10. September ist Weltsuizidpräventionstag

St. Pölten, 9.9.2021 (dsp/mb) Am morgigen Weltsuizidpräventionstag soll eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, wie Suizide verhindert werden können. Die TelefonSeelsorge – Notruf 142 ist Erstanlaufstelle für Menschen, die aus einer Krise keinen Ausweg mehr sehen – und für jene, die suizidgefährdete Menschen bestmöglich unterstützen möchten. 

Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Im Jahr 2020 nahmen sich 1.072 Personen in Österreich das Leben – das entspricht etwa drei Personen pro Tag. Auffallend ist, dass sich nach wie vor deutlich mehr Männer als Frauen das Leben nehmen und deutlich mehr ältere Menschen als jüngere. Über ein Drittel aller Suizide in Österreich entfallen auf Menschen über 65. Bei den Jüngeren (bis ca. 30 Jahre) ist der Suizid hinter Verletzungen und Vergiftungen die häufigste Todesursache.
Hinzu kommt, dass die Anzahl der Suizidversuche die Zahl der tatsächlich durch Suizid verstorbenen Personen um das 10- bis 30-Fache übersteigt. Allerdings führen Tabuisierung, Stigmatisierung und Scham- oder Schuldgefühle häufig zu einer Verschleierung suizidalen Verhaltens. Auch werden nicht alle Suizidversuche als solche erkannt oder führen zu einem Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Daher liegen keine verlässlichen Daten bzw. Zahlen zu Suizidversuchen vor.

Suizidprävention wirkt

Es hat sich gezeigt, dass ein proaktives Vorgehen unterstützender Gesundheitssysteme und der Gesellschaft dazu beiträgt, Suizide zu verhindern. Und auch die Zahlen zeigen, dass Suizidprävention wirkt. Das bestätigt die Leiterin der TelefonSeelsorge Niederösterreich Petra Schadenhofer: „Seit den 1980er Jahren ist die Suizidrate in Österreich zurückgegangen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Krise sollte der Suizidprävention nach wie vor eine hohe Bedeutung beigemessen werden. Der Weltsuizidpräventionstag am 10. September rückt das Thema in den Fokus. Dabei wirkt dieser Tag der Tabuisierung entgegen und schafft somit ein offeneres soziales Klima, in dem das Hilfesuchen nicht verurteilt wird und mit weniger Scham behaftet ist.“

Suizidgefährdete Menschen brauchen ein offenes Ohr

Entscheidend ist, dass suizidgefährdeten Personen ein Gespräch angeboten wird und ihnen dabei verständnisvoll, nicht wertend begegnet wird, wenn ihre Suizidgedanken und -absichten thematisiert werden. Die Leiterin der TelefonSeelsorge: „Die Menschen, die suizidgefährdet sind, benötigen ein Gegenüber, mit dem sie offen über ihre Probleme und Suizidgedanken sprechen können. Das rund um die Uhr und österreichweit verfügbare Angebot der TelefonSeelsorge stellt dabei eine wichtige suizidpräventiv wirksame Krisenintervention dar. Eine Ergänzung dazu bietet die Onlineberatung mit der Möglichkeit zu chatten oder zu mailen.“
Gerade die aktuelle Corona-Pandemie stellt für viele Menschen ein kritisches Lebensereignis bzw. einen andauernden Stressor dar. Beispielsweise hält die wirtschaftliche Belastung in vielen Fällen an, Gefühle von Hilflosigkeit können bestehen bleiben oder posttraumatische Belastungsreaktionen treten auf auf. „Es ist daher von einer Zunahme persönlicher krisenhafter Entwicklungen auszugehen - vor allem dann, wenn soziale Auswirkungen spürbar bzw. anhaltend sind. Deshalb ist es besonders wichtig, schon im Vorfeld präventiv tätig zu sein und zur allgemeinen Sensibilisierung in unserem sozialen Umfeld für das Thema Suizidalität beizutragen“, betont Petra Schadenhofer.
Suizidale Personen nehmen – oft unter Aktivierung aller noch verfügbaren Kräfte – per Telefon, E-Mail oder Chat Kontakt mit der TelefonSeelsorge auf und sprechen über ein Gefühl der absoluten Ausweglosigkeit. Seit mehr als 50 Jahren wenden sich Menschen in akuten Krisensituationen an die TelefonSeelsorge – Notruf 142. Petra Schadenhofer schildert zwei konkrete Beispiele: „Da ist der Anrufer, der immer öfter an Suizid denkt – auch wenn er dies nie umsetzen möchte. Er sei mit der Pflege der Eltern sehr gefordert und hat Sehnsucht nach jemandem, der ihm zuhört und ihn ernst nehme. Oder die Anruferin, die das Gespräch mit den Worten beginnt: ‚Ich bin momentan so am Ende.‘ Ihr Ehemann sei im Vorjahr verstorben, ihre drei erwachsenen Kinder sehe sie kaum. Sie fühle sich so alleine, weil ihr Mann ihr sehr fehle, obwohl die Ehe schwierig war. Sie sei dankbar, dass sie anrufen könne.“

Was kann ich tun, wenn jemand im sozialen Umfeld Suizidgedanken äußert?
Empfehlungen der TelefonSeelsorge;

  • Ernst nehmen: In jedem Fall sind Suizidabsichten ein Notsignal und Zeichen eines starken Leidensdrucks. Dieser Hilferuf sollte keinesfalls überhört werden. Suizidale Absichten oder auch ein Suizidversuch stellen keinen unwiderruflichen Entschluss dar – Hilfe ist möglich!
  • Beziehung aufbauen: Dem/Der Betroffenen vermitteln, dass man an ihm/ihr und all seinen/ihren Gefühlen und Problemen interessiert ist. Die Erfahrung von Verbundenheit ist essentiell für psychische Wohlbefinden und kann Halt geben.
  • Ansprechen: Ein offenes Gespräch über die Suizidgedanken stellt für die Betroffenen oft eine emotionale Entlastung dar.
  • Ressourcen (wieder-)erkennen und sich daran orientieren: Welche Ressourcen hat der/die Betroffene selber? Welche gibt es in seinem/ihrem sozialen Umfeld? Welche professionellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
  • Auf niederschwellige Hilfsangebote aufmerksam machen und zu deren Inanspruchnahme ermutigen.
  • Selbst Hilfe suchen: Die Auseinandersetzung mit suizidalen Menschen kann sehr belastend sein. Wir werden dabei mit unserer Verletzlich- und Vergänglichkeit konfrontiert und können uns plötzlich selbst hoffnungslos fühlen. Holen Sie sich Hilfe und sorgen Sie gut für sich.

Aktiv Hilfe suchen: TelefonSeelsorge – Notruf 142 

Die TelefonSeelsorge – Notruf 142 ist in Krisensituationen eine erste Ansprechmöglichkeit. Das Gespräch mit professionell ausgebildeten Berater*innen kann entlasten, neue Perspektiven aufzeigen, Lösungswege eröffnen oder Brücke für weitere Hilfsangebote sein. Vertraulich und kostenlos ist die TelefonSeelsorge unter der Nummer 142 rund um die Uhr erreichbar. Wer lieber schreibt, kann sich an die Mail- und Chatberatung wenden: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

Expertinnen- und Experten-Chats anlässlich des Weltsuizidpräventionstags

Im Rahmen des Weltsuizidpräventionstags, der dieses Jahr unter dem Motto „Creating Hope through action“ („Aktiv werden und Hoffnung schaffen“) steht, bietet die Telefonseelsorge außerdem Chats mit Expert*innen zu unterschiedlichen Schwerpunkten – Krise, Jugend und Trauer – an. Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und sich hoffnungslos fühlen, können im Chat einer/m Expert*in anonym ihre Geschichte erzählen. Auch Personen, die sich Sorgen um einen suizidgefährdeten Angehörigen machen oder jemanden aus dem Familien- oder Freundeskreis durch Suizid verloren haben, können sich Unterstützung im Chat holen und Expert*innen anonym Fragen stellen.

Die Chattermine sind unter www.onlineberatung-telefonseelsorge.at kostenfrei buchbar.

Kontakt:  TelefonSeelsorge Niederösterreich – Notruf 142

Petra Schadenhofer, Leiterin: Tel.: 02742/26791

Mail:

Web: www.telefonseelsorge.at

Chat- und Onlineberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

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