Übergangslösung für Priesterausbildung: Einführungsjahr in den Heimat-Diözesen

Priesterweihe 2018 im St. Pöltner Dom

St. Pölten, Linz, Wien 28.07.2020 (dsp/KAP/mb) Das Einführungsjahr für neue Priesterkandidaten der österreichischen Diözesen findet im kommenden Studienjahr nicht mehr in Linz, sondern im jeweiligen Heimatseminar statt. 20 Jahre hindurch wurde das sogenannte „Propädeutikum“ gebündelt - zunächst 15 Jahre in Horn, seit 2015 in Linz - durchgeführt. Für das neue Ausbildungsjahr ab Herbst kündigte der scheidende Leiter dieser Einrichtung der Bischofskonferenz Erwin Neumayer (53) ein „integriertes Propädeutikum“ an. Stattfinden soll diese Übergangslösung für das kommende Studienjahr in jenen Seminaren, in denen sich die Priesterkandidaten angemeldet haben, begleitet von der jeweiligen Hausvorstehung.

„Es wird eine inhaltliche Neuordnung des Einführungsjahres geben. Dies ist auch wegen Personalveränderungen notwendig“, so Markus Muth, Subregens des Priesterseminars Wien, wo auch die St. Pöltner Priesterseminaristen beheimatet sind. „Im kommenden Studienjahr werden acht Kurse in Linz stattfinden, jeweils Montag bis Mittwoch oder Donnerstag. Den Rest der Zeit werden die neuen Priesterkandidaten ihr Studium beginnen können – so quasi auf „Halbmast“ – also ein Semester auf ein ganzes Studienjahr verteilt“, so Muth.

„Auch künftig soll während dieser Monate nicht das Studium, sondern die Priesterausbildung den Vorrang haben“, skizzierte Neumayer das Propädeutikum im Jahr 2020/21. An der Heimatuniversität soll während des Einführungsjahres eine biblische Sprache belegt werden, zudem ist in der Heimatdiözese auch ein Sozialpraktikum vorgesehen. „Das Jahr werde den Seminaristen „von der Kirche geschenkt“, um in dieser Zeit „frei für Gott“ zu sein, sich „menschlich, geistlich, intellektuell und pastoral gut kennenzulernen und vor allem in der Christus-Beziehung zu wachsen“.

Derzeit sind von den aktuell knapp 150 katholischen Priesterstudenten in Österreich 81 in diözesanen Seminaren eingeschrieben, wobei im soeben beendeten Studienjahr sieben Seminaristen das einführende Propädeutikum starteten und fünf davon abschlossen. Weitere 26 Seminaristen befinden sich im Missionskolleg Redemptoris Mater, 35 im Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz, einer in der Südtiroler Diözese Bozen-Brixen.

288 Propädeutiker in 20 Jahren

Seit dem ersten Jahrgang 2000, als 25 Seminaristen im Horner Canisiusheim begannen, nahmen insgesamt 288 Männer aus allen österreichischen Diözesen teil. Die meisten davon stammen aus der Erzdiözese Wien (77), gefolgt von Salzburg (44), Graz-Seckau (42), Linz (37), Gurk (22), Innsbruck und Eisenstadt (je 18), St. Pölten (17), Feldkirch (11) und dem Militärordinariat (2). 83 der 288 Seminaristen wurden inzwischen zu Priestern geweiht und 47 befinden sich weiterhin der Priesterausbildung. 98 haben die Ausbildung abgebrochen, 19 Männer wurden entlassen.

Verpflichtender Teil der Ausbildung

Das Propädeutikum, das 2015 von Horn nach Linz übersiedelte, ist nach der neuen vatikanischen Ausbildungsordnung von 2016 („Ratio fundamentalis sacerdotalis“) notwendig und verpflichtend für alle Priesterseminaristen vorgeschrieben. Im erlassenen Statut heißt es: „Das Propädeutikum hat zum Ziel, die menschliche und geistliche Reifung zu stärken und die Berufung zu klären.“