Frauenkommission: Vorstandswahl bei konstituierender Sitzung

Der gewählte Vorstand der Frauenkommission mit Bischof Alois Schwarz und Weihbischof Anton Leichtfried

St. Pölten, 27.10.2020 (dsp) Im Rahmen der konstituierenden Sitzung der Frauenkommission der Diözese St. Pölten wurde Anna Rosenberger zur neuen Vorsitzenden der Kommission gewählt. Ihre Stellvertreterinnen sind Veronika Prüller-Jagenteufel und Angela Lahmer-Hackl. Weiter im Vorstand: Magdalena Ganster und Regina Sprinzl und Johanna Hochauer.

Coronabedingt wurden im kleinen Rahmen im Beisein von Bischof Alois Schwarz und Weihbischof Anton Leichtfried die Mitglieder der Frauenkommission vorgestellt und die Vorsitzende sowie der Vorstand gewählt. Erste Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese St. Pölten ist die langjährige kfb-Vorsitzende Anna Rosenberger. Ihr zur Seite stehen als Stellvertreterinnen Angela Lahmer-Hackl, Religions- und Ethiklehrerin an einer AHS sowie Veronika Prüller-Jagenteufel, theologische Referentin der Caritas der Diözese St. Pölten. Magdalena Ganster von der Jugendpastoral und Regina Sprinzl komplettieren den neuen Vorstand. Insgesamt wurden Frauen aus 20 verschiedenen Bereichen der Diözese St. Pölten in das Gremium entsandt.

„Wir werden Wächterin und Hüterin dieses Auftrages und des Wunsches der Diözese sein, die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Kirche zu forcieren. Auch dann, wenn es Widerstand auslöst und wir manchmal aneinander vorbeireden werden“, betonte Anna Rosenberger nach ihrer Wahl zur neuen Vorsitzenden. „Mein Appell an die Frauen: Bleiben wir dran, geben wir nicht auf. Im Miteinander wollen wir in der Diözese das Beste erreichen und die frohe Botschaft hinaustragen.“ Der über einjährige Weg zur Frauenkommission, so Anna Rosenberger im Rückblick, sei herausfordernd gewesen. Letztlich sei sie dankbar, dass die Frauenkommission ,,zur Welt gebracht“ werden konnte.

Bischof Dr. Alois Schwarz überreichte nach der Wahl die Dekrete an die bestellten Frauen. „Ich freue mich über diese Kommission und ich wünsche Ihnen, dass wir miteinander umsetzen, wovon Sie träumen“, sagte der Bischof mit Verweis auf die Kurzstatements der Mitglieder der neuen Kommission zu ihren Wünschen und Visionen zu Beginn der Sitzung. 

Der Bischof formulierte drei Wünsche an die neu konstituierte Frauenkommission. Mit Verweis auf Maria von Magdala, die die Engel am leeren Grab fragten, warum sie weine und was sie bewege. Genauso, sagte der Bischof, müsse die Kirche heute fragen: „Frauen, was bewegt euch?“ Maria von Magdala habe in dem vermeintlichen Gärtner den Auferstandenen erkannt und habe von dieser „Magdalenensekunde“ den Jüngern berichtet. „Mein erster Wunsch an die Frauenkommission: „Seien Sie Frauen, die uns Männern sagen: Ich habe den Herrn gesehen. Ich kenne den Auferstandenen.“

Im zweiten Wunsch bezog sich der Bischof auf die neue Enzyklika von Papst Franziskus „fratelli tutti“. Darin habe der Papst ermutigt, einander als Brüder und Schwestern anzuerkennen und dementsprechend im „gemeinsamen Haus“ zu leben. Bischof Schwarz: „Ich denke dieses Programm des Papstes, der eine neue Geschwisterlichkeit fordert, ist unser Programm.“ Der Papst habe in einem Schreiben an die Bischöfe betont, dass er sich bemüht habe, „fratelli tutti“ so anzulegen, dass die Enzyklika für „alle Menschen guten Willens“ offen sei. Schwarz: „Meine Bitte ist, dass die Frauenkommission mit allen Menschen guten Willens eine Atmosphäre der Geschwisterlichkeit lebt – nicht bloß mit den innerkirchlich Angestellten, mit den Priestern, Diakonen oder mit mir als Bischof. 

Und zum dritten wünscht sich Bischof Schwarz eine Kulturveränderung. Wieder verwies er dabei auf ,,fratelli tutti“, in dem der Papst im Punkt 23 die Rolle der Frauen anspricht und bemängelt, dass die Gesellschaften dieser Welt nicht widerspiegeln, dass den Frauen die gleiche Würde und die gleichen Rechte wie Männern zukomme. Bischof Schwarz wörtlich: „Das, was der Papst fordert, möchte ich mit Ihnen umsetzen.“ Es reiche nicht, eine aktive Stellung von Frauen in der Kirche theologisch oder anderswie zu begründen. „Es braucht eine Kulturveränderung, die das Selbstverständnis der Männer ebenso einbezieht, wie das der Frauen.“ An die Frauenkommission appellierte der Bischof, auch die Männer im Blick zu haben. 

Auch Weihbischof Anton Leichtfried dankte für „die große Arbeit und Leistung des Vorbereitungsteams“ im letzten Jahr. Das Ziel der Frauenkommission – ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern auf allen Ebenen in der Diözese – sei auch das Ziel der Diözese. Leichtfried: „Manch einer wird vielleicht sagen, dass das illusorisch ist. Wahrscheinlich braucht es auf dem Weg dahin die Verwirklichung von vielen Teilzielen und dafür wünsche ich viel Erfolg.“ Er sehe so viele Frauen in der Diözese, die Verantwortung übernehmen. Besonders schmerze ihn, dass gerade junge Frauen – und auch Männer – heute oft eine große Distanz zur Kirche haben. Er wünsche sich, so der Weihbischof, dass gerade junge Menschen wieder einen guten Platz in der Kirche finden. „Denn es ist ein schöner Platz.“ Und er wünsche sich, dass Frauen in der Diözese auch einen qualifizierten Platz finden – mit Entscheidungs-, Verantwortungs- und Gestaltungsvollmachten. 

Eine Grußbotschaft wurde abschließend von der Plattform der Frauenkommissionen Österreichs verlesen. In Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gratulierte Frauenlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister per Video-Aufzeichnung. Die Frauenkommission sei ein guter Schritt, damit Frauen auch in der Diözese St. Pölten ein Stück weit mehr sichtbar seien und mehr Mitsprache haben.