Kirchenrechtsprofessor und Diakon Ludger Müller verstorben

Diakon Prof. Dr. Ludger Müller

Profilierter Kirchenrechtswissenschafter und Mitglied des Diözesangerichtes war „maßgeblicher Wegbegleiter der Diözese St. Pölten“

St. Pölten, 21.4.2020 (dsp) Der profilierte und international anerkannte Kirchenrechtsprofessor, Ludger Müller, ist in der Nacht vom Barmherzigkeitssonntag, am Ende der Osteroktav, nach langer und schwerer Krankheit verstorben.

Müller war verdienstvoll als Ehebandverteidiger, Kirchenanwalt, Vernehmungsrichter und zuletzt als Diözesanrichter am Diözesangericht St. Pölten tätig. Seit 2011 wirkte er als Konsultor des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte am Heiligen Stuhl mit. Als Lehrgangsleiter des Masterstudiums „Vergleichendes Kirchenrecht“ sowie seit 2013 Diakon der Diözese St. Pölten war er über die letzten zwei Jahrzehnte maßgeblich mit der Diözese St. Pölten verbunden. „Wir trauern um einen maßgeblichen Wegbegleiter, einen Wissenschafter, einen Freund“, so Bischof Alois Schwarz, der den Tod Müllers als „großen Verlust für die Kirche und unsere Diözese“ benennt. Auch Bischof emeritus Klaus Küng erinnert an die großen Verdienste Müllers um die Diözese: „Er war jemand, dem Kirche und Diözese Herzensanliegen waren. Er hat während seines umfangreichen Wirkens in wichtigen Belangen enorm viel beigetragen“. Bischof Küng war es auch, der Müller im Jahr 2013 zum Diakon weihte. Der Offizial des Diözesangerichts, Reinhard Knittel, verwies auf Müller als "Referenzpunkt" des Kirchenrechts in der Diözese, als wichtigen Kollegen und als “Maßstab”: “Ludger Müller ist als Kirchenrechtler immer auch Theologe geblieben“, so Knittel.

Das Begräbnis wird den derzeitigen Bestimmungen entsprechend in der Heimatgemeinde Müllers im Sauerland (Deutschland) im kleinsten Familienkreis begangen.

Zur Person

Univ. Prof. DDr. Ludger Müller, Jahrgang 1952, studierte von 1972 bis 1985 die Fächer Katholische Theologie, Philosophie, Musikwissenschaft, Geschichte und Kanonisches Recht an den Universitäten in Bonn, Münster, Eichstätt und München. 1982 schloss er sein Studium mit einem Lic.theol. in Eichstätt ab. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hubert Müller an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (1980/1981) und bei Peter Krämer an der Katholischen Universität Eichstätt (1981 bis 1985). 1985 wurde er bei Peter Krämer mit einer kirchenrechtlichen Arbeit über den Jesuiten Franz Xaver Zech zum Dr. theol. promoviert. 1990 wurde er in München mit der Arbeit über den Rechtscharakter der kirchlichen Rechtsordnung promoviert. Nach kurzer Tätigkeit als Offizialatsrat in Osnabrück war er von 1986 bis 2000 wissenschaftlicher Angestellter am Kanonistischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1996 habilitierte sich Müller für das Fach Kirchenrecht und kirchliche Rechtsgeschichte in München mit der Schrift „Der Rechtsbegriff im Kirchenrecht. Zur Abgrenzung von Recht und Moral in der deutschsprachigen Kirchenrechtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts“. Er war als Privatdozent in München und Lehrbeauftragter in Regensburg und Eichstätt tätig.

Nach einer Lehrstuhlvertretung für Kirchenrecht an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erhielt er 2000 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Kanonisches Recht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Seit 2001 ist er ständiger Gastprofessor an der Theologische Fakultät Lugano (Facoltà di Teologia di Lugano). 2016/17 war er als Supplent für Kirchenrecht an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten tätig und zugleich Lehrender und Mitglied des Instituts für Kirchengeschichte und Kirchenrecht der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz. Im Oktober 2017 wurde er als Universitätsprofessor in den Ruhestand versetzt.
 
Müller war Diözesanrichter in Osnabrück sowie an den Konsistorien Augsburg, München und Regensburg und an den Erzbischöflichen Offizialaten Freiburg im Breisgau, Köln und Bamberg tätig. Seit 2006 war er Ehebandverteidiger, Kirchenanwalt und Vernehmungsrichter am Bischöflichen Diözesangericht St. Pölten. Im April 2011 wurde Müller von Papst Benedikt XVI. zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte ernannt.