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Priesterstudientagung thematisiert Tod, Trauer und Begräbnis

Foto (Diözese Sankt Pölten): Priesterstudientagung im Bildungshaus Sankt Hippolyt

St. Pölten, 19.02.2019 (dsp) Die Priesterstudientagung der Diözese Sankt Pölten im Bildungshaus Sankt Hippolyt beschäftigt sich vom 18. bis 20. Februar mit dem Thema „Tod, Trauer und Begräbnis. Der Wandel der Bestattungskultur als pastorale Herausforderung“. Über 120 Priester, Diakone, Ordensleute und interessierte Laien haben sich gemeinsam über die Thematik Gedanken gemacht.

Weihbischof: Thema aktuelle Herausforderung

Weihbischof Dr. Anton Leichtfried, in der Diözese zuständig für die Priesterfortbildung, nannte es eine „wichtige Auseinandersetzung mit den vielen Veränderungen im Zusammenhang mit der Bestattungskultur“. Viele Themen seien „aktuelle Herausforderungen für die Pfarrer. Die Tagung ist ein Versuch, aus verschiedenen Winkeln die Themen zu beleuchten und konkrete Hilfestellungen zu geben.“

Säkularisierung im Bestattungs- und Friedhofswesen

Das erste Referat bei der Priesterstudientagung hielten die beiden renommierten Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler, M.A. vom Institut für Soziologie der Universität Passau. Sie sprachen über den „heutigen Umgang mit dem Tod und das moderne Bestattungswesen“. Inhalt ihrer Darlegung war die Säkularisierung im Bestattungs- und Friedhofswesen auf der Grundlage der wachsenden Pluralisierung und Individualisierung der momentanen Gesellschaft. „Benkel und Meitzler haben einen breitgestreuten Überblick desjenigen geboten, was wir auf Friedhöfen finden und das ist jenes, was die Leute glauben, hoffen oder fühlen. Interessant ist beispielsweise die Tatsache der zunehmenden Urnenbeisetzung obwohl auch die rechtlichen Auflagen dafür ständig ausgeweitet werden“, so der Pfarrer von Phyra, Pater Pirmin Mayer OSB.

Mit dem Thema „Begräbnisformen heute: Veränderungen, Trends, Fraglichkeiten. Erfahrungen eines Bestatters“ war dem Linzer Bestattungsunternehmer Mag. Martin Dobretsberger viel Aufmerksamkeit sicher. Bedauernd und viel nachdenkliche Zustimmung erntend meinte er: „Die Religion verliert leider immer mehr an Bedeutung. Deshalb sehe ich es auch als meine Aufgabe an, eine würdevolle Bestattungskultur zu etablieren.“

Eschatologische Einseitigkeiten überwinden

Nachdem Provisor Mag. Johannes Staudacher vom Referat für Trauerpastoral der Diözese Gurk-Klagenfurt über „Tod, Trauer und Begräbnis aus der Sicht des Seelsorgers“ sprach, führte Prof. Dr. Willibald Sandler von der Theologischen Fakultät Innsbruck in den Themenbereich „Leben von der Vollendung her“ über.
Der Innsbrucker Theologe wandte sich in seinem Vortrag eschatologischen Fragen zu und ihrer unterschiedlichen Perspektive in der traditionellen katholischen Eschatologie, die dann vielfach abgelöst worden sei in der Eschatologie des 20. Jahrhunderts bis hin zur Politischen Theologie. Auf die Zukunft hin solle die Eschatologie biblisch fundiert, Einseitigkeiten und Schwächen der bisherigen eschatologischen Konzepte überwinden helfen. Die angstmachenden und dinghaften Vorstellungen der traditionellen Eschatologie seien durch das andere Extrem eines entspannten Vertrauens auf den barmherzigen Gott und die Vorstellung einer Auferstehung im Tod scheinbar überwunden worden. Der Ernst des Gerichts werde durch die Vorstellung einer „billigen“ Gnade, wodurch alle in den Himmel kommen würden, ersetzt. Die Politische Theologie stelle eine der Anfragen und Herausforderungen dieser allzu leicht versöhnlichen Eschatologie dar. Eine Eschatologie für das 21. Jahrhundert müsse aus der Liebe Gottes heraus den Gerichtsgedanken ableiten, als Zeit der Reifung auf die Fülle hin. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes müssten wieder ins Lot gebracht werden, wobei auch die „Fluchpsalmen der Bibel und das biblische Ringen mit Gott“ wieder Raum gegeben werden solle. Man lebe nicht nur auf die Vollendung zu, sondern auch von der Vollendung her. Die Auferstehung Jesu Christi, die in unserem Leben aufleuchten könne, aber auch immer wieder verborgen sei, wäre die Grundlage der eschatologischen Hoffnung, die individuelles und kosmisches Ziel, geistige und leiblich-körperliche Dimension des Menschen und der Welt umfasse.

Kasualpredigt: Arbeit an Lebensgeschichten ist religiöse Sinnarbeit

Msgr. Dr. Werner Schrüfer, Dozent für Homiletik aus Regensburg referierte über „die gute Predigt beim Begräbnis: Verantwortung und Chance. Homiletische Hinweise“. Die klassischen Kasualien wie Taufe, Hochzeit und Trauer seien hervorragende Gelegenheit für redliche Kasualpraxis. „In der Kausalpredigt geht es also nicht um die Ausrichtung einer durch die Bibel oder wie auch immer vorgegebenen Botschaft. Es geht um die sinn- und identitätstkonstruktive Arbeit an Lebensgeschichten, also immer um religiöse Sinnarbeit“, so Werner Schrüfer. Sinn der Kasualpredigt sei die Klärung konkreter Lebenssituationen, nicht die exakte Auslegung von Texten. Und weiter: „Kirche ist dazu da, den Glauben an den Mann zu bringen und der liebe Gott tut nichts als fügen.“
Auch mit persönlichen Begebenheiten wie „eine Frau saß da mit ihrem neugeborenen Kind und wusste nicht, wem sie Danke sagen könnte. So ist diese Frau Christin geworden“ lockerte er sein Referat auf und gab als ehemaliger Domprediger des Regensburger Domes Glaubenszeugnisse vor den versammelten Priestern.

Den Abschluss dieser drei intensiven und für die meisten Priester der Diözese Sankt Pölten sehr lehr- und aufschlussreichen Tage bildeten die Herren Hubert Zach und Liem Duong vom Einsegnungsdienst in Wien zum Thema „Kirchliche Begräbnisfeiern. Liturgische und pastorale Erfahrungen in der Großstadt“.

Foto (Diözese Sankt Pölten): Priesterstudientagung im Bildungshaus Sankt Hippolyt