Nikolaus
 
 

Morgengedanken im ORF zum Erntedank

Radio NÖ Morgengedanken, Sonntag, 22. September 2019  
 
Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Am Sonntag sind wir herausgenommen aus dem üblichen Betrieb der Woche. Aus dem Druck des Berufes, aus dem Lärm und Stress des Alltags. Eine Chance, etwas anderes zu sehen und zu hören als sonst. Oder zu riechen: Jetzt im Herbst gibt es manchmal einen ganz eigenen Geruch, durch das Obst, durch die Erdäpfelernte, durch den schweren Tau auf den Wiesen und Bäumen. Und ein eigenes Licht. Man spricht oft vom „goldenen Herbst“. Es ist die Zeit des Erntedanks. Nicht nur für die Bauern. Heute am Sonntag: eine gute Gelegenheit, auf die Natur zu achten und an den Schöpfer zu denken.  Und zu danken für die Ernte dieses Jahres – im wörtlichen und im übertragenen Sinn des Wortes, allein – oder auch im Gottesdienst. Worüber freue ich mich da heute und wofür sage ich Dank?!                   Radio NÖ Morgengedanken Montag, 23. September 2019   Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Jetzt im Herbst werden die Tage kürzer. Sie merken es wahrscheinlich schon einige Zeit, auf dem Weg zur Arbeit. Viele Pendler müssen sehr früh raus. Und da ist es schon längst, seit Wochen, dunkel auf dem Weg. Meist beachten wir es nicht: wie lange ein Tag dauert, wann und wo die Sonne aufgeht – das hat ja zu tun mit dem Weg, den unser Planet Erde zurücklegt im Lauf eines Jahres. 50 Jahre Mondlandung sind es heuer. Da sind wieder viele staunenswerte Tatsachen und Fragen bewusst geworden. Die Menschheit und die Erde: winzig im Meer der Sterne und in der Weite des Universums. Was braucht es alles, und was muss ziemlich genau zusammenpassen, damit menschliches Leben möglich ist: Temperatur, Wasser, Erdoberfläche ... So wenig ist selbstverständlich. Wofür möchte ich heute Gott danken: für den Planeten Erde, für unseren Kontinent, für das Klima?                

 

Radio NÖ Morgengedanken,  Dienstag, 24. September 2019    
 
Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Manchmal erleben wir die Jahreszeiten gar nicht richtig. Wir bewegen uns fast nur in den eigenen vier Wänden, oder in den Wänden des Büros oder der Fabrikshalle, dazwischen auf Asphalt, im Auto, im Bus, oder in der U-Bahn. Und auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum Supermarkt - und hundemüde zur Wohnungstür. Oder online in den vielen virtuellen Welten – auf dem Surfbrett des Smartphones oder am Bildschirm von Notebook und PC. Und im Schichtbetrieb: Die Unterschiede zwischen Tag und Nacht verschwimmen, Schlaf und Arbeit werden mühsam. Der Rhythmus eines Tages, einer Woche, ja eines Jahres zerfließt. Der Takt wird oft von den Maschinen vorgegeben. Was ist der Motor des Lebens? Herbst? Erntedank? - Klingt wie Fremdwörter einer vergangenen Zeit. Vielleicht ist es mir heute möglich für ein paar Minuten, ein paar Schritte, einzutauchen in die Natur: den Wind, den Regen, die Sonne spüren. Zweimal tief durchatmen. Neue Kraft schöpfen. Leben auftanken. - Wofür möchte ich heute Dank sagen?!                  

 

Radio NÖ Morgengedanken,  Mittwoch, 25. September 2019    
 
Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Was für ein langer Weg bis zur Ernte. Wie vielen Gefahren ist etwa ein Getreidehalm ausgesetzt: der Trockenheit, dem Sturm, dem Starkregen und Hagel. Wie lange dauert es bei einem Birnbaum von den ersten Knospen im Frühjahr, bis zur Blüte, bis hin zur reifen Frucht im Herbst! Wie ausgesetzt, wie viele Gefahren, wie viele Wunder im Laufe eines Jahres! Hoffentlich passt dann das Wetter für die Ernte: für die Frucht und für die Erntehelfer. Wir hören den Wetterbericht oft nur im Blick auf unsere Freizeitaktivitäten. Wer eine gute Ernte erleben darf, kommt wie von selbst auch zum Danken. Eine einzelne Frucht und die Ernte als ganze: Da bekommt man Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Schöpfer. Für welche Ernte bin ich in diesem Jahr dankbar? Und für welche Helfer?          

 

Radio NÖ Morgengedanken,  Donnerstag, 26. September 2019    
 
Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Eine der wichtigsten Perspektiven im Leben ist die Dankbarkeit. Auf das schauen, was ich habe. Nicht darauf, was ich nicht, oder noch nicht habe. Und warum und woher ich es habe! Auf das viele schauen, was wir tagtäglich haben: ein gutes Trinkwasser. Gute Luft. Gesundheit. Genug zu essen. Einen Arbeitsplatz. Eine Familie. Gute Menschen um mich herum. Auf das schauen, was mir gelungen ist in den letzten Tagen. Was ich mir erarbeitet habe, erkämpft habe. Was mir geschenkt worden ist. Was mir so viel Freude macht! Die Dankbarkeit ist das Tor zum Realismus im Leben. Denken heißt danken, sagt ein alter Spruch. Wofür und für wen bin ich heute dankbar, schon jetzt in aller Früh?!                    

 

Radio NÖ Morgengedanken, Freitag, 27. September 2019

„Erntedank“, sagte vor kurzem ein guter Bekannter zu mir: das sind ja gleich zwei Fremdwörter auf einmal! Wer sagt denn heute schon Danke! Und wer hat schon einmal bei einer Ernte mitgeholfen? Tatsächlich: immer weniger Menschen leben in unseren Ländern von und in der Landwirtschaft. Und die wird auch immer maschineller, ja industrieller. Arbeit heißt meist: Produktion, etwas herstellen, machen. Und was vorher und nachher dafür notwendig ist, wie etwa Transport, Marketing und Verkauf. Meistens haben wir etwas, weil wir es schlicht und einfach gekauft haben. Das gilt für die meisten Dinge und auch für die meisten Lebensmittel. Ernte – und davor solche Vorgänge oder Arbeitsschritte wie Aussaat, düngen, jäten, und immer wieder viel warten und wachsen lassen – das kommt immer weniger vor im Leben.Ein bewusster Blick auf unsere Nahrungsmittel kann uns vieles lehren: wie nah oder wie fremd sind sie uns?! Ernte-Dank können da zwei Hilfs-Wörter sein, die uns wieder dem Leben näher bringen!

Radio NÖ Morgengedanken, Samstag, 28. September 2019

Heute am Samstag haben viele Menschen arbeitsfrei und können oder müssen daher Dinge erledigen, für die sonst keine Zeit ist. Hausarbeiten, Einkaufen, Putzen, Waschen und so weiter. Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. - Was hat das damit zu tun? Vielleicht mache ich heute andere Wege als zum Arbeitsplatz, habe etwas mehr Zeit für andere Dinge und Menschen. Und kann manches bewusster in den Blick nehmen. Zum Beispiel die Landschaft, in der ich lebe. Die Natur, von der ich umgeben bin. Manche Menschen finden auch wieder neu einen Zugang zu den Nahrungsmitteln, die sie im eigenen Garten, am Balkon oder Fensterbrett pflanzen und ernten. Wo kann ich da heute im Kleinen meinen Erntedank begehen?!
Und für welche Bauern in meiner Umgebung, die ich persönlich kenne, bin ich dankbar, für ihre Arbeit? Und im übertragenen Sinn: Welche Früchte darf ich in diesen Tagen ernten? Welche Mühe hat sich gelohnt im Lauf eines Tages, einer Woche, eines Jahres?! Worüber kann ich mich heute dankbar freuen?