Erster „Hans-Ströbitzer-Preis“ verliehen

Hugo Portisch freut sich über den "Hans-Ströbitzer-Preis" Fotos: kathpress - Paul Wuthe

Verena Gleitsmann und Hugo Portisch erhalten ersten "Hans-Ströbitzer-Preis"

St. Pölten, 21.10.2020 (dsp/mb) Der Pressverein in der Diözese St. Pölten hatte heuer erstmals den „Hans Ströbitzer-Preis“ ausgeschrieben. Benannt ist dieser Journalistenpreis nach dem langjährigen Chefredakteur der „Niederösterreichischen Nachrichten“, Hans Ströbitzer, der 2020 seinen 90. Geburtstag begangen hätte. Sein Zugang und seine Persönlichkeit geben für diesen Preis die Richtung vor: Ein Journalismus aus einem christlichen Weltbild heraus, kritisch, aber mit Respekt und stets auf die Würde des Menschen bedacht, nachhaltig wirksam, verantwortungsvoll und letztlich immer konstruktiv.

Unter den zahlreichen Nominierungen etlicher Qualitätsmedien wählte eine namhafte Jury Verena Gleitsmann (33) vom ORF auf den ersten Platz. Zweitplatziert wurde Markus Glück (33) von den „NÖN“ Melk und dritter Daniel Seper (34) von „Miteinander“, der Zeitschrift des Canisius-Werkes.

Die Jury vergab auch einen Ehrenpreis für das Lebenswerk an Journalistenlegende Hugo Portisch (93). Für Portisch schließt sich mit dieser Ehrung ein Kreis, da er eine besondere Beziehung zu St. Pölten und zum Pressverein besitzt: Er machte seine ersten journalistischen Gehversuche 1947 als Praktikant in der Wiener Redaktion der „St. Pöltner Zeitung“, die vom Pressverein herausgegeben wurde. Deren Chefredakteur war sein Vater Emil Portisch, der nach seiner Flucht aus der Slowakei bei Verwandten in St. Pölten unterkam Sein Sohn Hugo Portisch gründete dann 1954 den „Kurier“ mit und war später jahrzehntelang eines der Aushängeschilder des ORF.

Nachdem die Preisverleihung nicht als Festakt im Stift Herzogenburg stattfinden konnte, werden die Preise an die Preisträger jeweils in kleinem Rahmen übergeben.

In seiner Laudatio meinte Heinz Nussbaumer, Herausgeber der „Furche“ und langjähriger Freund Portischs, dieser sei „ein Kompass für Wissen und Gewissen in unserem so oft als windig diskreditierten Beruf“. Journalisten hätten einen Auftrag, „den es nicht ohne Verantwortung geben kann. Weil Pressefreiheit dort endet, wo sie in Narrenfreiheit entartet“. Von Portisch habe er gelernt, „dass wir Journalisten keine Mitspieler in Politik, Wirtschaft oder Kultur sind und sein sollen, auch keine Drehbuchautoren oder Regisseure des Geschehens, sondern nur Dienstleister am Bürger“. Und weiter: „Dein Journalismus hat ein Interview nicht als Verhör verstanden, einen Kommentar nicht als Inquisitionsbericht und ein Medium nicht als modernen Pranger.“ „Medien, das waren für dich keine Tummelplätze für Ideologen und Kreuzritter, für Linientreue und Scheuklappenträger. Immer musste den Lesern, Hörern und Sehern das Recht auf Zweifel und Widerspruch gewahrt bleiben.“

Portisch erinnerte in seiner Dankesrede an das Werk seines Vaters, der unter hohem persönlichem Risiko in der russischen Zone die Zeitung zu einem überregionalen Medium aufbaute. „Immer, wenn er zum russischen Kommandanten musste, hat er feste Schuhe und warme haltbare Kleidung angezogen und eine Handvoll Würfelzucker eingesteckt. Das für den Fall, dass man ihn nach Sibirien verschleppen würde.“ Trotz häufiger Auseinandersetzungen mit den Russen habe sein Vater an seiner Art der Berichterstattung festgehalten. Er persönlich habe sehr viel vom Leiter des Wiener Büros der St. Pöltner Zeitung gelernt.

Verena Gleitsmann wuchs in Gießhübl (NÖ) auf, studierte Jus und Politikwissenschaften und absolvierte die Katholische Medien Akademie. Nach Praktika bei Furche, Kleiner Zeitung und APA arbeitet sie seit 2010 für den ORF. Derzeit ist sie Auslandskorrespondentin in Berlin. Sie überzeugte die Jury durch ihre Kompetenz, ihre ausgewogene und menschlich respektvolle Berichterstattung und sie verlor trotz ihrer internationalen Berichterstattung nie ihr Heimatbundesland aus den Augen. ORF-Auslandschef Roland Adrowitzer hob den unermüdlichen und beharrlichen Arbeitseinsatz hervor, an allen Stätten ihres Wirkens. Schon zu Beginn habe man ihr Talent erkannt und freue sich über eine ebenso liebenswürdige wie hochkompetente Mitarbeiterin.

Verena Gleitsmann betonte in ihrer Dankesrede, sie sehe es als ihre Aufgabe, Dinge zu erklären, die zunächst unverständlich erschienen. Als Beispiel nannte sie den Maisbauern aus Oregon, der den Niedergang der Stahlindustrie und den Preisverfall für seine Produkte erlebt und dann für Trump stimmt. „Ich kann es nicht verstehen, aber ich kann erklären, warum er das tut.“

Markus Glück wurde mit 19 Jahren Journalist, neben seinem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften. Mit 29 Jahren übernahm er die Leitung der Lokalredaktion in Melk. Er zeichnet sich aus durch einen freundlichen und sympathischen Umgang, hat immer den Menschen im Blick, versteht sich als Anwalt der Bürger und besitzt gleichzeitig die nötige Standhaftigkeit, die einen Lokaljournalisten besonders fordert. 

Daniel Seper ist promovierter Theologe, unterrichtet an der Uni Wien, ist gebürtiger Kärntner und lebt in Ziersdorf, Niederösterreich. Seit Jahren schreibt er ehrenamtlich für die Zeitschrift „Miteinander“ des Canisiuswerkes.

Die Preise, die zu einem großen Teil von der Schoellerbank gesponsert wurden, sind insgesamt mit 5000 Euro dotiert. Förderpreise, gestiftet vom Kuratorium für Journalistenausbildung, gehen an drei junge Nachwuchstalente des St. Pöltner Magazins „MfG“: Thomas Winkelmüller (22), Johannes Mayerhofer (29) und Sascha Harold (29).

Der Jury des „Hans Ströbitzer Preises“ gehören an: Katharina Brandner (Medienreferentin der Diözese St. Pölten), Michael Prüller (Sprecher Erzbischof Kardinal Schönborn), Engelbert Washietl (Gründer Initiative Qualitätsjournalismus), Stefan Ströbitzer (Medienberater), Robert Zauchinger (früherer stv. Chefredakteur unter Hans Ströbitzer), Rudolf Mitlöhner (ehem. CR Die Furche und nun Innenpolitik Kurier), Gudula Walterskirchen (Obfrau Pressverein).