Bischof Alois Schwarz: Nur solidarisches Miteinander bringt uns durch die Krise

Domkirche St. Pölten

Kirche als Arbeitgeber „bemüht, jeden einzelnen Arbeitsplatz zu halten"

St. Pölten, 8.4.2020 (dsp/kb) Die Diözese St. Pölten erweitert die Möglichkeiten für all jene Menschen, die in eine akute Notsituation geraten sind und erweitert die Hilfsangebote. In Bezug auf Kirchenbeiträge und Ausfallsunterstützung kirchlicher Bildungseinrichtungen sind die zuständigen kirchliche Einrichtungen angewiesen, in bewährter Weise Einzelfall- und Lösungsorientiert zu arbeiten. Zudem werde derzeit bei der Vorschreibung des Kirchenbeitrages besonders Augenmerk auf die aktuelle Situation gelegt. Der Krisenstab der Diözese St. Pölten tage regelmäßig, um die Situation all jener Menschen im Blick zu haben, die derzeit in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind.

„Mir ist es ein großes Anliegen, dass neben dem Gebet auch der Dienst an den Menschen unser Anliegen bleibt“, so Bischof Alois Schwarz. Der diözesane Beitrag der „Corona-Million“ zum Caritas-Nothilfefonds soll hier der Kern der Bemühungen, nicht aber deren Grenze sein, so Bischof Schwarz. Sämtliche Spendenaufrufe der Fernsehübertragungen der Osterfeierlichkeiten werde zudem dem Nothilfefonds zugute kommen. 

Die Pfarren leisten im direkten Kontakt, im nachbarschaftlichen Netz der Nächstenliebe einen immensen Beitrag, so Schwarz. Das breite Angebot kirchlicher Einrichtungen, von der Caritas über Telefonseelsorge, digitale Beratungs- und Bildungsangebote und Nachbarschaftshilfe steht in diesen Zeiten nicht still, im Gegenteil: das Netz erweist sich als tragfähig und stabil, so Schwarz. Erneut bat er in einem Schreiben an die Priester der Diözese, sich in ihren Gemeinden und Pfarren einzubringen, telefonisch oder über die neuen Medien erreichbar zu bleiben und jetzt mehr denn je seelsorgerisch kreativ zu sein. 

Die Telefonseelsorge wurde aufgestockt, die Beratungseinrichtungen der Caritas liefen ebenfalls weiter, und weiten ihr Angebot auf online- und telefonische Beratung aus. Die Krankenhausseelsorge sei ebenfalls wie auch die Betreuung in Senioren- und Altenheimen weiterhin im Einsatz. Die Betriebsseelsorge ist hinsichtlich der erschreckend großen Arbeitslosenzahlen im Gebiet der Diözese St. Pölten ebenfalls in intensivem Einsatz und vermittelt Hilfsangebote und Ansprechpartner. Die besonders vom Versammlungsverbot betroffenen Pfarrgemeinden bemühen sich in vielfältigen und neuen Formen, für Menschen erreichbar zu sein, spirituelle und seelsorgliche Angebote zu kreieren und um das soziale Netz in den Gemeinden.

Gleichzeitig müsse auch die Diözese St. Pölten die Finanz- und Wirtschaftslage im Blick behalten. Als Dienstgeber vieler hunderter Menschen sowie als verlässlicher Partner und Auftraggeber für Klein- und Mittelbetriebe müsse vorausschauend und stabil geplant werden. Die Kirchenleitung ist zudem intensiv bemüht, jeden einzelnen der hunderten eigenen Arbeitsplätze zu halten. Durch umfangreiche und großzügige Homeofficeregelung, der Freistellung gefährdeter Risikopersonen, genauer Vorschriften der Benützung gemeinsamer Bereiche und einer erweiterten Betriebsvereinbarung hinsichtlich Urlaub und geleisteter Arbeitszeit ist diese Zeit nur in einem solidarischen Miteinander zielführend. 

Einnahmenseitig sei die Diözese natürlich von der generellen Wirtschaftslage abhängig, da der Großteil der Ausgaben sowie die gesamte Mitarbeiter- und Priestervergütung über den Kirchenbeitrag gedeckt werde. „Kirchliches Vermögen in Form von Flächen in Land- und Forstwirtschaftlicher Nutzung sowie eine Vielzahl historischer Kirchengebäude sind keine jederzeit verfügbaren Geldmittel und stellen hier keine Entlastung dar, im Gegenteil“, so Bischof Alois Schwarz. Erinnert wurde auch daran, dass die Priestervorsorge einen Großteil des Geldvermögens gebunden darstelle, da Priester nicht im staatlichen Pensionssystem abgebildet werden. 

„Mein großer Dank gilt unserer starken Solidargemeinschaft aus Kirchenbeitragsleistenden, die mit uns gemeinsam diese Zeit durchstehen. Die Beitragsstellen orientieren sich an der bewährten Praxis, lösungsorientiert zu arbeiten und im Einzelfall zufriedenstellende Vorgehensweisen zu finden“, so Schwarz. Die Kirchenbeitragsstellen sind telefonisch und per Mail in gewohnter Weise erreichbar. 

Das Budget der Diözese St. Pölten besteht zum Großteil aus Kirchenbeitragseinnahmen. Das Budget wird für breite seelsorgliche Infrastruktur in einem Netzwerk aus 422 Pfarren, 380 Priestern sowie 541 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 127 Pastoralassistentinnen und -assistenten und Jugendleiterinnen und -leiter aufgewendet, jährlich bilanziere die Diözese St. Pölten ausgeglichen.