Papst segnete Gruppe autistischer Kinder aus St. Pölten

@Christian Salzmann

Vatikanstadt, St. Pölten, 21.09.2020 (KAP/dsp/mb) Papst Franziskus hat am Montag eine Gruppe autistischer Kinder aus St. Pölten im Vatikan empfangen. Die acht Mädchen und Buben aus dem sozialpädiatrischen Zentrum "Sonnenschein"  wurden von der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), dem St. Pöltner Bischof Alois Schwarz und ihren Eltern sowie Landesrat Martin Eichtinger begleitet. In einer kurzen Ansprache ermunterte der Papst die Kinder, dankbar zu sein. Danke zu sagen - für das Leben, die Geschöpfe, die Eltern und Betreuer -, sei eine einfache und schöne Art des Gebets.

"Ich freue mich, eure Gesichter zu sehen, und ich lese es in euren Augen, dass auch ihr glücklich seid, ein wenig hier bei mir zu sein", wandte sich der Papst an die Kinder. "Gott hat die Welt mit einer großen Vielfalt von Blumen aller Farben geschaffen. Jede Blume hat ihre Schönheit, die einzigartig ist. Auch jeder von uns ist in Gottes Augen schön, und Gott hat uns gern. Deshalb fühlen wir das Bedürfnis, Gott Danke zu sagen. Danke für das Geschenk des Lebens, Danke für alle Geschöpfe! Danke für Mama und Papa! Danke für unsere Familien", sagte Franziskus.

Zum Abschluss bat der Papst die Gruppe auf Deutsch, auch für ihn zu beten, "denn diese Arbeit ist nicht einfach". Auch den abschließenden Segen spendete Franziskus, der sonst fast nur Italienisch oder Spanisch spricht, auf Deutsch. Als Geschenk überreichten die Kinder dem Papst ein selbstgemaltes Bild mit einem Sonnen-Motiv. Es war die erste Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die der Papst seit Beginn der Pandemie im Vatikan empfing.

Autismus, so erläuterte Mikl-Leitner in ihrer Ansprache bei der Begegnung mit dem Papst, sei eine Entwicklungsstörung. Werde diese so früh wie möglich erkannt, gebe es gute Chancen, "die Kommunikation und Interaktionsfähigkeit der Kinder zu stärken, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können". Neben dem Einsatz für die Kinder seien dafür auch Begleitung und Unterstützung der Eltern wichtig.

Bischof: "Du hast eine unverletzliche Würde"

Auch Bischof Schwarz sprach den Kindern Mut zu. Jeder Mensch habe seine unverbrüchliche Würde und sei von Gott absolut geliebt, betonte er: "Ob du langsam bist oder schnell, ob du es gut hast im Leben oder nicht, du hast eine unverletzliche Würde. Den Glanz der göttlichen Würde sehen wir in jedem Kind mit seinen besonderen Bedürfnissen und in jedem Erwachsenen, auch in allen Alten und Kranken. Das Leben ist eine solche Kostbarkeit, die dem Menschen geschenkt ist, dass wir herausgefordert sind, diese Kostbarkeit von Anfang bis zum Ende zu hüten und sie durch nichts zu beschränken."

Wie Landeshauptfrau Mikl-Leitner der Nachrichtenagentur Kathpress in Rom sagte, kam die Idee zu der Reise von den Kindern selbst; die Gruppe habe sich monatelang vorbereitet. Das 1995 gegründete sozialpädiatrische Zentrum "Ambulatorium Sonnenschein" gilt überregional als Kompetenzzentrum für Diagnose und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS). Die Einrichtung betreut derzeit rund 120 autistische Kinder im Alter zwischen sieben und 14 Jahren. Ihnen und ihren Familien biete das Zentrum Therapien und Begleitung an mit dem Ziel, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen, so Mikl-Leitner.

ASS-Störungen zeigen sich in der Regel ab dem dritten Lebensjahr in mehreren Verhaltensbereichen. Dazu zählen Probleme beim wechselseitigen sozialen Umgang und Austausch, Auffälligkeiten etwa bei Blickkontakt und Körpersprache oder eingeschränktes Interessen mit sich wiederholenden, stereotypen Verhaltensweisen.

Weinstock für Vatikanische Gärten

Mikl-Leitner überreichte Papst Franziskus bei der Audienz einen Weinstock als Gastgeschenk, der anschließend in den Vatikanischen Gärten gepflanzt wurde. Die Landeshauptfrau äußerte die Hoffnung, Franziskus möge den entsprechenden Wein dann auch kosten können.

Im Vatikan traf die niederösterreichische Delegation um Bischof und Landeshauptfrau auch mit Kurienkardinal Peter Turkson, dem Leiter des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, zu Gesprächen über ökologische Themen zusammen. Sie stellte die Initiative "Natur im Garten" vor, die vor gut 20 Jahren in Niederösterreich als Bürgerbewegung für ökologischen Gartenbau gegründet wurde.

Der inzwischen auch in etlichen Nachbarländern rezipierten Initiative haben sich nach Aussage von Landesrat Martin Eichtinger inzwischen über 70 Prozent aller Gemeinden des Bundeslandes angeschlossen. Sie sei ein gutes Beispiel für die von Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" geforderte ökologische Umkehr, so Eichtinger. Zu den Kriterien gehört der Verzicht von Pestiziden, Kunstdünger und Torf, der aus CO2-speichernden Mooren gestochen wird.