„Seliger-Kaiser-Karl-Kapelle“ in der St. Pöltner Prandtauerkirche

Die Reliquie des Seligen Kaiser Karl

St. Pölten, 27.10.2020 (dsp/mb) Am vergangenen Sonntag wurde im Eingangsbereich der St. Pöltner Prandtauerkirche eine neu errichtete „Seliger-Kaiser-Karl-Kapelle“ von Militärbischof Dr. Werner Freistetter gesegnet und die Reliquie des Seligen dort in eine Stein-Stele eingesetzt. Gleichzeitig wurde das Totengedenken des Radetzkyordens gesegnet.

Militärbischof Werner Freistetter würdigte den seligen Kaiser Karl als einen der sich, auch in aussichtloser Situation für den Frieden eingesetzt hat: „Die Wege zum Frieden sind oft schwierig, aber die Haltung der Liebe zum Nächsten ist am Dauerhaftesten für die Bemühungen um einen echten Frieden. Dazu ermutigt uns das Beispiel des seligen Kaiser Karl.“

Der Selige Kaiser Karl stellte sein ganzes Leben unter den Ruf Gottes, er übernahm als Regent eine Verantwortung für seine Völker bereits in aussichtsloser Lage. Diese Verantwortung wurde für den jungen Monarchen durch den Krieg von außen, den er ja nicht begonnen, sondern geerbt hatte, und durch den Reformstau im Inneren für ihn ein wahres Lebenskreuz, das er nach bestem Wissen und Gewissen getragen hat, dafür auch mit seiner Familie Verbannung und Exil auf sich genommen hat, bevor er dann am 1. April 1922 bereits im Alter von 35 Jahren nach allen Strapazen an einer Lungenentzündung auf der Insel Madeira verstorben ist. In einer für den Winter baulich ungeeigneten Sommervilla auf Madeira musste die kaiserliche Familie aus Geldnot den Winter zubringen, woraus die tödliche Krankheit des durch die Strapazen geschwächten Kaisers resultierte.

Bis heute wird sein Grab in der Marienkirche von Madeira von der Bevölkerung verehrt.   

Er führte z. B. 1917 ein Ministerium für Volksgesundheit in Österreich ein, lange bevor es solche soziale Initiativen in anderen Ländern gab. Er suchte, leider zu spät, einen föderalen Umbau der Monarchie im Sinn eines Bundesstaates zu erreichen. Die Kriegsnot linderte das Kaiserpaar auch durch großzügige persönliche Gaben und Hilfen. Kaiser Karl erließ eine allgemeine Amnestie, vor allem aber seine ernst gemeinten Friedensbemühungen zeigten seine christliche Überzeugung und Größe.

Sein Privatleben stand unter einem glücklichen Stern: er heiratete 1911 Zita von Bourbon-Parma. Die tiefe eheliche Liebe des Paares und die familiäre Geborgenheit im Heim des Kaiserpaares mit ihren acht Kindern gaben Karl immer einen starken Rückhalt, auch in den Tagen des Exils nach 1918, zunächst in der Schweiz und dann bis zu seinem frühen Tod.