Bibelsonntag: „Damit Glaube, Hoffnung, Liebe neue Nahrung haben“

Österreichs Bibelbischof - Weihbischof Anton Leichtfried

St. Pölten, 24.1.2020 (dsp/mb) Am kommenden Sonntag begehen die Gläubigen der katholischen Kirche zum ersten Mal den „Sonntag des Wortes Gottes“. Dem Papst, der diesen neuen Gedenktag in den Festkalender eingeführt hat, geht es darum, sich neu den biblischen Grundlagen des Glaubens und der Kirche zuzuwenden. Das denkt der österreichische „Bibelbischof“ Anton Leichtfried, den Radio Vatikan dazu befragt hat. <--break->

Radio Vatikan: Papst Franziskus hat den Bibelsonntag in den Festkalender eingeführt. Eine sinnvolle Initiative?

Weihbischof Anton Leichtfried: „Das Wort Gottes spielt natürlich jeden Sonntag eine wichtige Rolle und ist jeden Sonntag wichtig. Aber mit einer solchen Betonung möchte der Papst etwas hervorheben: dass wir uns verstärkt dem Wort Gottes zuwenden, das heißt noch besser zuhören. Und dass wir uns mit den Grundlagen unseres Glaubens und unserer Kirche beschäftigen.

Radio Vatikan: Was macht es mit Gläubigen, wenn sie sich regelmäßig mit dem Wort Gottes auseinandersetzen?

Weihbischof Anton Leichtfried: „Man könnte ja vor allem bei den Evangelien sagen, das sind Erfahrungen und Zeugnisse mit Jesus, die dann auch verschriftlicht worden sind. Aber es geht um Erfahrungen, die Menschen in der Begegnung mit Jesus gemacht haben - dafür wird Zeugnis abgelegt. Mit der Gewissheit, das ist nicht nur damals so gewesen, sondern es ist auch heute so. Und das gilt auch für mich, das gilt für jeden Menschen, mit dem ich zu tun habe: Es ist der gleiche Jesus. Man könnte sagen, das Alte Testament sind insgesamt Erfahrungen von einzelnen Gläubigen und vom ganzen Volk Israel, in ihrem und mit ihrem Glauben. In allen Lebenssituationen. Als Einzelner, in Gemeinschaft, im ganzen Volk. Es ist ein so kostbarer Schatz von Glaubenserfahrungen. Es ist gut, sich diesen Grundlagen für den Glauben des einzelnen Menschen und für die ganze Kirche zuzuwenden. Damit Glaube, Hoffnung und Liebe eine neue Nahrung haben.“

Radio Vatikan: Seit 2016 gilt die revidierte Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, die offizielle Bibelübersetzung der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum. Sie hat nun seit gut einem Jahr auch in die Lektionare Eingang gefunden, sodass die Lesungen und das Evangelium jetzt in der neuen Fassung in den Gottesdiensten zu hören ist. Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Jahr damit gemacht?

Bischof Leichtfried: „Bei jeder neuen Übersetzung ist es so, dass ich einmal aufhorche. Wie hat das jetzt geklungen? Habe ich recht gehört? Es ist ungewohnt. Je nach Geschmack gefällt es mir besser oder schlechter. Von der Übersetzung her ist sie ja eher etwas sperriger, näher am Urtext. Und dieser Neuheitseffekt, so könnte man oberflächlich sagen, lässt mich einmal aufhorchen. Gerade wenn ich, erfreulicherweise, einen Bibeltext schon etwas besser kenne, dann ist die Gefahr, dass ich innerlich abschalte. Weil ich schon weiß, wie das weitergeht und ausgeht. Und so werde ich auf einmal aufmerksam, weil das neu klingt. Es ist die Chance, mich von außen nach innen zu arbeiten. Und dass ich dann von dem neuen Wortlaut tiefer höre, ja warum klingt das anders? Warum ist das anders übersetzt? Was will der Evangelist sagen und letztlich, was will Gott uns sagen? Das ist eine große Chance, mich neu damit zu beschäftigen. Und in diesem Zusammenhang ist es ja erfreulich, dass es in Österreich jetzt durch die Jahre der Bibel und durch die neuen Lektionare recht viele Lektorenschulungen gibt.“

Radio Vatikan: Was finden die Leute, mit denen Sie zu tun haben, gut an der neuen Übersetzung und dem neuen Lektionar, und was finden sie weniger gut?

Bischof Leichtfried: „Die meisten finden gut, dass die Überschrift ‚Schwestern und Brüder‘ endlich auch amtlich ist, dass das über den Paulusbriefen steht. Schlechter finden die meisten, dass es etwas holprig, etwas sperriger geworden ist. Dass es nicht so schön klingt wie vorher.“

Radio Vatikan: Das geht auf, alles in allem?

Bischof Leichtfried: „Insgesamt ist ja das Wichtigste, dass wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen. Und dass ich da hellhörig werde und tiefer hinhöre. Das ist das Wichtigste.“

(vatican news)