Joseph Haydn die Missa Cellensis in honorem Beatissimae Virginis Mariae, die Messe zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria, kurz Cäcilienmesse, die längste der Messen, die er geschrieben hat - allerdings eigentlich nicht für das Fest von Cäcilia komponiert, sondern für den Wallfahrtsort Mariazell in Österreich, daher der Name Missa Cellensis. Von Benjamin Britten stammt das 1942 entstandene Werk für gemischten Chor Hymn to St Cecilia mit dem Text des englischen Schriftsteller Wystan Hugh Auden.

Die Geschichte der Heiligen Cäcilia

Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die sich schon als Kind allein Christus angetraut fühlte. Die Eltern verheirateten sie aber mit dem heidnischen Jüngling Valerianus; bei der Hochzeitsfeier habe sie unter dem Brautkleid ein Schmerzen bereitendes Hemd getragen. Im Brautgemach offenbarte sie dem Bräutigam: Ein Engel steht mir als Beschützer meiner Reinheit zur Seite.

Valerianus gestand Cäcilia die Unberührtheit zu unter der Bedingung, dass er den Engel sehen dürfe. Sie bewog ihn, den greisen römischen Bischof Urban I. aufzusuchen, der ihn bekehren und taufen solle, dann könne er den Engel sehen. Valerianus erschien ein heiliger Greis und hielt ihm ein mit Goldbuchstaben geschriebenes Buch vor, Valerianus kam zum Glauben und wurde von Urban getauft.

Zu Cäcilia zurückgekehrt sah er den Engel bei ihr, der reichte Cäcilia einen Kranz aus Rosen und Valerianus einen Kranz aus Lilien, die den Raum mit himmlischem Duft erfüllten. Als der Bruder des Valerianus, Tiburtius, hinzukam, wunderte er sich über den Rosenduft und wurde ebenfalls bekehrt.

Als Valerianus und sein Bruder Tiburtius verbotenerweise die Leichen von hingerichteten Christen beerdigten, wurden sie gefangen genommen und nach ihrer Weigerung, eine Jupiter-Statue anzubeten, ins Gefängnis geworfen. Ihnen wurde ein Ritter Maximus als Wächter gegeben, sie bekehrten auch diesen; der Präfekt Almachius ließ Maximus mit Bleiklötzen schlagen und alle drei enthaupten, da ihr ausführlicher Disput ihn nicht überzeugen konnte.

Cäcilia begrub die drei Männer; Almachius forschte nach dem Gut der Hingerichteten, fand Cäcilia und bedrohte sie, gewährte ihr aber noch eine Frist. Cäcilia nutzte diese und überzeugte ihre ob der drohenden Gefahr weinenden Diener vom Glauben, Urban taufte diese mit 400 anderen, darunter Gordianus.

Nach heftigem Streit ließ Almachius Cäcilia in ein kochendes Bad setzen, doch sie fühlte nur Kühle. Daraufhin versuchte der Henker, sie drei Mal durch Schwerthiebe zu enthaupten, er soll es aber nicht geschafft haben, den Kopf der halsstarrigen Cäcilia abzuschlagen; die schwer Verwundete lebte noch drei Tage, vermachte ihr Gut den Armen, bekehrte weitere Umstehende und wurde dann - gekrümmt, wie sie zuletzt lag - in golddurchwirktem Gewand in einen Zypressensarg gelegt. Sie setzte Urban I. als Erben all ihrer Güter ein, der bestattete sie in den Katakomben des Callistus in Rom neben den Bischöfen und weihte ihr Haus zu einer Kirche; diese ist erstmals im Martyrologium des Hieronymus und dann auf einem Dokument der Synode in Rom 499 bezeugt. Papst Paschalis I. ließ die Kirche an dieser Stelle neu errichten als Basilika Santa Cecilia in Trastevere, nachdem man Cäcilias - angebliche - Gebeine aufgefunden hatte.

Die Frage nach der historischen Existenz der Cäcilia und den Ursprüngen ihrer Verehrung gehören zu den umstrittensten Problemen der römischen Heiligenforschung. Weder die Förderer der Jungfräulichkeit, der römische Bischof Damasus I. und Ambrosius von Mailand, noch Hieronymus oder Augustinus, noch der römische Festkalender von 354 kennen Cäcilia. Da ihre Leidensgeschichte offenbar von Einflüssen durch Victor von Vita geprägt ist, scheint sie nach 484 entstanden zu sein, sie ist rein legendarisch.

In den Katakomben des Callistus entstand im 4. Jahrhundert - möglicherweise zur Zeit des römischen Bischofs Damasus I. - eine Krypta, in der Mitglieder der Familie der Cäcilii bestattet wurden; dies wurde dann auf Cäcilia gedeutet, aus dem 7. Jahrhundert ist ihre Verehrung dort bezeugt. Die Gebeine wurden dann unter Papst Paschalis I. in die dafür neu an der Stelle der alten Kirche errichtete Basilika Santa Cecilia in Trastevere übertragen.

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts setzte die Verehrung Cäcilias ein, seitdem ist ihr die Kirche Santa Cecilia im Stadtteil Trastevere geweiht; ab dem Jahr 545 wurde ihr Fest dort am 22. November gefeiert, was durch eine Episode in der Lebensgeschichte des Papstes Vigilius nachgewiesen ist. Die Legende erzählt, dass diese Kirche aus dem Haus der Cäcilia entstand, aber die Ausgrabungen, die heute zu besichtigen sind, haben erwiesen, dass das Gebäude zu einem Mietshaus nahe eines öffentlichen Bades gehörte. Tatsächlich war eine Cäcilia nach einer alten Inschrift die Gründerin der Kirche, erst die Legende hat sie zur Märtyrerin gemacht und ihr das Thema der Keuschheit, die am Abend der Hochzeit gelobt wird, zugeschrieben. Die älteste Darstellung dieser Cäcilia ist das Mosaik aus dem Jahr 570 in Sant'Apollinare Nuovo in Ravenna, wo sie zum Chor der Jungfrauen gehört.

Als Papst Paschalis I. 819 nach ihrem Grab suchte, erschien ihm Cäcilia; er fand ihren Sarg und ließ ihn 821 in die von ihm über dem Bau des 5. Jahrhunderts neu errichtete Kirche Santa Cecilia in Trastevere bringen. In Albi ist die Verehrung seit dem 7. Jahrhundert nachgewiesen, die im 13. Jahrhundert neu erbaute Kathedrale wurde ist ihr geweiht und besitzt seit dem 9. Jahrhundert und erneut 1481 Reliquien. Weitere Reliquien sind u. a. in Càgliari auf Sardinien, in der Kathedrale in Jaén in Spanien und in Hildesheim. Im Mittelalter erhoben mehrere Kirchen den Anspruch, ihren Kopf zu besitzen, was die Popularität ihrer Verehrung bezeugt. Als 1599 die Basilika S. Cecilia in Trastevere renoviert wurde, wurde ihr Sarg geöffnet und man fand ihren Leichnam fast unzerstört, auf der rechten Seite liegend, mit einer blutigen Stichwunde am Hals und in ein Gewand aus Goldbrokat gehüllt; Papst Clemens VIII. nahm ihn selbst in Augenschein.

Die Gewalt der Musik

Heinrich von Kleists Erzählung „Die heilige Cäcilie“ oder „die Gewalt der Musik“, von ihm selbst als Wiedergabe einer alten Legende bezeichnet, erschien in der Langform 1811. Sie spielt in Aachen um das Ende des 16. Jahrhunderts, als die Bilderstürmer in den benachbarten Niederlanden wüteten. Das Kloster der heiligen Cäcilie in Aachen sollte auch gestürmt werden. Aber die Heilige - unerkannt in der Gestalt der Schwester Kapellmeisterin - vollbringt schreckliche und herrliche Wunder zugleich: die geheimnisvolle Macht der alten Musik, die sie an die Spitze des Nonnenchors tretend aufführt, bändigt die wilde Rotte, die das Kloster überfiel. Die Anstifter des Frevels, vier gottverdammte Brüder, schlägt sie mit Wahnsinn, bis auch sie sich wieder zum rechten katholischen Glauben bekehren. Der Erzbischof von Trier stellte fest, dass Cäcilia selbst dieses Wunder vollbracht habe, der Papst bestätigte es einige Jahre später. Das Kloster war gerettet, und - so Kleist - bestand noch bis am Schluss des Dreißigjährigen Krieges.

Bauernregeln

War an Simon und Juda kein Wind und Regen da, / dann bringt ihn die Cäcilia.

Wenn es an Cäcilia schneit, / dann ist der Winter nicht mehr weit.

Cäcilia im weißen Kleid, / erinnert an die Winterszeit.